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Finanzielle Unregelmäßigkeiten : Bei Nissan zeichnet sich Führungswechsel ab

Das Markenzeichen des japanischen Autoherstellers Nissan Bild: Reuters

Der Chef von Nissan Motor, Hiroto Saikawa, hat nach japanischen Medienberichten seine Bereitschaft zum Rücktritt erklärt. Am Montag tagt in Yokohama der Verwaltungsrat. Dabei geht es auch um eine Nachfolgeregelung.

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          Nissan Motor steht vor einem vielleicht schnellen Wechsel an der Spitze. Nissan-Chef Hiroto Saikawa sagte am Montagmorgen vor Journalisten, er wolle die Verantwortung so schnell wie möglich an die nächste Generation abgeben. Das berichtete die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei. Saikawa habe zudem mehreren Managern kundgetan, dass er zurücktreten wolle. Zeitpunkt und Nachfolger seien aber noch nicht festgelegt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Saikawa war vergangene Woche unter zusätzlichen Druck gekommen, als bekannt wurde, dass ein interner Untersuchungsausschuss bei seinen Gehaltszahlungen Unregelmäßigkeiten festgestellt hatte. Der Nissan-Chef soll 2013 umgerechnet rund 400.000 Euro Bonus zu viel erhalten haben, weil der Auszahlungstermin für die am Aktienkurs hängende Anreiz-Zahlung verschoben wurde. Saikawa hat eingestanden, dass die Zahlung nicht den Regeln entsprach, beharrt aber darauf, dass er daran keine Schuld trage. „Ich habe das Unternehmen nie angewiesen, die Regeln zu brechen“, zitierte Nikkei Saikawa am Montag.

          Der Manager wird auch kritisiert, weil seine Rolle in dem Finanzskandal um den früheren Chef Carlos Ghosn nicht geklärt ist und weil Nissans Ergebnis sich in den vergangenen beiden Jahren drastisch verschlechtert hat. Saikawa hat mit der Führung des in einer Allianz verbundenen französischen Autobauer Renault eine Art Burgfrieden geschlossen – eine von Frankreich gewünschte Fusion der beiden Unternehmen hat er aber abgelehnt.

          Generelles Problem der Unternehmensführung mit Goshn

          In Yokohama am Hauptsitz des Unternehmens wollte am Montag der Verwaltungsrat des Autobauers zusammenkommen. Ein Thema würden die vom Aktienkurs abhängigen Bonuszahlungen sein, erklärte ein Sprecher von Nissan, der weitere Auskünfte ablehnte. Dabei geht es auch darum, ob das Unternehmen Saikawa bestrafen wird. Eine Rolle wird dabei spielen, ob auch andere Manager überhöhte Bonuszahlungen erhielten.

          Das weist auf ein generelles Problem der Unternehmensführung zumindest in den vergangenen Jahren unter dem geschassten früheren allmächtigen Chef Carlos Ghosn hin. Dieser ist in Japan wegen des Verdachts der finanziellen Unregelmäßigkeiten und der Veruntreuung angeklagt. Er war im November 2018 festgenommen worden und bestreitet alle Vorwürfe. Nach japanischen Medien Information wird der Verwaltungsrat auch über mögliche Nachfolger für Saikawa und das Nachfolge-Prozedere beraten.

          Liste mit Nachfolgekandidaten vorbereitet

          Der neuen Nominierungsausschuss, der im Juni eingerichtet worden war, soll schon kurz danach mit der Suche nach möglichen Nachfolgern begonnen haben. Angeblich soll der Ausschuss, dem der Vorsitzende des Verwaltungsrats von Renault, Jean-Dominique Senard angehört, schon eine Liste von zehn möglichen Nachfolgekandidaten vorbereitet haben. Genannt werden als mögliche interne Nachfolger Makoto Uchida, der derzeit Nissans China-Geschäft leitet, und Jun Seki, der Nissans wirtschaftliche Leistung zum besseren drehen soll.

          Der 65 Jahre alte Saikawa hatte im Juli bei der Vorlage schlechter Quartalsergebnisse erklärt, er hoffe, dass der Nominierungssausschuss bald die Diskussion über seine Nachfolge beginne und einen Rahmen für das Management der nächsten Generation schaffen werde. Er deutete damals an, dass ein Führungswechsel im Laufe der kommenden zwölf Monate stattfinden könne. Saikawa hatte 2017 von Ghosn die Führung von Nissan als CEO übernommen. Auf Fragen nach einem Rücktritt hat er in den vergangenen Monaten wiederholt erklärt, er sei sich seiner Verantwortung bewusst. Vor allem aber bestehe seine Verantwortung zunächst darin, Nissan auf einen guten Weg zu führen.

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