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Versicherungsbranche : Welche Insurtechs überleben?

„Es ist kein Winner-takes-it-all-Markt“

Clark und Simplesurance sind sich in einem ähnlich: Sie haben unbeirrt an ihrem ursprünglichen Geschäftsmodell festgehalten. Clark vertraute darauf, dass viele Kunden unzufrieden darüber sind, dass sie nach dem Abschluss einer Police unzureichend betreut werden. Darauf haben auch andere Wettbewerber gesetzt, die dann aber tiefer in die Wertschöpfung gegenüber dem Kunden eingetaucht sind. Getsafe und Wefox haben ihren Ansatz inzwischen um eigene Versicherungsprodukte erweitert. Moneymeets hat den Ansatz von Online-Banken am konsequentesten auf die Versicherungswirtschaft übertragen und den Kunden sogar eine Rückerstattung von Teilen der Provision versprochen. Wegen des in Deutschland geltenden Provisionsabgabeverbots allerdings hat man sich hier auf juristisch äußerst wackliges Terrain begeben. Knip hat viele Entwicklungsschritte gleichzeitig genommen und ist am Ende an den Akquisitionskosten für neue Kunden gescheitert.

Doch selbst wenn Clark viel Geld eingesammelt und am meisten Kunden überzeugt hat, sieht Oster Platz für Wettbewerber. „Es war kein Rennen, sondern es gibt eine Koexistenz zwischen Wettbewerbern. Es ist kein Winner-takes-it-all-Markt, weil es keine Netzwerkeffekte wie bei Airbnb oder Facebook gibt“, sagt er. Als jüngsten Schritt hat Clark eine Kooperation mit der Versicherungskammer Bayern angekündigt. Diese will die Maklertechnologie ihren Kunden anbieten. Clark erhält eine Lizenzgebühr statt der Provisionen, die sie in ihrem herkömmlichen Geschäft verdient.

Simplesurance musste sich nicht in vergleichbarem Ausmaß gegen Wettbewerber durchsetzen, denn die Versicherung, die am digitalen Verkaufsort automatisch angeboten wird, gibt es von keinem anderen Anbieter. Insofern beruht der Erfolg auf der Einmaligkeit der Technik. Kunden versichern damit ihre gerade erworbenen Handys gegen Diebstahl, Brand- und Wasserschäden. „Das ist nicht über eine herkömmliche Hausratpolice abgedeckt. Insofern schließt der Kunde keine Doppelversicherung ab“, sagt von Hein.

Die internationale Perspektive ist interessant

Anders als viele der Anbieter digitaler Versicherungsordner hat Simplesurance durch die Technik nur geringe Kundenakquisitionskosten. Die Erlöse aus bislang sieben Finanzierungen konnte das Berliner Unternehmen zum großen Teil in die Fähigkeiten des Teams investieren und in die Fortentwicklung der Technologie. Zuletzt hat die Führungsspitze ebenfalls beschlossen, eine Makler-App zu entwickeln. Hier gehe es aber letztlich darum, bestehende Kundenkontakte zu nutzen, um die Wertschöpfungstiefe zu steigern.

Für Clark und Simplesurance ist in ähnlichem Maße die internationale Perspektive interessant. „Man kann sich vertikal oder horizontal entwickeln oder international“, sagt Oster. „Wir haben keine feste Internationalisierungsschiene, aber es ist die wahrscheinlichste Richtung.“ Denn vertikale Entwicklung würde die Hinwendung zu eigenen Versicherungsprodukten bedeuten. Aber selbst Maklerpool mit Services für Vermittler oder Assekuradeur, der selbst Policen auf anderer Partner Risiken zeichnet, wolle er nicht werden. Die horizontale Entwicklung, also etwa das Clark für Gewerbekunden, wäre spannend, aber die Synergien aus der eigenen Technologie wären überschaubar.

Auch Simplesurance will nicht selbst in die Versicherung einsteigen. „Wir wollen nicht Risikoträger sein“, sagt von Hein. Das Besondere an Schutzklick sei die Bereitschaft, mit anderen zu kooperieren. Die Allianz, Arag, Munich Re, Mannheimer und Element nehmen die Rolle als Risikoträger ein. Auch Clark hat den Vorsprung ausgebaut, seit es mit Online-Banken wie ING Diba und Number 26 im Vertrieb kooperiert. Und so scheint gerade die Absage an feindliche Strategien das gewesen zu sein, was erfolgreiche Insurtechs der ersten Welle auszeichnete. Den etablierten Versicherern haben sie Beine gemacht, ohne sie als Kooperationspartner zu verschmähen.

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