https://www.faz.net/-gv6-9zl3x

Technologiebörse Nasdaq : Strengere Regeln für chinesische Börsengänge

  • Aktualisiert am

Luckin Coffee: Die Kaffee-Kette schockte Anleger mit einem Bilanzskandal Bild: Reuters

Laut Insidern will die amerikanische Technologiebörse wohl die Anforderungen für Börsenkandidaten verschärfen – was vor allem Unternehmen aus China treffen könnte. Hintergrund ist offenbar nicht nur der Handelsstreit, sondern auch ein Bilanzskandal der jüngeren Vergangenheit.

          2 Min.

          Inmitten wachsender Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China will die amerikanische Technologiebörse Nasdaq Insidern zufolge Börsengänge von chinesischen Unternehmen erschweren. Nasdaq werde zwar keine chinesischen Firmen beim Namen nennen, doch erfolge der Schritt wegen Bedenken über die fehlende Transparenz chinesischer Börsenkandidaten und ihrer engen Beziehungen zu den Mächtigen im Reich der Mitte, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

          Die neuen Regeln sind auch eine Reaktion auf Bilanzskandale wie den um den chinesischen Starbucks-Konkurrenten Luckin Coffee, der 2019 an die Nasdaq gegangen war. Bei der Kaffeehaus-Kette bestand ein Großteil der Umsätze offenbar nur auf dem Papier.

          Im Herbst hatte die Nasdaq die Zulassungsbedingungen schon einmal zulasten chinesischer Firmen verschärft. Damals ging es darum, Börsengänge von kleinen chinesischen Unternehmen zu beschränken, deren Aktien kaum gehandelt werden. Die geringe Liquidität macht deren Papiere für viele große institutionelle Investoren unattraktiv.

          Nun verschärft die Nasdaq die Vorgaben weiter. Unternehmen müssten bei einem Börsengang mindestens 25 Millionen Dollar einsammeln oder mindestens ein Viertel des Unternehmens an die Börse bringen, sagten die Insider. Diese Regeln gälten für mehrere Länder, darunter China. Es ist das erste Mal, dass die Nasdaq einen Mindestgröße für einen Börsengang vorgibt. Von den 155 chinesischen Firmen, die seit dem Jahr 2000 an der Technologiebörse ihr Debüt gefeiert haben, sammelten 40 Unternehmen weniger als 25 Millionen Dollar bei ihrem Börsengang ein, wie aus Daten von Refinitiv hervorgeht.

          Kleine chinesische Firmen streben einen Börsengang in den Vereinigten Staaten an, weil ihre Gründer so Anteile versilbern können und dafür Dollar erhalten. Wegen der Kapitalkontrollen in China ist es für sie nicht einfach, dort an Dollar zu gelangen. Zudem ist es mit dem „Gütesiegel“ einer Notierung an der Nasdaq einfacher, an Kredite zu kommen. Auch vergeben lokale Behörden Zuschüsse, wenn es ein Unternehmen an die Börse schafft.

          Die Nasdaq will auch sicherstellen, dass sich die Firmen an internationale Bilanzierungsstandards halten. Die Börse werde die Bilanzierung von kleinen amerikanischen Firmen, die die Bücher chinesischer Börsenkandidaten prüfen, kontrollieren, sagten die Insider.

          Amerikas Präsident Donald Trump hatte in einem Interview mit Fox Business vergangene Woche erklärt, dass er sehr genau prüfe, ob chinesische Firmen sich an amerikanische Bilanzierungsstandards halten müssen, wenn sie an die New Yorker Börse gehen. Trump sagte aber auch, „das Problem dabei“ sei, dass die Firmen dann in London oder Hongkong an die Börse gehen könnten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Friedrich Merz (CDU)

          F.A.S. exklusiv : Merz will die Quote abwenden

          Friedrich Merz arbeitet bereits an einem Gegenvorschlag zu einer verbindlichen Frauenquote in der CDU. Und auch die Basis der Partei ist skeptisch. Merz’ Konkurrent Armin Laschet will sich nicht dazu äußern.
          Bewohner des dicht besiedelten Viertels Hillbrow in Johannesburg, Südafrika

          Bevölkerungswachstum : Afrikas demographisches Dilemma

          Bis zum Ende des Jahrhunderts leben elf Milliarden Menschen auf der Erde. Vor allem in Afrika steigt die Zahl. Was bedeutet das für den Kontinent und seinen Nachbarn Europa – auch im Hinblick auf das Coronavirus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.