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Morgan Stanley : Rentable Börsengänge

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Die Investmentbank Morgan Stanley hat 2018 abermals einen Spitzenplatz belegt, wenn es darum geht, Firmen an die Börse zu bringen. Bild: Reuters

Die Investmentbank Morgan Stanley hat 2018 abermals einen Spitzenplatz belegt, als es darum ging, Firmen an die Börse zu bringen.

          Morgan Stanley hat JP Morgan Chase und Goldman Sachs in einem der am stärksten umkämpften Geschäftsfeldern der Wall Street ein zweites Jahr in Folge geschlagen. Und die Bank hat auch gute Karten, 2019 wieder das Rennen zu machen. Ihr Geheimnis: ihre einzigartigen Geschäftsanbahner, die Privatanleger umwerben.

          Die Bank ist weltweit führend bei der Begleitung von Börsengängen – eine Stellung, die in den vergangenen Jahren zwischen JP Morgan, Goldman Sachs und der Bank of America hin und her wechselte, bis Morgan Stanley die Position 2017 knapp errungen hat. In den kommenden Wochen wird Morgan Stanley einen der prestigeträchtigsten Börsengänge dieses Jahres begleiten, den von Uber, was es den Wettbewerbern noch schwerer macht, aufzuholen.

          Hilfe schon im Voraus

          Während der Erfolg des Unternehmens im Jahr 2018 zum Teil durch Börsendebüts von Unternehmen im Ausland, einschließlich Asien, befeuert wurde, ist der in diesem Jahr wohl wichtigste Geschäftsanbahner Michael Grimes, Spitzenmanager der amerikanischen Bank.

          Er und seine Kollegen haben Beziehungen zu einer Reihe großer, an die Börse strebender Technologiefirmen wie Palantir aufgebaut. Sie waren den Unternehmen behilflich, die vermögenden Kunden der Bank und die Staatsfonds für die Finanzierung zu erschließen, so dass ihre Unternehmen mehr Zeit hatten, reifer zu werden, bevor sie den Sprung aufs Börsenparkett wagten.

          „Da viele der jungen innovativen Unternehmen länger privat bleiben, gibt es mehr private Finanzierungsrunden“, sagte Jay Ritter, Professor am Warrington College of Business der University of Florida. Das verschaffe Morgan Stanley einen Vorteil, da die Bank einen Großteil dieser Finanzierung arrangiert hat, fügte er an.

          Ein „Techie“

          Grimes ist eine schillernde Persönlichkeit an der Wall Street. Er hat einen Abschluss in Informatik und Elektrotechnik und eine bekannte Vorliebe für die Produkte und Apps, die von den Technologiefirmen erstellt werden, die er umwerben soll. Unterwegs verlässt er sich auf Airbnb, um Unterkünfte zu buchen und sein Haus zu vermieten, berichten Personen, die mit seiner Arbeitsweise vertraut sind.

          Bevor er 2011 den Börsengang von Zynga leitete, beherrschte er das Spiel „City-Ville“ auf seinem Handy. Als er Ancestry.com umwarb, zeigte er dem Unternehmen einen ausführlichen Stammbaum, den er und seine Mutter gemeinsam entworfen hatten. Bei Uber hatte er eine Nebenbeschäftigung als Fahrer.

          Das hat Morgan Stanley im vergangenen Jahr geholfen, gemessen am Volumen den Spitzenplatz als Konsortialbank bei globalen Börsengängen von Technologie-Unternehmen zu belegen, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht.

          Das Geheimrezept

          Und es positioniert die Bank gut für das kommende Jahr, wenn noch mehr dieser sogenannten „Tech-Einhörner“ den Sprung aufs Börsenparkett wagen dürften. Jedoch führt die Strategie von Grimes nicht immer dazu, ein Mandat an Land zu ziehen. Grimes wurde vor dem Börsengang von Yelp im Jahr 2012 ein begeisterter Rezensent, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Jedoch erhielt Goldman Sachs letztlich den Zuschlag.

          Eine Person, die eng mit seinem Team zusammengearbeitet, bezeichnete das Engagement der Banker als Geheimrezept der Gruppe: Grimes und seine Kollegen seien besessen davon, wie Start-ups und ihre Dienste funktionieren, und nutzten dieses Wissen, um die Führungskräfte des Unternehmens zu beeindrucken. „Er arbeitet hart daran, die Welt durch die Brille seiner Kunden zu sehen und zu verstehen“, sagt Mary Meeker, die bekannte Risikokapitalgeberin, die zuvor als Analystin bei Morgan Stanley gearbeitet hat und Grimes seit mehr als zwei Jahrzehnten kennt.

          Alle Banker strebten danach, die Sichtweise ihrer Kunden anzunehmen, jedoch nicht immer in solchem Ausmaß. Grimes und seine Kollegen, von denen viele 20 bis 30 Jahre als Banker tätig sind, haben jedoch einen weiteren Pluspunkt, der noch schwerer zu kopieren ist: Die Firma hilft, jungen Unternehmen Geld von Privatinvestoren zu beschaffen, wobei sie häufig die vermögenden Kunden in ihrer 2,5 Billionen Dollar schweren Vermögensverwaltungssparte anzapft. Goldman Sachs‘ vergleichbarer Geschäftsbereich hat nur ein Bruchteil dieser Größe.

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