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Mobilitätsprämie : Lohnt es sich, ein Elektroauto zu kaufen?

Audi A3 e-tron: 179 PS stark, 160 km/h schnell, 200 Kilometer Reichweite, vom Hersteller keine Angaben zur Verkaufszahl Bild: Hersteller

Die Anschaffung eines Elektroautos ist kostspielig. Nach dem Willen der Bundesregierung soll die Nachfrage trotzdem steigen. Ab Juni gibt es 4000 Euro Prämie für ein E-Auto. Welche Autos kommen in Frage?

          3 Min.

          Es wird wieder Geld verteilt in Deutschland. Wer mit dem Kauf eines Elektrowagens liebäugelt, der profitiert davon. 4000 Euro Prämie soll es für jeden Stromer geben. Sollte man da zugreifen? Lohnen sich solche Wagen nun?

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Automobilclub ADAC hat das analysiert. Er hat die Gesamtkosten aus Anschaffung, Prämie, laufenden Kosten und Steuern von Elektroautos und entsprechenden Diesel- und Benzinmodellen verglichen. Auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat er auch Plug-in-Hybridmodelle einbezogen. Sie sollen mit 3000 Euro Prämie gefördert werden. Das sind Wagen mit Elektro- und Benzinmotor. Mit ihnen kann der Fahrer für bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren, danach mit Benzin.

          Oder er kombiniert beides und nutzt den Elektroantrieb für eine stärkere Beschleunigung, was dann aber keine ökologischen Vorteile bringt. Plug-ins können an die Steckdose angeschlossen werden, während normale Hybridautos ihren Strom während der Fahrt bei jedem Bremsvorgang produzieren. Diese klassischen Hybride können nicht rein elektrisch fahren und werden daher auch nicht mit einer Prämie gefördert.

          Höhere Gesamtkosten

          Der ADAC-Test zeigt, dass auch die Prämie das Hauptproblem dieser Wagen nicht löst: Stromautos und Plugs-ins kosten bei der Anschaffung deutlich mehr als Benziner und Diesel. Das wird auch nicht durch die niedrigeren laufenden Kosten kompensiert. Die Wartung ist billiger und Strom preiswerter als Sprit, wobei dieser Vorteil derzeit wegen der niedrigen Benzinpreise kleiner als früher ist.

          Nur zwei Stromautos sind günstiger als ihre Benzin-Pendants: die Elektroversion der Mercedes B-Klasse und der Kia Soul EV. Der Kia ist sogar billiger als die Dieselvariante (siehe Tabelle). Die beiden in der Anschaffung günstigsten Stromautos, der Peugeot iOn Active und der Citroën C-Zero für unter 20.000 Euro, sind in den Gesamtkosten teurer als die Benzin- und die Dieselvariante. Auch beliebte Modelle wie der Renault Zoe, der VW e-Golf und der BMW i3 verursachen höhere Gesamtkosten.

          BMW i3: 170 PS, 150 km/h, 190 Kilometer Reichweite und 2250 verkaufte Modelle in Deutschland seit 2015

          Teurer als Benzin- und Dieselmodelle

          Im Test wurde eine Laufleistung von 15.000 Kilometer im Jahr angenommen. Mehr ist auch nicht realistisch, weil Elektroautos wegen der kurzen Reichweite von maximal 200 Kilometern eher auf kurzen Strecken genutzt werden. Bei längeren Laufleistungen schrumpft zwar der Kostennachteil der Stromer, aber er verschwindet nicht, heißt es beim ADAC. Berücksichtigt man, dass einige Fahrer kostenlos laden können, sinken die Kilometerkosten um zwei bis vier Cent. Auch das gleicht den Nachteil zu den Benzinern noch nicht aus. Schwierig in Geld zu fassen sind Vorteile wie Sonderparkplätze, manchmal niedrigere Parkgebühren, Nutzung von Busspuren und Fahren in der Innenstadt bei Smog.

          Mercedes B 250 e: 179 PS, 160 km/h, 200 Kilometer Reichweite und keine Angaben von Mercedes zu Verkaufszahlen

          Nach den Berechnungen des ADAC sind auch die vier beliebtesten Plug-in-Hybride in den Gesamtkosten teurer als Benzin- und Dieselmodelle. Sie sind auch trotz Förderung noch teurer als normale Hybridmodelle.

          Renault Zoe: 120 PS, 135 Kilometer pro Stunde, 210 Kilometer und 1800 seit 2015 verkaufte Modelle in Deutschland

          Wer sich dennoch für ein Strom- oder Plug-in-Hybridauto entscheidet, muss nicht lange auf die Förderung warten. Sie gilt für Käufe nach dem Kabinettsbeschluss, also vermutlich von Juni an. Die erste Hälfte der Prämie, also 2000 Euro (E-Auto) oder 1500 Euro (Plug-in), zahlt der Händler und zieht sie vom Kaufpreis ab. Käufer sollten aufpassen, dass der übliche Rabatt beim Autokauf nicht entsprechend kleiner ausfällt. Renault etwa erwägt, den freiwilligen 5000-Euro-Nachlass für seinen Zoe zu streichen. Dann würde der Zoe sogar durch die jetzt beschlossene Prämie teurer als bisher.

          Prämie gibt es maximal bis Ende 2019

          Mit dem Kaufvertrag, der belegt, dass der Händler seine Hälfte der Kaufprämie abgezogen hat, beantragt der Käufer beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen (Bafa) den Rest der Prämie. Auf der Homepage gibt es Anträge zum Herunterladen. Gezahlt wird die Kaufprämie nur für Autos, die maximal 60.000 Euro kosten. Das teurere Model S des Strompioniers Tesla oder der i8 von BMW werden also nicht subventioniert.

          VW e-Golf: 115 PS, 140 Kilometer pro Stunde, 190 Kilometer Reichweite und keine Angaben zu Verkaufszahlen von VW

          Die Prämie gibt es nur bis Ende 2019 und nur bis die dafür vorgesehenen 1,2 Milliarden Euro abgerufen sind. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, heißt also das Motto. Ökonomen sprechen vom Windhundprinzip. Die Menschen unterlägen einem „Knappheitsirrtum“. Sie kauften, weil die Ware bald vergriffen ist. Das hat früher gut funktioniert, etwa bei der Abwrackprämie für alte Autos in der Wirtschaftskrise 2009, aber auch bei der Abschaffung der Eigenheimzulage oder des Steuervorteils von Lebensversicherungen 2004. Jedesmal sorgten die Maßnahmen für eine Sonderkonjunktur für einige Monate und danach für einen Einbruch. Ob das allerdings auch bei Elektrowagen funktioniert, ist zweifelhaft. Denn die Menschen sind auch mit Prämie nicht von den neuen Autos überzeugt. Ein kleiner Anstieg der Nachfrage dürfte aber von Juni an zu erwarten sein.

          Kia Soul V EV: 110 PS, 145 km/h, 212 Kilometer Reichweite und 3580 verkaufte Modelle in Deutschland seit 2015

          Für lange Fahrten ungeeignet

          Bevor die Menschen einen Elektrowagen kaufen, sollten sie nicht nur die Wirtschaftlichkeit prüfen, wofür der ADAC-Vergleich hilfreich ist. Sie sollten auch ihr Fahrverhalten analysieren. Elektrowagen machen am ehesten Sinn, wenn man in Ballungsräumen wohnt, wo es genug Lademöglichkeiten gibt. Und wenn man vor allem kurze Strecken fährt, etwa als Pendler zum Büro. Genügt die Reichweite des Wagens, um morgens hin und abends wieder nach Hause zu kommen? Oder gibt es am Arbeitsort eine Steckdose? Zu bedenken ist dabei auch: Ist das eine hügelige Strecke und fährt man auch im strengen Winter, dann ist der Stromverbrauch deutlich größer, die Reichweite kleiner. Und: Welcher Hersteller gibt die längste Garantie auf die Batterie? Denn die verliert an Leistung, nach vier Jahren zum Beispiel 14 Prozent bei einem Nissan Leaf.

          Für lange Urlaubs- oder Geschäftsfahrten ist das Elektroauto noch nicht geeignet, weil es nicht genug Ladestationen gibt und das Laden lange dauert. Ein Ausbau ist geplant, aber das dauert. Plug-in-Hybride sind hier besser. Allerdings sind sie gerade auf langen Autobahnfahrten ohne Strombetrieb unwirtschaftlicher als Benziner und Diesel.

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