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Der „Kryptokönig“ regiert : Beruhigung am Kryptomarkt

Alle Hoffnungen des Kryptomarktes ruhen nun auf ihm: Binance-Chef Changpeng Zhao Bild: Reuters

Der neue „Kryptokönig“, Binance-Chef CZ, sorgt mit staatsmännischen Ankündigungen für eine Stabilisierung des Marktes. Derweil zeigen sich institutionelle Anleger zunehmend misstrauisch.

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          Die Pleite der Kryptobörse FTX zieht auch zu Wochenbeginn weiter Kreise. Am Montag sorgten Ankündigungen von Binance-Chef Changpeng Zhao, kurz „CZ“ genannt, für Kursgewinne. Bitcoin legte um knapp 1000 Dollar auf mehr als 16.700 Dollar zu, Ethereum stieg von rund 1185 auf zuletzt rund 1260 Dollar. CZ hatte angekündigt, einen Fonds zur Branchenrettung auflegen zu wollen. Damit sollen ein Dominoeffekt aus der FTX-Pleite vermieden und „starke Projekte“ gestützt werden, die in Liquiditätsengpässe gerieten. Selbst der Kurs von Solana, das in enger Beziehung zum FTX-Imperium gesehen wird, der in der vergangenen Woche um rund zwei Drittel eingebrochen war, erholte sich von rund 12 bis auf 15 Dollar.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nähere Angaben zu dem Fonds, etwa wie groß dieser sein solle, gab es keine. Zhao lud indes andere Kryptounternehmen dazu ein, sich an diesem Fonds zu beteiligen. Darüber hinaus forderte CZ, der eigentlich eher dafür bekannt ist, mit Regulierern über Kreuz zu liegen, beim G-20-Treffen auf Bali klare Vorschriften für die Branche. Diese habe die gemeinsame Aufgabe, die Verbraucher zu schützen, was nicht allein Aufgabe der Regulierungsbehörden sei. Vielmehr müsse die Branche selnst die Transparenz erhöhen - just der Mangel daran, gehört zu den häufig gegenüber Binance geäußerten Vorwürfen. Auf der anderen Seite forderte Zhao, Indonesien solle die Kryptobesteuerung reformieren und einfacher Lizenzen vergeben.

          Nach den jüngsten Vorkommnissen drohen viele Vermögensverwalter, sich von Kryptoanlagen abzuwenden. Insoweit sind Zhaos aktuelle Forderungen zumindest nachvollziehbar. Es sei klar geworden, dass Kryptoanlagen in der institutionellen Vermögensallokation keinen Platz finden werden, sagte etwa Hani Redha von Pinebridge Investments der Nachrichtenagentur Bloomberg. Es habe eine Zeit gegeben, in der diese als potentielle Anlageklasse betrachtet worden seien, die jeder Investor in seiner strategischen Vermögensallokation haben sollte. Dies sei jetzt „völlig vom Tisch“.

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          Der Zusammenbruch von FTX werfe Fragen hinsichtlich der Lebensfähigkeit des Kryptoökosystems auf, sagte Salman Ahmed, Chef-Investmentstratege der Fondsgesellschaft Fidelity International, zu Bloomberg. Es sei schon immer schwierig gewesen, Argumente für die Einbeziehung von Kryptowährungen zu finden. Jetzt sei das System aber noch mehr unter Druck geraten.

          Vor einem Jahr klang dies noch anders. JP-Morgan-Stratege Nikolaos Panigirtzoglou schrieb Bitcoin langfristig einen theoretischen Preis von 146.000 Dollar zu, indem es Gold verdränge. Noch im April prophezeiten 42 Prozent der Krypto-Hedgefonds einen Bitcoinpreis zum Jahresende von 75.000 bis 100.000 Dollar. In der vergangenen Woche sagte Panigirtzoglou nun, Bitcoin könne die Tiefstände des Sommers von 13.000 Dollar wieder erreichen. Das Argument, zur Diversifizierung in Kryptowährungen zu investieren, sei schon seit einiger Zeit tot.

          Für Mark Dowding, Chef-Anlagestratege von Blue Bay Asset Management, ist das Argument, Bitcoin könne eine digitale Version von Gold werden, nicht stichhaltig. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis noch mehr Investoren abspringen und die Kryptopreise wieder einbrechen würden. Es hätte klar sein müssen, dass eine Branche, die nichts produziere, Geld verbrenne und verlockende Renditen biete, zum Scheitern verurteilt sei, sagte Dowding.

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