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Nachrangige Bankanleihen : Bald zu groß für Kleinanleger

  • -Aktualisiert am

Zentrale in Frankfurt: Ein aktueller Aufsatz der Bundesbank beleuchtet den Schutz von Kleinanlegern vor Bankenpleiten. Bild: dpa

Große Kreditinstitute dürfen Anleihen demnächst nur noch ab 50.000 Euro emittieren, wenn die Papiere zur Haftung für Verluste herangezogen werden können. Das soll Privatkunden vor Risiken schützen. Für kleinere Banken gilt eine weniger restriktive Mindeststückelung.

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          Für Privatanleger ist der Zugang zu speziellen Bankanleihen deutlich eingeschränkt worden. Das gilt für Wertpapiere, die nicht nur der laufenden Finanzierung von Kreditinstituten dienen, sondern auch zur Haftung für deren Verluste herangezogen werden können. Diese Regelung beleuchtet ein aktueller Aufsatz aus dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank für Dezember.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Vorschrift soll dem Schutz der Anleger vor unkalkulierbaren Risiken dienen. Demnach können große Banken nachrangige Anleihen nur in Stückelungen von mindestens 50.000 Euro emittieren. Für kleinere und weniger komplexe Geldinstitute gilt eine etwas weniger restriktive Mindeststückelung von 25.000 Euro. Dazu schreibt die Bundesbank: „Mit der Einführung einer Mindeststückelung soll sichergestellt werden, dass Privatkunden und insbesondere Kleinanleger ihr Vermögen nicht übermäßig in Instrumente anlegen, die vorrangig für einen Bail-in herangezogen werden können.“ Mit dem Begriff des Bail-in ist die Haftung der Gläubiger – also der Anleger – für Verluste von Finanzinstituten gemeint.

          Faktischer Ausschluss

          Auf den ersten Blick klingt es widersprüchlich, das Engagement dadurch reduzieren zu wollen, indem die Portionen vergrößert werden. Allerdings sollen die hohen Mindeststückelungen offensichtlich faktisch für einen Ausschluss von Kleinanlegern sorgen, die sich die großen Tickets schlicht nicht leisten können. Wie die Bundesbank schreibt, sollen Privatanleger nicht in der ersten Verteidigungslinie stehen, wenn es darum geht, im Fall der Insolvenz oder Abwicklung einer Bank Verluste zu absorbieren.

          Die Regeln treten Ende des Jahres im Rahmen des sogenannten Risikoreduzierungsgesetzes in Kraft. Mit diesem setzt die Bundesregierung das im Juni 2019 veröffentlichte umfangreiche Bankenpaket der Europäischen Union in deutsches Recht um. Grundsätzlich zielen die nach der Finanzkrise eingeführten europäischen Bankenregeln darauf ab, den Privatsektor stärker für Verluste von Finanzinstituten haften zu lassen. Dadurch soll verhindert werden, dass wie damals nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise Milliarden an Steuergeld für die Rettung maroder Banken mobilisiert werden müssen. Stattdessen sollen die professionellen Investoren notfalls stärker zur Rechenschaft gezogen werden.

          Privatanleger dagegen sollen erst gar nicht in die Versuchung kommen, übermäßig in riskante Bankanleihen zu investieren. Für die riskanten Aktien von Kreditinstituten gibt es jedoch keine solchen Einschränkungen.

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