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Unternehmen denken um : Eine Chance für die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Eine Wirtschaft, die allen Amerikanern dient und nicht nur den Aktionären: Das sind neue, hoffnunggebende Töne von Amerikas Unternehmenslenkern. Bild: AP

Dass hochrangige Wirtschaftsmanager sich im Zeichen der Nachhaltigkeit von Shareholder Value verabschieden, ist ein wichtiger Schritt. Man sollte ihn begrüßen und nicht abwerten.

          Wenn die Lenker von Unternehmen wie der größten Bank der westlichen Welt, der weltgrößten Pharmafirma, des weltgrößten Technologiekonzerns und viele andere eine gemeinsame Erklärung abgeben, hat dies Bedeutung. Jetzt fordern sie, Unternehmen müssten nicht nur das Wohl ihrer Aktionäre im Auge haben, sondern eine Wirtschaft mit hochwertigen Arbeitsplätzen und guten Löhnen schaffen, die allen Amerikanern dient.

          Auch wenn dies natürlich nur eine Absichtserklärung ist, wie sie von einem Interessenverband nicht anders zu erwarten ist, so ist es doch ein Bekenntnis von Gewicht. Denn es zeigt auf höchstem Niveau, dass Nachhaltigkeitsdenken immer weiter auch in das Denken der Wirtschaft vordringt. Vor dreißig Jahren wäre eine solche Erklärung undenkbar gewesen, gerade in Amerika, wo man die Unterzeichner womöglich gar als „Kommunisten“ verteufelt hätte. Noch vor zehn Jahren wäre eine solche Erklärung wenig wahrscheinlich gewesen.

          Und warum sollte sich das Denken von Unternehmenslenkern nicht wandeln? Die Vermögensverwaltungsbranche ist auf diesem Weg schon einige Jahre voraus. Auch dort begann nachhaltiges Investieren einst als exotische Spielart mit unverbindlichen Absichtserklärungen. Heute ist es ein Trend. Private Vermögensverwalter und Family-Offices stellen schon seit längerem fest: Die kommende Generation der Wohlhabenden will nicht nur renditeträchtig, sondern auch sinnvoll investieren.

          Wie Lehrer, Journalisten oder Ingenieure, sind auch Banker, Investoren und Manager Menschen mit den unterschiedlichsten Wertvorstellungen und Ansichten. Ihnen zu unterstellen, sie dächten alle gleich und seien nur an kurzfristiger Profitmaximierung interessiert, ist ebenso ungerecht wie borniert.

          Die Nachhaltigkeitserklärung des „Business Roundtable“ ist nur ein kleiner Schritt auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft der Wirtschaft. Allerdings können aus ihr weitere Folgen erwachsen. Verordnungen des Staates können ebenso zum Wandel beitragen. Wer nur auf das eine oder das andere setzt, überfordert entweder die Politik oder die Unternehmen. Denn beide sehen sich einer Vielzahl oft widersprüchlicher Forderungen ausgesetzt. Aktionäre wollen ein sauberes Unternehmen, aber auch anständige Dividenden. Verbraucher wollen kein Mikroplastik, aber auch ihre Einkäufe bequem nach Hause tragen.

          Wer nur auf Freiwilligkeit setzt, erwartet zu viel von den Menschen. Wer zu viel Zwang ausübt, landet unweigerlich in der Diktatur. Den Klimawandel zu bekämpfen und eine nachhaltige und gerechte Zukunft zu gestalten, geht alle Mitglieder einer Gesellschaft an. Diese Aufgabe lässt sich daher nur nachhaltig lösen, wenn stets möglichst viele das Gefühl haben, diesen Weg mitgestalten zu können und auf dem Weg in diese Zukunft nicht überfahren zu werden. Das gilt für Verbraucher ebenso wie für Aktionäre und Manager, die am Ende des Tages alle auch Bürger, Wähler und vor allem Menschen sind.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

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