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Nach der Libor-Affäre : Neuer Bankenskandal - diesmal am Devisenmarkt?

  • Aktualisiert am

Devisen: Anfällig für Manipulation Bild: dpa

Einige Referenzzinsen wurden sicher manipuliert. Nun gibt es Hinweise darauf, dass Banker auch Wechselkurse manipulierten.

          Händler von einigen der größten Banken der Welt haben Benchmark-Wechselkurse manipuliert, wie die Finanzagentur Bloomberg von fünf Personen erfahren hat, die mit der Praxis vertraut sind. Diese Kurse werden verwendet, um Investments im Volumen von mehreren Billionen Dollar zu bewerten. Bank-Mitarbeiter sind Aufträgen ihrer Kunden zuvorgekommen und haben die WM/Reuters-Devisenkurse manipuliert, indem sie Transaktionen vor und während des 60-Sekunden-Fensters, in dem die Kurse festgesetzt werden, durchgeführt haben. Das erklärten die derzeitigen und früheren Händler, die nicht namentlich genannt werden wollten, weil die Praxis kontrovers ist. Die Händler haben sich auch mit ihren Kollegen bei anderen Instituten abgesprochen, um ihre Chancen zu verbessern, die Kurse zu beeinflussen, wie zwei der informierten Personen erklärten, die insgesamt mehr als 20 Jahre in der Branche gearbeitet haben.


          Dies sei am Devisen-Tagesmarkt täglich geschehen und seit mindestens einem Jahrzehnt, erläuterten die zwei Händler. Dadurch sei der Wert von Fonds und Derivaten beeinflusst worden. Die britische Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA) prüft derzeit, Untersuchungen wegen einer potenziellen Manipulation der Wechselkurse einzuleiten, erklärte eine mit den Überlegungen vertraute Person. „Der Devisenmarkt ist wie der Wilde Westen”, sagt James McGeehan, der 12 Jahre für Banken gearbeitet hat, bevor er 2009 FX Transparency LLC mitbegründete. Seine Firma berät Unternehmen beim Devisenhandel. „Käufer müssen aufpassen.”

          Der Devisenmarkt, an dem täglich 4,7 Billionen Dollar (3,52 Billionen Euro) umgesetzt werden, ist der größte Markt im Finanzsystem - und der am wenigsten regulierte. Der innewohnende Konflikt, dem sich Banken ausgesetzt sehen, wenn sie einerseits Aufträge von Kunden ausführen und andererseits mit eigenen Transaktionen Gewinne einfahren sollen, wird noch dadurch verstärkt, dass ein Großteil des Devisenhandels nicht an Börsen stattfindet. Die FCA arbeitet bereits weltweit mit anderen Aufsichtsbehörden zusammen, um die Integrität von Benchmarks zu überprüfen. Dazu zählen auch die Sätze für die Bewertung von Derivaten und Rohstoffen. Drei Kreditinstitute wurden bereits wegen der Manipulation des Londoner Interbankensatzes Libor mit Strafen von insgesamt 2,5 Mrd. Dollar belegt. Die Behörden untersuchen auch die Benchmarks für die Rohöl- und Swap-Märkte.

          Es dürfte schwer fallen, Händler wegen Marktmanipulation zu verfolgen

          „Die FCA ist sich dieser Anschuldigungen bewusst und hat sich mit den relevanten Parteien in Verbindung gesetzt”, erklärte Chris Hamilton, ein Sprecher der Behörde, mit Blick auf die WM/Reuters-Wechselkurse. Es dürfte jedoch schwer fallen, Händler wegen Markt- Manipulation zu verfolgen, sagt Arun Srivastava, Partner bei der Anwaltskanzlei Baker & McKenzie LLP in London. Denn der Devisenhandel am Tagesmarkt werde von den Aufsichtsbehörden nicht als Finanzinstrument klassifiziert. Die Daten für die WM/Reuters-Wechselkurse werden von World Markets Co., einer Tochtergesellschaft der US-Depotbank State Street Corp., und Thomson Reuters Corp. gesammelt und weitergegeben. Bloomberg LP, die Muttergesellschaft von Bloomberg News, konkurriert mit Thomson Reuters bei der Bereitstellung von Nachrichten und Informationen, wie auch bei Devisenhandels-Systemen und beim Preis-Daten. Bloomberg LP gibt die WM/Reuters-Devisenkurse über die Bloomberg-Terminals weiter.  

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