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Nach Manipulationsversuchen : Commerzbank feuert Händler wegen Devisenskandal

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Commerzbank hat einen Händler entlassen, der offenbar versucht hat, den Wechselkurs des polnischen Zloty zu seinen Gunsten zu manipulieren.

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          Der weltweite Skandal um Manipulationen am Devisenmarkt hat die Commerzbank erreicht. Wegen versuchter Tricksereien entließ das Geldhaus Finanzkreisen zufolge einen Händler in Frankfurt und suspendierte einen weiteren in London. Die Commerzbank bestätigte am Mittwoch den Manipulationsversuch, der über interne Kontrollsysteme aufgeflogen sei.

          Andere Institute wie die Hypovereinsbank (HVB) und die DZ Bank haben wegen der Vorgänge am Devisenmarkt ebenfalls Untersuchungen eingeleitet. Sie fanden bisher jedoch keine Anzeichen für eine Beteiligung an den Manipulationen.

          Die Deutsche Bank hat Finanzkreisen zufolge bereits vor einiger Zeit mehrere Händler entlassen oder beurlaubt, darunter auch eine führende Devisenhändlerin in London. Die Commerzbank spricht bisher lediglich von zwei Suspendierungen. „Wir gehen davon aus, dass es sich hierbei um einen Einzelfall handelt, von dem weder die Bank noch die betroffenen Mitarbeiter profitiert haben“, sagte ein Sprecher der zweitgrößten deutschen Bank. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass weitere Händler involviert seien.

          Manipulationsversuch bei Zloty-Transaktion

          Finanzkreisen zufolge haben die beiden Commerzbank-Händler im Januar bei einem Euro-Geschäft mit der polnischen Währung Zloty getrickst. Devisenhändler in Warschau haben allerdings keine Hinweise auf eine Manipulation am Markt registriert. „Der Januar war für den Zloty relativ volatil“, sagte ein Händler einer großen Bank. „Aber ich habe nicht gemerkt, dass jemand am Zloty herumgeschraubt hat. Die große Frage ist natürlich, um was für eine Art von Manipulation es sich gehandelt hat.“

          Weltweit untersuchen die Aufseher seit etwa einem Jahr mutmaßliche Manipulationen auf dem Devisenmarkt, an dem täglich mehr als fünf Billionen Dollar umgesetzt werden. Dabei stehen Unregelmäßigkeiten bei der Festsetzung von Referenzkursen für verschiedene Währungen im Fokus. Laut Experten drohen den Instituten Milliardenstrafen - ähnlich wie bei der Manipulation der Referenzzinssätze Libor und Euribor.

          Bafin ermittelt

          Erst am Dienstag hatte die deutsche Finanzaufsicht BaFin im Devisenskandal Alarm geschlagen und erklärt, nach ihren Erkenntnissen habe es definitiv Versuche gegeben, Preise zu manipulieren. Weil das Thema so komplex ist, dürften sich die Ermittlungen der Aufseher mindestens bis ins nächste Jahr ziehen. Die BaFin hat nach eigenem Bekunden bei mehreren deutschen Banken interne Untersuchungen zu den Devisengeschäften angestoßen. Zur Aufklärung von Handelsskandalen könne die Behörde als äußerstes Mittel auch Sonderprüfungen starten, sagte ein BaFin-Sprecher. Der bei der Commerzbank aufgedeckte Fall gehe aber auf die internen Kontrollsysteme zurück, betonte ein Insider.

          “Die HVB untersucht seit Ende letzten Jahres aufgrund der Anfragen von Aufsichtsbehörden das Thema Devisenmärkte“, sagte eine Sprecherin des Münchner Instituts. „Die bisherigen Untersuchungen haben keinerlei Hinweise auf die Mitwirkung an Manipulationen ergeben.“ Die DZ Bank hat vorsorglich eine interne Prüfung eingeleitet, als es erste Presseberichte über mögliche Manipulationen am Devisenmarkt gab, wie ein Sprecherin des genossenschaftlichen Spitzeninstituts erklärte. Dabei hätten sich jedoch keine Verdachtsmomente ergeben.

          Der Hamburger HSH Nordbank und der Frankfurter Helaba ist nach eigenen Angaben nichts von Untersuchungen bekannt. Gleiches gilt Finanzkreisen zufolge auch für die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), deren Sprecher sich zu dem Thema nicht äußern wollte.

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