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Nach der Libor-Affäre : Neuer Bankenskandal - diesmal am Devisenmarkt?

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Die Benchmark-Wechselkurse basieren auf tatsächlichen Transaktionen - und nicht wie beim Referenzzins Libor auf Schätzungen der Banken. Sie können dennoch manipuliert werden, erklärten die fünf Händler, die sich entweder selbst dieser Praxis bedient oder sie beobachtet haben. Zwar nehmen Hunderte Firmen am Devisenmarkt teil, vier Banken dominieren ihn jedoch und kommen zusammen auf einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent, wie aus der Mai-Umfrage von Euromoney Institutional Investor Plc hervorgeht. Demnach ist die Deutsche Bank AG mit 15,2 Prozent Anteil die Nummer eins des Marktes, gefolgt von Citigroup Inc. mit 14,9 Prozent. Rang drei nimmt Barclays Plc mit 10,2 Prozent ein und auf Rang vier kommt die UBS AG mit 10,1 Prozent.   

Es ist unklar, welche Banken beteiligt sind

Die von Bloomberg befragten Händler wollten keine Aussagen dazu machen, welche Banken sich der Manipulation bedient haben und beschuldigten auch keine der Top-4-Banken, darin involviert zu sein. Sprecher von Deutscher Bank, Citigroup, Barclays und UBS wollten zu den Informationen nicht Stellung beziehen. Als Marktmacher führen Banken Kauf- und Verkaufsaufträge für Kunden aus, gleichzeitig handeln sie jedoch auch auf eigene Rechnung. Indem sie Transaktionen auf den Zeitraum direkt vor und während des 60-Sekunden-Fensters konzentrieren, können die Händler die Sätze nach oben oder unten treiben. Dieser Prozess wird „Banging the Close” genannt, erklärten vier der Dealer. Drei von ihnen erläuterten, dass sie ihre eigenen Positionen entsprechend anpassten, wenn sie einen großen Auftrag erhielten - wohl wissend, dass dieser Auftrag den Markt bewegen dürfte. Wenn sie dies nicht täten, würden sie riskieren, Geld für ihre Bank zu verlieren, führten sie aus.
Ein Händler mit mehr als einem Jahrzehnt Erfahrung, sagte, wenn er um 15.30 Uhr den Auftrag erhielte, 1 Milliarde Euro bei der Kurs-Festsetzung um 16 Uhr gegen Schweizer Franken zu verkaufen, dann hätte er zwei Ziele: Seine eigenen Euros zum höchsten Preis zu verkaufen und zudem den Kurs nach unten zu drücken. Denn dann könnte er um 16 Uhr die Euros seines Kunden zu einem niedrigeren Preis wieder kaufen. Er würde dann von der Differenz zwischen dem Referenz-Kurs und dem höheren Kurs, zu dem er seine Euros verkauft hat, profitieren. Wenn der Benchmark-Kurs um zwei Basispunkte nach unten gedrückt wird, bedeute dies immerhin einen Gewinn von 200.000
Franken, sagt er.


Sechzehn der größten Banken, darunter Barclays, JPMorgan Chase & Co. und die Deutsche Bank, haben 2001 einen freiwilligen Verhaltenskodex für Händler am Devisen- und Geldmarkt unterzeichnet, der im November 2011 als Anhang in Richtlinien der Bank of England (BoE) aufgenommen wurde. Der so genannte „Non-Investment Products Code” der BoE besagt, dass die Banken „Vorsicht walten lassen sollten, damit die Interessen der Kunden nicht ausgenutzt werden, wenn Finanz- Intermediäre auf eigene Rechnung” handelten. Darin steht auch, dass „manipulative Praktiken von Banken beim Umgang untereinander oder mit Kunden ein inakzeptables Handels- Verhalten darstellen”. Aber dieser Kodex hat seine Grenzen, sagt Anwalt Ash Saluja, Partner bei CMS Cameron McKenna LLP in London. „Dieser Kodex ist eben freiwillig”, erläutert er. „Es kann sein, dass seine Einhaltung fast schon als optional angesehen wird.”

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