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Thailand : Mutmaßliches CIA-Foltergefängnis soll Touristenattraktion werden

Nacht in Bangkok Bild: dpa

Nach dem 11. September 2001 folterten die Amerikaner in Thailand mutmaßliche Terroristen. Die Militärregierung in Bangkok will eines der angeblichen CIA-Gefängnisse für die Öffentlichkeit öffnen.

          2 Min.

          Nach den Anschlägen des 11. September 2001 soll  Amerika auch in Thailand ein geheimes Foltergefängnis betrieben haben. Bis heute ist unbekannt, wo genau sich der „Black Site“ in dem südostasiatischen Staat befunden haben soll. Eine der möglichen Örtlichkeiten ist Ramasun Station in der nordostthailändischen Provinz Udon Thani.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Nun gab das thailändische Militär bekannt, dass die ehemalige Radarstation zu einer Touristenattraktion umgestaltet wird. Nach Angaben der „Bangkok Post“ sollen damit auch die hartnäckigen Gerüchte entkräftet werden, wonach dort Terrorverdächtige wie der Bali-Bomber Hambali festgehalten und gefoltert worden seien. „Ich glaube, es liegt auch daran, dass der Ort für die Öffentlichkeit gesperrt ist“, sagte der Leiter des Stützpunkts, Oberstleutnant Ratkrit Daengthaisong. „Deshalb vermuten die Leute, dass sich dort etwas Geheimes abspielt.“

          CIA-Direktorin soll geheime Einrichtung geleitet haben

          Der Indonesier Hambali gehörte zu den meistgesuchten Terroristen in Südostasien. Er war im Jahr 2003 unter Mithilfe der CIA in der thailändischen Stadt Ayutthaya festgenommen worden. Damals hieß es, der Terrorist mit Verbindungen zu Al Qaida werde in der Ramasun Station festgehalten. Dort soll er von Mitarbeitern der CIA Methoden wie Waterboarding ausgesetzt gewesen sein. Diese liefen damals unter dem Euphemismus der „erweiterten Verhörtechniken“. Von Thailand aus soll Hambali schließlich auf die Gefängnisinsel Guantanamo gebracht worden sein. Dort wird er bis heute festgehalten.

          Die ungeklärten Hintergründe des Foltergefängnisses waren in letzter Zeit wieder Thema, nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump im Mai die neue CIA-Direktorin Gina Haspel ernannt hatte. Haspel soll von Oktober bis Dezember 2002 als Leiterin der geheimen Einrichtung fungiert haben.

          Damit hat sie mit dem Hambali-Fall allerdings nichts zu tun. Dafür soll während ihrer Amtszeit der saudische Terrorist Abd al-Rahim al-Nashiri in etwa den gleichen Methoden unterzogen worden sein. Der erste Gefangene, der in Thailand gefoltert worden sein soll, war der Saudi Abu Zubaydah, an dem die CIA einige ihrer „Verhörtechniken“ zum ersten Mal ausprobiert hatten.

          Unklar ist aber, wo sich das Foltergefängnis mit dem Codenamen „Detention Site Green“ überhaupt befunden hat. Einer Vermutung nach lag es in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Bangkok. Auch eine andere Örtlichkeit in der Nähe der Ramasun Station wird als möglicher Standort genannt.

          Kein Gefängnis gefunden

          Das thailändische Militär will zumindest einen Teil dieser Spekulationen nun erst einmal für beendet erklären. Der Zeitung zufolge sollen insgesamt 26 Millionen Baht (700.000 Euro) in die Renovierung der Ramasun Station gesteckt worden sein. Oberstleutnant Ratkrit Daengthaisong sagte, er habe dort keine Anzeichen für ein geheimes Gefängnis gefunden. Er habe ehemals stationierte thailändische Soldaten und auch frühere GIs dazu befragt.

          „Darum öffnen wir es nun der Öffentlichkeit, damit sie sich selbst ein Bild macht“, sagte der Oberstleutnant. Zu besichtigen seien eine große Radarstation und ein 300 Meter langer Tunnel, in dem Kommunikationskabel gelagert worden seien. Fünf Soldaten werden abgestellt, um Touristen herumzuführen.

          Hinterlassenschaft des Vietnamkriegs

          Die Station selbst stammt aus der Zeit des Vietnamkriegs. Hier wurde unter anderem der feindliche Funkverkehr abgehört. Die Amerikaner hatten sie in Dschungelgebiet gebaut, das damals erst von etlichen Kobranestern befreit werden musste. Sie gaben dem Ort deshalb zunächst den Namen „Cobra 7“.

          Thailand gehörte lange Jahre zu den wichtigsten militärischen Verbündeten Amerikas in Südostasien. Seit dem Militärputsch im Jahr 2014 hat sich das Verhältnis allerdings abgekühlt. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte Präsident Trump indes zum ersten Mal den thailändischen Junta-Chef Prayuth Chan-ocha im Weißen Haus empfangen.

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