https://www.faz.net/-gv6-8l562

Kapitalanlagen : Finanzmärkte im Klimawandel

Risiken des Klimawandels: Die Gefahr von Unwettern wie hier in Nebraska nimmt zu. Bild: AFP

Nachhaltige Kapitalanlagen werden immer wichtiger. Der größte Investor der Welt, Blackrock, bereitet sich auf tiefgreifende Auswirkungen vor. Gesetzliche Vorgaben und technologischer Wandel lassen keine andere Wahl.

          Die Kapitalmärkte stehen vor einem großen Trend: nachhaltige Anlagen für den Klimaschutz. Das Thema beherrschte am vergangenen Wochenende das Treffen der Regierungschefs aus den 20 wichtigsten Wirtschaftsländern (G 20). Im chinesischen Hangzhou erklärten die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, die Vereinigten Staaten und China, die Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens. In der französischen Hauptstadt hatten sich im vergangenen Dezember 196 Staaten darauf geeinigt, dass die Erderwärmung auf deutlich weniger als 2 Grad Celsius im Vergleich zu vorindustriellen Niveaus begrenzt werden soll.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind schon seit geraumer Zeit große Themen an den Kapitalmärkten. „Investoren können den Klimawandel nicht mehr länger ignorieren“, lautet die Einleitung zu einer Studie des größten Vermögensverwalters der Welt, der amerikanischen Gesellschaft Blackrock. Blackrock-Vizepräsident Philipp Hildebrand und die für nachhaltige Anlagen zuständige Deborah Winshel verweisen in ihrem Vorwort auf die strengeren Vorgaben zum Klimaschutz und den technologischen Wandel. Beides habe unmittelbare Auswirkungen auf alle Anleger an den Kapitalmärkten, selbst wenn die tatsächlichen Auswirkungen noch nicht endgültig feststünden. So beeinflussen strengere Vorschriften zum Kohlendioxidausstoß schon jetzt die Automobilhersteller. Darüber hinaus unterliegen die Geschäftsmodelle in vielen Branchen Änderungen, die der Energiespeicherung oder des effizienteren und umweltschonenderen Einsatzes von Energieträgern geschuldet sind.

          Bis zum Jahr 2030 auf 90 Billionen Dollar.

          Versicherer wie die Allianz oder die Münchener Rück investieren Milliarden in Infrastrukturprojekte oder in erneuerbare Energien. Die Versicherer gehören auch zu den wichtigsten Anlegern in Green Bonds als in Anleihen, deren Erlös dem Umwelt- und Klimaschutz dienen muss. Die Allianz und der norwegische Pensionsfonds, mit einem Anlagevermögen von 866 Milliarden Dollar die zweitgrößte Vorsorgeeinrichtung der Welt, ziehen ihre Investitionen aus Industrien ab, die viel Kohlendioxid ausstoßen. Selbst der Familienfonds der sehr wohlhabenden amerikanischen Dynastie Rockefeller verabschiedet sich aus seinen Ölbeteiligungen wie zum Beispiel dem Konzern Exxon. Es sei nicht sinnvoll, Anteile an Unternehmen zu halten, die auf fossile Brennstoffe angewiesen seien, während die internationale Gemeinschaft daran arbeite, deren Einsatz zu reduzieren, so der Rockefeller-Familienfonds. Mit Öl sind die Rockefellers einst reich geworden.

          Blackrock, mit einem verwalteten Vermögen von 4,9 Billionen Dollar die größte Investmentgesellschaft der Welt, geht in der Studie von einer Welle an neuen Vorgaben für den Klimaschutz aus. „Wir halten die Klimafaktoren für unterschätzt und unterbewertet“, lautet eine Kernbotschaft der Blackrock-Studie. Dabei berufen sich die Autoren auf die Stern-Untersuchung, die im Jahr 2006 für die britische Regierung erstellt worden war. Demnach können die Schäden durch den Klimawandel bis zum Jahr 2100 jährlich fünf bis 20 Prozent der Weltwirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) kosten. Je mehr die Auswirkungen des Klimawandels sichtbar würden, desto eher würden die Kosten an den Märkten Berücksichtigung finden.

          Der Investitionsbedarf ist immens. Blackrock schätzt allein im Bereich Infrastruktur den Investitionsbedarf bis zum Jahr 2030 auf 90 Billionen Dollar. Bislang seien aber erst halb so viele Investitionen eingeplant. Deshalb sind nach Ansicht von Blackrock private Investoren gefragt, um die Lücke zu schließen. Aber auch die gegenwärtige Niedrigzinsphase kann sich als hilfreich erweisen. Denn die Finanzierung sei für Staaten gegenwärtig äußerst günstig. Ein Drittel der Staatsanleihen aus den Industrieländern weise derzeit negative Renditen auf.

          Große Hoffnungen in Green Bonds

          Zudem zwingen die historisch niedrigen Zinsen die großen Kapitalsammelstellen wie etwa die Versicherer, sich nach neuen Investitionsmöglichkeiten umzuschauen. Die Bereitschaft, in neue und unkonventionelle Anlagen zu investieren, ist deshalb hoch. Auch davon können nachhaltige Projekte profitieren. Blackrock ist davon überzeugt, dass künftige Aktienanlagen auch von dem Gedanken des Klimaschutzes bestimmt werden. In der Studie wird auf die gute Kursentwicklung von Unternehmen verwiesen, die ihren Einsatz von Kohlendioxid reduziert haben. So sei der Weltaktienindex für diese Unternehmen, der MSCI World Low Carbon Leaders, seit dem Jahr 2010 etwas besser gelaufen als der MSCI World, der nachhaltiges Wirtschaften nicht berücksichtigt. Auf beide Indizes gibt es börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs), mit denen sich auch Privatanleger zu diesem Thema positionieren können.

          Große Hoffnungen setzt Blackrock in den wachsenden Markt der Green Bonds. Dieser erreichte im Juli mit 130 Milliarden Dollar das größte Volumen aller Zeiten. Aber dies ist noch immer verschwindend klein gegenüber dem gesamten Anleihevolumen in der Welt: Grüne Anleihen machen nur 0,15 Prozent aus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Geheimnis des Darts : Auf der Suche nach dem perfekten Wurf

          Die besten Dartsspieler werfen bei der WM in London ihre Pfeile fast nach Belieben in winzig kleine Felder. Für Professor Metin Tolan ist das in dieser Exaktheit physikalisch kaum erklärbar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.