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Teurer Kraftstoff : Vorerst fahren Pendler weiter mit dem Auto, trotz hoher Benzinkosten

Ölraffinerie im Sonnenuntergang: Wer verdient am teuren Benzin? Bild: Reuters

Tankstellen berichten nur in Grenzregionen von Rückgängen durch hohen Preis

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          sibi. Frankfurt ⋅ Tanken die Menschen angesichts rekordhoher Benzinpreise eigentlich weniger? Die Betreiber von Tankstellen jedenfalls berichten, ein solcher Effekt sei nicht besonders stark zu beobachten. Die amtlichen Zahlen über den Kraftstoffabsatz würden zwar immer erst mit einiger Zeitverzögerung veröffentlicht, sagte Jürgen Ziegner, der Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes in Bonn. Er könne aber aus Gesprächen mit Tankstellenbetreibern berichten: Es gebe insgesamt nur einen „leicht zurückgehenden Absatz“ trotz des Preisniveaus: „Wirklich eklatante Absatzrückgänge verzeichnen wir nur in den Grenzregionen“, sagte Ziegner: „Der Tanktourismus entwickelt sich für viele Tankstellen in diesen Gebieten zur Existenzgefährdung.“ Ansonsten gebe es eine gewisse Verschiebung der Nachfrage – von teureren Markentankstellen auf günstigere.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Deutschland kostet ein Liter Diesel jetzt im Schnitt 2,17 Euro, Super E10 etwa 2,09 Euro je Liter. Das ist etwas weniger als bei den Höchstständen vor zwei Wochen. Allerdings ist der Preis für Rohöl, der zwischenzeitlich schon mal von fast 140 auf weniger als 100 Dollar je Barrel (159 Liter) gefallen war, zuletzt wieder auf 115 Dollar gestiegen. Als Grund wurden die Überlegungen der Europäischen Union über ein Embargo russischen Öls genannt. In manchen Nachbarländern kostet Kraftstoff weniger, in Polen etwa im Durchschnitt 1,65 Euro je Liter Diesel. Das führt zu Tanktourismus. Unterdessen ermitteln in Österreich die Kartellbehörden, ob es zwischen den Mineralölkonzernen Preisabsprachen gegeben hat. Auch in Deutschland hat Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) das Bundeskartellamt gebeten, „die Benzin- und Dieselpreise sehr genau zu beobachten und bei jeglichem Hinweis auf missbräuchliches Verhalten tätig zu werden“. Auf Anfrage hieß es beim Kartellamt, man führe „kein konkretes Verfahren gegen ein oder mehrere Unternehmen“. Die Kartellbehörde beobachte den Markt aber sehr genau und werde im April turnusgemäß den Jahresbericht der Markttransparenzstelle Kraftstoffe veröffentlichen, der sich mit diesem Thema auseinandersetze.

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