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Geldpolitik bürgernah : Große Aussprache mit der Bundesbank

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf einem Bankenkongress Bild: Reuters

Europas Notenbanken öffnen sich dem Dialog mit Sparern. Dabei kommen vor allem der Niedrigzins, die Altersvorsorge und die steigenden Wohnkosten zur Sprache.

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          Turnhallen voller diskussionsfreudiger oder gar aufgebrachter Bürger gab es nun doch nicht. Stattdessen fand am Freitag, natürlich Corona geschuldet, die zentrale Veranstaltung des angekündigten Bürgerdialogs für die Neuausrichtung der Europäischen Zentralbank in Deutschland als Online-Konferenz statt. Unter dem Titel „Ihre Bundesbank hört zu“ diskutierte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann mit Vertretern diverser Verbände über Kritik und Wünsche zur Geldpolitik.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die niedrigen Zinsen fürs Ersparte, die in einer Turnhalle voller zufällig ausgewählter Bürger sicher öfter mal zur Sprache gekommen wären, erwähnten die Verbandsvertreter eher am Rande. Als Thema, das manche ihrer Mitglieder durchaus beschäftige, auch wenn sie, die Verbandsvertreter, natürlich über tiefere Einsichten in die Notwendigkeiten der Geldpolitik verfügten.

          Trotzdem sei es ein Thema auch unter Gewerkschaftsmitgliedern, berichtete Wilfried Kurtzke von der IG Metall, ebenso wie die Frage, wie man unter diesen Umständen Altersvorsorge betreiben solle. Auch Freiberufler, die nicht immer so vermögend seien, wie viele glaubten, machten sich Sorgen, wie man für die Altersvorsorge noch ausreichend Erträge auf sein Kapital erziele, um zumindest einen Inflationsausgleich zu haben, sagte Hartmut Kilger von der Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungseinrichtungen.

          Dauersorge Inflation

          Die Sorge der Gewerkschaften jedenfalls sei eher Deflation als Inflation, meinte Stefan Körzell vom DGB. Für die Tarifpolitik seien aber auch unvorhersehbare Schwankungen der Inflationsrate schwierig, sagte Beate Scheidt von der IG Metall. Reiner Holznagel vom Steuerzahlerbund wies noch darauf hin, dass man auch auf ältere Mitbürger in Deutschland Rücksicht nehmen müsse, die wegen der Hyperinflation der 20er Jahre Angst vor Inflation hätten; auch wenn die Inflationsrate im Moment dazu keinen Anlass gebe.

          Unterschiedliche Meinungen gab es zu der Frage, ob die Notenbank auch den Klimawandel stärker in der Geldpolitik berücksichtigen sollte. Mauricio Vargas von Greenpeace plädierte dafür – Alexander Barthel vom Zentralverband des Deutschen Handwerks dagegen wetterte: „Geldpolitik muss Geldpolitik bleiben.“

          Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wollte noch wissen, was die Verbandsvertreter davon hielten, selbstgenutztes Wohneigentum künftig auch auf europäischer Ebene in die Inflationsmessung einzubeziehen. Während viele das für gut hielten, etwa auch Kai Warnecke von Haus und Grund, hatten manche Gewerkschaftsvertreter einen anderen Vorschlag: Man solle lieber die heftig gestiegenen Mieten im Warenkorb künftig höher gewichten.

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