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Neobank : N26 konkretisiert Börsenpläne

N26-Karten wohin man auch sieht. Bild: Matthias Lüdecke

Die Smartphone-Bank möchte in einem Jahr bereit für den Börsengang sein. Die Bafin fordert nun die Einstufung als Finanzholding.

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          Die Smartphone-Bank N26 plant immer konkreter ihren Börsengang: „Wir wollen innerhalb eines Jahres dafür bereit sein“, sagte N26-Ko-Gründer Maximilian Tayenthal im Gespräch mit der F.A.Z. Der eigentliche Börsengang könnte dann tatsächlich auch schon im Jahr 2022 anstehen. „Wir verspüren in der Frage aber keine Eile“, so Tayenthal. Aktuell wird N26 mit rund 3Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Die Commerzbank hat aktuell eine Marktkapitalisierung von 6,4 Milliarden Euro, die Deutsche Bank wird mit mehr als 21 Milliarden Euro bewertet. Trotzdem käme N26 mit dieser Bewertung locker unter die Top Ten der größten Börsengänge der vergangenen Jahre. In einer ähnlichen Größenordnung bewegten sich zuletzt Vantage Towers mit einem Plazierungsvolumen von 2,986 Milliarden Euro (Platz acht der größten deutschen Börsengänge) im März, Knorr-Bremse mit 3,848 Milliarden Euro (Platz sechs) sowie Siemens Healthineers mit 4,2Milliarden Euro (Platz fünf) mit ihren Erstnotierungen im Jahr 2018.

          Franz Nestler
          (fne.), Wirtschaft

          Die öffentliche Konkretisierung der Börsenpläne erfolgt im selben Atemzug mit einer anderen Nachricht. So wird N26 künftig von Seiten der Bafin als Finanzholding eingestuft. Von den Finanzaufsehern heißt es dazu kurz: „Die BaFin hat die N 26 GmbH zunächst als Finanzholding qualifiziert. Die Gesellschaft hat nun bis zum 28.Juni 2021 Zeit, eine entsprechende Zulassung zu beantragen.“ Dass es so kommen könnte, berichtete diese Zeitung schon am 27.Januar. Damals wollte sich keine der Parteien zu dem Vorgang äußern.

          Mehr lästige Bürokratie

          N26 stellt die Einstufung nun als eigenen Schritt dar, Tayenthal sagt dazu: „Im letzten Jahr gab es bereits interne Gespräche darüber, eine Finanzholding zu werden, in diesem Quartal wurde nun die Entscheidung getroffen“, so Tayenthal. Lange Zeit wollte N26 jedenfalls nicht unbedingt als Finanzholding eingestuft werden. Denn für die Bank bedeutet das deutlich umfangreichere Meldepflichten – also mehr lästige Bürokratie. Wie viel das tatsächlich sein wird, lässt sich schwer einschätzen. Schon heute wird das gesamte Europa-Geschäft über die Bankeinheit gesteuert und ist damit auf dem Radar der Bafin. Das Amerika-Geschäft wird über eine Partnerbank abgewickelt, so dass es kaum Geschäftsbereiche gibt, welche die Bafin nicht überwacht. „Ganz viel von dem Know-How, was wir brauchen ist schon heute vorhanden“, sagt Tayenthal und ergänzt: „Das sind alles regulatorische Themen, die wir schon abdecken, die aber nochmal ausgebaut werden müssen“, so der Gründer.

          Aus der Einstufung versucht Tayenthal nun das Beste herauszuziehen: „Wir haben eine große Vision bei N26 – wir wollen einen globalen Finanzdienstleister aufbauen. Mit einer Finanzholding kann man das am besten erreichen und am effizientesten Kapital einsammeln.“ Mit der Einstufung als Finanzholding wäre N26 das erste deutsche Fintech überhaupt mit diesem Status. Zur Erinnerung: Aktuell haben die Finanzaufseher nur Zugriff auf die Banktochtergesellschaft von N26 mit ihren rund 100 Mitarbeitern, aber nicht auf das gesamte Unternehmen unter dem Dach der in Berlin sitzenden N26 GmbH mit mehr als 1500 Beschäftigten. Als voll lizenzierte Bank erfüllt N26 aber schon heute alle rechtlichen Vorgaben, heißt es von Seiten der Bank.

          Auf dem Weg zum Börsengang

          Dass N26 auf den Weg Richtung Börsengang einbiegt, war zuletzt schon des Öfteren zu sehen. Statt des radikalen Wachstums der vergangenen Jahre hatte man sich mehr auf Profitabilität getrimmt: Der Rückzug aus Großbritannien im Februar 2020 war dabei nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe an Maßnahmen, um die Braut N26 für Investoren weiter aufzuhübschen. Vor allem war er ein Signal dafür, dass die Zeiten des Wachstums um jeden Preis vorbei sind. So reduzierte man etwa drastisch die Werbungsprämie für Neukunden von 45 auf 15 Euro. Auch versucht man diese immer mehr in kostenpflichtige Modelle zu drängen: So kostet die physische Debitkarte mittlerweile 10 Euro – und man begründete das mit dem Umweltschutz, um unnötigen Plastikmüll zu vermeiden. Aktuell hat N26 sieben Millionen Kunden in 25 Ländern und mehr als 1500 Mitarbeiter in den acht über die Welt verstreuten Büros. Doch auch bei den Mitarbeitern gab es Irritationen: So meldete das Portal „Finance Forward“, dass N26 300 Mitarbeiter verlassen hätten. Das wurde seitens des Fintechs dementiert und gleichzeitig kommuniziert, man habe eben viele Stellen ausgelagert.

          Mit den Mitarbeitern gab es auch im vergangenen Sommer Streit, als ein Betriebsrat gegründet werden sollte, was N26 mit allerhand juristischen Tricks zu verhindern suchte und wo sowohl Valentin Stalf als Geschäftsführer wie auch sein Partner Tayenthal nicht gerade mit Kommunikation glänzten: Damals hieß es, dass ein solches Gremium „gegen fast alle Werte, an die wir bei N26 glauben“, stünde. Mit der Bafin gab es vorher auch unliebsame Kontakte, als die Finanzaufsicht etwa Maßnahmen wie mehr Personal anordnete, um sich besser vor Geldwäsche zu schützen.

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