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Nachhaltige Investitionen : Wirkungsbezogene Geldanlagen genießen unter Deutschen wenig Vertrauen

Fehlendes Vertrauen: Ob Deutschlands Bemühungen um Nachhaltigkeit sich lohnen, stellen viele in Frage. Das wirkt sich auf Anlageentscheidungen aus. Bild: dpa

Zwei Studien deuten darauf hin, dass es den Deutschen bei der Geldanlage um Sicherheit und Rendite geht. Nachhaltigkeit ist für viele ein wichtiges Thema, aber nicht entscheidend für die Auswahl ihrer Anlagemöglichkeiten.

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          Im ersten Quartal 2022 hat sich das Vermögen in nachhaltigen Publikumsfonds verglichen mit dem Vorjahresquartal fast verdoppelt, berichtete kürzlich der Fondsverband BVI. 563 Milliarden Euro hielten die Deutschen Ende März in „grünen“ Fonds. Einzelne Vermögensverwalter vermelden in ihren Jahres- und Quartalszahlen gern Ähnliches.

          Gregor Brunner
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aber kommt es den Anlegern wirklich immer mehr auf die Nachhaltigkeit und die Wirkung ihrer Geldanlage an? Die Ergebnisse zweier Studien zeigen in eine andere Richtung. Wie die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment in ihrer repräsentativen Erhebung herausfand, halten 67 Prozent der Deutschen Nachhaltigkeit für ein wichtiges Thema. Bei der Geldanlage ist sie aber nur für 10 Prozent ein Entscheidungskriterium. Wiederum 49 Prozent der Befragten achten auf die Sicherheit der Anlagen. Die erwartbare Rendite ist für 48 Prozent ein entscheidender Maßstab. 8 Prozent nannten die Kosten der Anlage. Auch bezweifeln viele die Wirkung nachhaltiger Geldanlagen. 47 Prozent geben an, den Erfolg deutscher Nachhaltigkeitsbemühungen und deren globale Wirkung zu bezweifeln. Nur 13 Prozent denken, durch ihre Anlagen Einfluss auf die Unternehmensführung und Geschäftspraktiken von Unternehmen auszuüben.

          Die Ergebnisse der Union Investment decken sich mit einer Studie des amerikanischen Vermögensverwalters American Century Investments, die der F.A.Z. vorab exklusiv vorlag. Darin wurden die Meinungen von Erwachsenen aus den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Australien zu wirkungsbezogenen Geldanlagen verglichen. Unter den Befragten der vier Länder waren die Deutschen am wenigsten mit dem Konzept vertraut, und falls sie wussten, was sich hinter dem Konzept versteckt, fanden es die wenigsten ansprechend. Während in den USA und Großbritannien jeweils 61 und 63 Prozent von wirkungsbezogenen Anlagen überzeugt waren, gaben nur 44 Prozent der Deutschen positive Antworten diesbezüglich. Bei den Kriterien für die Anlageauswahl der Deutschen belegten Auswirkungen auf die Gesellschaft mit 59 Prozent den letzten Platz. Rendite, Risiken, Kosten und Anlagedauer waren allesamt wichtiger. Ein ähnliches Bild ergibt sich in den anderen Ländern, allerdings nannten in allen mehr Befragte die Auswirkungen als Entscheidungsgrund.

          Nachhaltigkeit nicht nur als Marketing-Begriff

          Vergleichsweise entspannt waren die deutschen Studienteilnehmer in Bezug auf die Falschausweisung der Verwendungszwecke nachhaltiger Anlagen oder „Greenwashing“. Zwar denken 50 Prozent, Greenwashing habe zugenommen. 18 Prozent sagen dagegen, es habe nicht zugenommen – die meisten im internationalen Vergleich, die die Annahme verneinten.

          Anderer Meinung sind offensichtlich amerikanische Behörden. Die US-Börsenaufsicht SEC kündigte am Mittwoch an, die Regeln für Anlagefonds, die als nachhaltig vermarktet werden, verschärfen zu wollen. Die SEC will dafür sorgen, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Behauptung im Prospekt ist, sondern auch als Strategie durch den Fonds verfolgt wird.

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