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Annexionsplan und Mobilmachung : Moskauer Börse verliert so stark wie seit Kriegsbeginn nicht

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Gemütlich geht es an der Börse in Moskau gerade nicht zu. Bild: dpa

Die Aktienkurse an der Börse in Moskau fallen. Annexionspläne, Mobilmachung und Steuererhöhungen kommen nicht gut an. Für die Weltbörsen ist es ohne Bedeutung.

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          Der vom Ausland weitgehend abgeschottete russische Aktienmarkt erlebte am Dienstag seinen stärksten Kurseinbruch, seit das Land im Februar in die Ukraine einmarschiert ist. Der MOEX Russia verlor bis zu 11 Prozent, und schloss 8,8 Prozent tiefer. Am Mittwochmorgen setzen sich Kursverluste mit einem Minus von mehr als 3 Prozent fort. Der Ausverkauf vertiefte sich, als die sogenannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk sowie die Regionen Cherson und Saporischschja ankündigten, dass sie zwischen dem 23. und 27. September Abstimmungen über den Anschluss an Russland abhalten werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Die Schritte tragen zur zunehmenden internationalen Isolation des Landes bei, nachdem der türkische Präsident Erdogan den russischen Präsidenten Putin aufgefordert hatte, besetztes Gebiet im Rahmen einer Friedensregelung an die Ukraine zurückzugeben. Da die Bewertungen schon durch die internationalen Sanktionen unter Druck stehen, wird der russische Markt durch die verstärkten Bemühungen Europas zur Reduzierung der Energieimporte sowie durch die jüngsten militärischen Rückschläge in der Ukraine weiter belastet.

          Die Anlegerstimmung verschlechterte sich am Dienstag weiter, nachdem die Zeitung Kommersant berichtet hatte, dass die russische Regierung plant, die Steuern auf den Abbau und Export von Rohstoffen zu erhöhen. Der Index wurde von den Aktien der Energieriesen Lukoil, Gazprom und Novatek sowie Sberbank und dem Internetunternehmen Yandex nach unten gezogen.

          Russische Börse für Aktienmärkte der Welt letztlich bedeutungslos

          Laut Iskander Lutsko, Chefstratege bei ITI Capital, sind etwa 30 Prozent des Einbruchs auf mögliche Steuererhöhungen für Exporteure und 70 Prozent auf Bedenken hinsichtlich der Referenden und Spekulationen über die am Morgen angekündigte Teilmobilmachung in Russland zurückzuführen. „Wir können nicht erwarten, dass sich drastische Schritte fortsetzen werden, aber höchstwahrscheinlich wird der Markt unter Druck bleiben, da es eine offensichtliche geopolitische Verschiebung gibt, die eine negative Stimmung für die Märkte mit sich bringt“, sagte er.

          RTS Index

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          Für die Aktienmärkte der Welt sind die Ereignisse an der russischen Börse letztlich bedeutungslos. Schon vor dem Überfall auf die Ukraine waren Kursbewegungen in Moskau ohne wesentlichen Einfluss auf andere Börsen. Seitdem aber können russische Aktien an wichtigen Börsen ohnehin nicht mehr gehandelt werden. Auch wenn Russland zwischenzeitlich seine Börse für Anleger aus „freundlichen“ Staaten wieder geöffnet hat, so ist deren Anteil am Handel sehr gering, so dass auch von dieser Seite Ansteckungseffekte schwer vorstellbar sind – zumal sie auf den Derivatemarkt beschränkt sind.

          Die Märkte im Westen schauen dagegen auf die amerikanische Notenbank Fed, die am Abend wieder die Zinsen erhöhen wird. Damit brauchen diese auch keinen Kursrutsch in Moskau, um selbst nachzugeben. Der hundert Werte umfassende marktbreite F.A.Z.-Index verliert 0,7 Prozent auf 2012 Punkte, der Dax gibt etwas weniger stark auf 12.591,46 Zähler nach. Der Dax hat dank der Tatsache, dass in diesen entgegen internationaler Gepflogenheiten Dividenden eingerechnet werden, bislang nur seine Kursgewinne der Sommerrally abgegeben. Der F.A.Z.-Index notiert hingegen auf dem tiefsten Stand seit Mai 2020.

          F.A.Z.-Index

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          Von der Fed wird zur Wochenmitte im Kampf gegen die hohe Inflation wieder ein kräftiger Zinsschritt erwartet. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Notenbanker den Leitzins zum dritten Mal in Folge um 0,75 Prozentpunkte erhöhen werden. Einige Marktteilnehmer rechnen aber auch mit mehr. Händler bezifferten den Anteil derer, die einen ganzen Prozentpunkt erwarten, auf ein Fünftel. am Vortag hatte schon die schwedische Riksbank ihren Leitzins um einen vollen Prozentpunkt erhöht.

          Auch in Asien hatten sich die Anleger vorsichtig gezeigt. Der Nikkei-Index hatte um 1,4 Prozent auf 27.313 Punkte nachgegeben. Von der Bank of Japan (BoJ), die als einzige große Zentralbank die Zinsen in diesem Jahr nicht erhöht hat, erwarteten Börsianer keine Abweichung von ihrem Kurs der lockeren Geldpolitik, auch wenn das Land den fünften Monat in Folge eine Inflation über dem Zwei-Prozent-Ziel der Bank ausweist.

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