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Nach dem Börsengang : Porsche SE kauft für 7 Milliarden Euro Porsche-Aktien

Endlich mal wieder was los auf dem Parkett: Börsengang von Porsche vergangene Woche in Frankfurt Bild: Imago

Die Familien Porsche und Piëch beteiligen sich über ihre Holding wieder direkt an Porsche. Damit verschuldet die sich hoch und hofft auf VW-Dividenden zur Finanzierung.

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          Die Rückkehr der Porsche AG an die Börse gilt als der zweitgrößte Börsengang in der deutschen Geschichte. Rechnet man die gesamte Transaktion zusammen, übersteigt sie aber sogar das Rekord-Volumen der Telekom von 1996 von gut 10 Milliarden Euro. Denn die Erstnotiz der stimmrechtslosen Vorzugsaktien der Porsche AG vergangenen Donnerstag an der Börse Frankfurt war mit 9,4 Milliarden Euro Emissionserlös für Volkswagen nur der öffentliche Teil der Transaktion. Daran geknüpft ist jedoch ein zweiter Anteilsverkauf, der nicht über die Börse abgewickelt wird. Dieser wurde nun am Dienstag abgeschlossen: Für gut 7 Milliarden Euro hat die Porsche Automobil Holding SE 17,5 Prozent plus eine Aktie der Porsche-Stammaktien von Volkswagen gekauft, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Im Januar folgt für gut 3 Milliarden ein zweiter Teil von weiteren 7,5 Prozent, so dass die Porsche SE dann 25 Prozent plus eine Aktie der Porsche-Stammaktien hält und damit über eine Sperrminorität verfügt.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Stammaktien der Porsche SE sind in vollständigem Besitz der Familien Porsche und Piëch. Mit der nun erfolgten Transaktion haben die Familien nach dem Verlust der Porsche-Eigenständigkeit 2008/2009 nun erstmals wieder direkt Zugriff auf „ihr“ Unternehmen. Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche SE ist Wolfgang Porsche, sein Stellvertreter ist Hans Michel Piëch. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien der Porsche SE sind börsennotiert und seit gut einem Jahr im Dax vertreten.

          Wichtigste Beteiligung der SE ist die Stimmrechtsmehrheit an der Volkswagen AG (53,3 Prozent). Nun kommt mit dem Anteilskauf an der Porsche AG eine zweite große Beteiligung dazu. Die dafür im ersten Schritt aufzubringenden 7,1 Milliarden Euro finanziert die bisher schuldenfreie Porsche SE zunächst über Bankkredite. „Wir haben Tranchen von bis zu fünf Jahren vereinbart, mit maximaler Flexibilität und Sondertilgungsmöglichkeiten“, sagt Johannes Lattwein, Finanzvorstand der Porsche SE, der zusammen mit dem Porsche-SE-Vorstandsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch die Verhandlungen zum Erwerb der Porsche-Stammaktien mit Volkswagen geführt hat.

          Schuldschein und Anleihe geplant

          Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres soll ein Teil der Kredite durch die Begebung eines Schuldscheins am Kapitalmarkt abgelöst werden. Perspektivisch könnten auch Anleihen am Kapitalmarkt platziert werden. „Wir wollen uns dadurch bankenunabhängiger finanzieren“, sagt Lattwein. Die Kreditvereinbarung erfolgte mit der amerikanischen JP Morgan, der Deutschen Bank, der spanischen Banco Santander, der französischen Credit Agricole, der niederländischen ING, und der italienischen Unicredit. Der spätere Gang an den Kapitalmarkt mit Schuldscheinen und Anleihen soll unter anderem auch von diesen Banken begleitet werden.

          Über ein Kredit-Rating verfügt die Porsche Holding bisher nicht und wird es auch zukünftig nicht zwingend haben. „Aus Sicht des Kapitalmarktes besitzt die Porsche SE eine starke Position, so dass ein Rating nicht unbedingt erforderlich ist. Wir halten uns diese Möglichkeit aber offen“, sagt Lattwein. Dem Vernehmen nach wurden die Kredite an die Porsche SE ohne Besicherung vergeben.

          Die Rückführung der Schulden soll aus den Dividendeneinnahmen der Porsche SE erfolgen. Sie selbst hat nur wenige Dutzend Mitarbeiter und verwaltet vor allem den VW-Aktienanteil sowie nun die Porsche-Beteiligung und investiert darüber hinaus in mehrere Start-ups im Bereich Mobilität und Industrietechnologie. „Es ist klar mit den Finanzierungspartnern vereinbart, dass wir auch künftig das Portfolio mit signifikanten Beträgen erweitern können“, sagt Lattwein.

          Aktionäre sollen weiterhin Dividende erhalten

          Dieses Jahr flossen der Porsche SE rund 1,2 Milliarden Euro Dividende vor Steuern von Volkswagen zu. Selbst will die Porsche SE auch weiter Dividende zahlen und hält ihr bisheriges Dividendenniveau auch nach der jüngsten Transaktion für angemessen. „Die Transaktion ist so angelegt, dass wir unsere Dividendenzahlungen weiter leisten und mit den Einnahmen aus unseren Beteiligungen die Kredite wieder zurückführen können“, sagt Lattwein. Aktienbeteiligungen an VW-Stammaktien müssten dafür nicht verkauft werden. Es ist aber möglich, die aktuell durch die Porsche SE gehaltenen 2,7 Millionen Vorzugsaktien von VW (aktueller Marktwert 351 Millionen Euro) für die Rückführung der Verbindlichkeiten zu verwenden. „Das ist bei den aktuellen Aktienkursen aber nicht zielführend“, sagt Lattwein.

          Nach dem Porsche-Börsengang am Donnerstag haben die Aktienkurse von VW und der Porsche SE deutlich nachgegeben, während die Anteilsscheine der Porsche AG knapp über dem Ausgabepreis von 82,50 Euro gehalten werden konnten. „Das Ausmaß des Kursrückgangs hat überrascht“, sagt Lattwein, der die Aktien seiner Porsche SE für deutlich unterbewertet hält. 27 Milliarden Euro ist alleine der VW-Anteil derzeit wert, die Porsche SE kommt in den Dax-notierten Vorzugsaktien aber nur auf 9 Milliarden Euro und zusammen mit den nicht börsennotierten Stammaktien grob geschätzt auf 18 Milliarden Euro. Damit bleibt eine Lücke von fast 10 Milliarden Euro.

          Ein Teil davon erklärt sich durch Rechtsstreitigkeiten der Porsche SE. Noch immer sind Klagen anhängig, die sich auf den Versuch von Porsche beziehen, im Jahr 2008 den Volkswagen-Konzern zu übernehmen. Am Freitag hatte aber der Kartellsenat des Oberlandesgericht Celle, im wichtigsten Verfahren den von Klägern geltend gemachten Schaden von rund 5 Milliarden Euro als unbegründet zurückgewiesen. Eine Rechtsbeschwerde am Bundesgerichtshof ist möglich.

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