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Mobiles Bezahlen : Weg mit den Plastikkarten!

Sind Plastikkarten Schnee von gestern? Bild: dpa

Kreditkarte, Tankkarte, Kundenkarte – so viele Karten braucht kein Mensch. Zahlen kann man viel einfacher: mit Handy, Uhr oder einem Augenaufschlag. Der Höhepunkt der Kartenzahlungen ist erreicht.

          Die Geldbörsen der Deutschen werden immer dicker. Das liegt nicht etwa daran, dass wir größere Bündel Banknoten oder mehr Münzgeld mit uns herumschleppen als früher. Im Gegenteil: In einem durchschnittlichen deutschen Portemonnaie befinden sich 100 Euro in Scheinen und 6,29 Euro in Münzen und damit rund elf Euro weniger Bargeld als vor zehn Jahren, wie die Bundesbank ermittelt hat. Dass die Geldbörsen und Brieftaschen von heute schier aus allen Nähten platzen, liegt vor allem an der Vielzahl von Plastikkarten, die wir bei uns tragen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          98 Prozent der Bevölkerung und damit so viel wie nie zuvor haben eine Girocard, also das, was früher EC-Karte hieß. Auch Kreditkarten werden beliebter, mehr als jeder dritte Deutsche besitzt inzwischen mindestens eine. Dazu kommen Prepaid-Karten, Kundenkarten, um Treuepunkte zu sammeln, sowie Bezahlkarten fürs Tanken, für das Mensaessen oder für Bier und Bratwurst im Fußballstadion. Sie gewinnen laut einer Bundesbankstudie zum Zahlungsverhalten 2017 allesamt an Bedeutung. Und dann sind da noch all die anderen unentbehrlichen Plastikvierecke wie Führerschein, Personalausweis, Gesundheitskarte und so weiter, die auch irgendwo unterzubringen sind. Die Folge: In unseren Portemonnaies steckt verdammt viel Plastik. Muss das sein?

          Die Antwort lautet schlicht: nein. Mehrere Zentimeter dicke Geldbörsen in Hosentaschen oder Handtäschchen herumzutragen, wie wir es tun, ist eine unnötige Bürde. Denn vieles, was hierzulande auf den Chips der Plastikkarten gespeichert ist, könnte ebenso gut und genauso sicher auf einem Smartphone oder einem anderen Gerät hinterlegt werden.

          Die Plastikkarte als Übergangsmedium

          Andere Länder machen das schon: Im Kosovo können Ausweisdokumente seit einiger Zeit in einer App hinterlegt werden, so dass bei einer Polizeikontrolle nur das Handy gezückt werden muss – technisch möglich gemacht hat es übrigens ein deutsches Unternehmen. Die Finnen sind gerade dabei, den digitalen Führerschein zu testen. Und die Chinesen, begeistert von jeglicher Technologie und unbedarft beim Datenschutz, erledigen jetzt schon alles Mögliche digital und mobil.

          Immer mehr zeichnet sich ab, dass die Plastikkarte ein Übergangsmedium ist, das ein halbes Jahrhundert nach seiner Einführung in Zukunft nicht mehr gebraucht wird. „Die Karte wird ins Handy wandern, und die Leute werden weniger Plastik in der Tasche haben“, prophezeit Ralf Ohlhausen, Entwicklungsleiter beim Zahlungsspezialisten PPRO. Der Tod der Karte wird selbstverständlich nicht plötzlich eintreten, sondern sich schleichend vollziehen.

          Am weitesten fortgeschritten ist die Entwicklung weg von der Plastikkarte beim Bezahlen: In vielen Staaten der Welt ersetzt das Smartphone zunehmend das Portemonnaie, selbst Kleckerbeträge werden mit einem Mobilgerät bezahlt. Das ist inzwischen auch hierzulande leicht möglich. „In den letzten Jahrzehnten galt immer: Bargeld oder Karte. Das hat sich nun aufgegliedert in mehrere Bezahlarten“, sagt Volker Koppe, beim Kreditkartenunternehmen Visa zuständig für Digitales in Zentraleuropa.

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