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Nach Datenchaos : Finanzagentur hofft Kunden überwiegend zu halten

  • -Aktualisiert am

Sitz der Bundesfinanzagentur in Frankfurt am Main Bild: Wolfgang Eilmes

Nachdem Kunden empört auf Schreiben der Bundesfinanzagentur reagiert und mit Kündigung gedroht hatten, hofft man dort nun, die Sparer überwiegend zu halten.

          Die Finanzagentur des Bundes hofft die überwiegende Zahl ihrer Kleinanleger als Kunden zu behalten. Jeden Tag gebe es derzeit rund 10.000 Einsendungen, mit denen Kunden auf die Anforderungen des Geldwäschegesetzes reagieren, sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Unter ihren rund 400.000 Kunden hat die ehemalige Behörde in den zurückliegenden Monaten mit der Art, wie sie bei der Umsetzung des Geldwäschegesetzes zur Mitwirkung aufforderte, einigen Ärger ausgelöst.

          Einem ersten Brief im August vergangenen Jahres, den viele Sparer nicht verstanden und auf den sie deshalb nicht reagierten, ließ die ehemalige Behörde kurz vor Weihnachten einen zweiten folgen. Der war jedoch so ungeschickt formuliert, dass viele Sparer das als unverschämt empfanden.

          Gerade der Kundenkontakt lasse zu wünschen übrig

          Insbesondere die Betreffzeile "BEI WEITERHIN UNZUREICHENDER MITWIRKUNG" drohe Ende Januar die Kündigung, brachte Kunden auf die Palme. Ein Leser der F.A.Z. wandte sich daraufhin an die Geschäftsführung der Agentur und drohte seinerseits mit einer Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde der Agentur. Das ist das Bundesfinanzministerium. Doch was als Druckmittel gedacht war, ließ die Finanzagentur kalt. Die Vorgehensweise sei im Vorfeld mit dem Finanzministerium abgestimmt, lautete die Antwort des "Kundenkontaktmanagements" der Finanzagentur.

          Gerade der Kundenkontakt - so lautet der einhellige Vorwurf der Empörten - lasse zu wünschen übrig. So klagt ein weiterer Leser über skurrile Erlebnisse: Er habe den ersten Brief im Sommer richtig verstanden und anders als viele andere Sparer seiner Antwort wie verlangt eine beglaubigte Ausweiskopie beigefügt. Dennoch antwortete die Agentur im Dezember mit der Androhung einer Kündigung. "Ich griff zum Telefonhörer, landete in der Warteschleife und hörte irgendwann das Besetztzeichen."

          Auf Massenansturm nicht vorbereitet

          Daraufhin habe er eine E-Mail senden wollen, auf dem Anschreiben aber keine E-Mail-Adresse gefunden. Die fand sich nach längerem Suchen auf der Internetseite der Finanzagentur des Bundes. Also übermittelte der Kunde sein Anliegen, erhielt auch eine Eingangsbestätigung und die Zusage einer raschen Bearbeitung. Auf eine Antwort warte er fünf Tage später immer noch.

          Erlebnisse wie dieses gibt es unter den Kunden der Finanzagentur viele. Der Betrieb ist offenbar auf einen Massenansturm nicht vorbereitet. So werden die Anrufe der 400.000 Kunden von 15 Telefonisten entgegengenommen, was erklärt, warum die Agentur per Telefon derzeit kaum zu erreichen ist. Trotz dieser Umstände scheint jedoch ein großer Teil der Sparer bereit zu sein, die Konten fortzuführen. Von den mehr als 10.000 Einsendungen, die derzeit jeden Tag eingingen, enthalte der überwiegende Teil alle notwendigen Daten und die erforderliche beglaubigte Ausweiskopie, ist aus der Agentur zu hören.

          Zins und Tilgung fließen ohne weiteres Zutun

          Nach dem ersten Anschreiben hatten nur etwa 100.000 der 400.000 Kunden vollständig geantwortet. Inzwischen sind es offenbar deutlich mehr. "Ich bin zuversichtlich, dass der ganz überwiegende Teil der Anleger einsieht, dass die Umsetzung des Gesetzes für ihn und für uns unumgänglich ist", sagt ein Sprecher der Finanzagentur. Bis zum Ende des Monats haben für die Kunden der Finanzagentur noch Zeit zu reagieren.

          Auch für Sparer, die bis Ende des Monats, nicht alle Anforderungen erfüllen, werden sich jedoch keine allzu schwerwiegenden Folgen ergeben. Selbst wenn das Schuldbuchkonto dieser Kunden gekündigt wird, läuft es zunächst weiter. Denn Zins und Tilgung fließen ohne weiteres Zutun. Auch der Verkauf und die Übertragung der Papiere sind möglich. Nur der Zukauf, zum Beispiel im Rahmen eines Sparplans, ist dann nicht mehr möglich. Der Erwerb kann jedoch auch nach Ende Januar jederzeit wiederaufgenommen werden, sobald die beglaubigte Ausweiskopie sowie die erfragten Daten wie Staatsangehörigkeit und Geburtsort nachgereicht sind.

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