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Mittelstand : Die Börse hält Familienwerte hoch

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Bild: F.A.Z.

Deutschlands Mittelstand verteidigt auch an der Börse seinen exzellenten Ruf: In den beiden Jahren seit seiner Gründung hat der Index der deutschen Familienunternehmen, German Entrepreneurial Index (Gex), den Dax geschlagen.

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          Deutschlands Mittelstand verteidigt auch an der Börse seinen exzellenten Ruf: In den beiden Jahren seit seiner Gründung hat der Index der deutschen Familienunternehmen, German Entrepreneurial Index (Gex), den Dax geschlagen. Im bisherigen Jahresverlauf liegt der Gex fast 19 Prozent im Plus, während der Deutsche Aktienindex Dax lediglich um weniger als 16 Prozent nach oben geklettert ist.

          Dabei wurde, unter dem Eindruck des Einbruchs an den Kapitalmärkten im Frühsommer, gerade erst die Rückbesinnung auf die großen, in Krisenzeiten als stabiler geltenden Großkonzerne ausgerufen. "Im Moment sehe ich das genaue Gegenteil - viele der Belastungsfaktoren sind wieder verschwunden", sagt Peter Conzatti, Fondsmanager des Nebenwertespezialisten Lupus Alpha.

          Gradmesser für den Erfolg

          Der Anfang 2005 aus der Taufe gehobene Gex ist als Gradmesser für den Erfolg von Familienunternehmen an der Börse gedacht. Ausschlaggebend für die Aufnahme in den Auswahlindex sind die Eigentümerstruktur und die Dauer der Kapitalmarktzugehörigkeit. Die Unternehmen dürfen nicht länger als zehn Jahre börsennotiert sein und müssen von Eigentümern geführt werden, die mindestens ein Viertel der Anteile halten. Der Index berücksichtigt nur Unternehmen des streng regulierten Prime Standards.

          Schon im ersten Jahr seiner Auflegung hat der Gex den Dax geschlagen: Im vergangenen Jahr verbuchte der auf Familienwerte ausgerichtete Index ein Plus von fast 38 Prozent, während das Börsenbarometer der 30 größten deutschen Aktien nur um 27 Prozent stieg. Derzeit sind 105 Unternehmen mit einer Börsenkapitalisierung von insgesamt 44,6 Milliarden Euro im Gex gelistet, darunter das Dax-Unternehmen Fresenius Medical Care.

          Mit Skepsis beäugt

          Daß Unternehmen in Familienhand häufig an der Börse erfolgreicher sind als andere Konzerne, hatte schon eine zur Gründung des Gex veröffentlichte Studie des Center for Entrepreneurial and Financial Studies der Technischen Universität München ergeben. Eine aktuelle Analyse der Investmentbank Morgan Stanley kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach haben die eigentümergeführten Unternehmen im sehr breit gefaßten MSCI Europe den Index in den vergangenen fünf Jahren um 16,3 Prozent im Jahr übertrumpft. Und das, obwohl viele Anleger Familienunternehmen häufig mit Skepsis beäugen, insbesondere nach den Bilanzskandalen bei Gesellschaften mit Familieneigentümern wie Adelphia und Parmalat. Nach den Daten von Morgan Stanley sind Familienunternehmen freilich auch profitabler: Im vergangenen Jahr betrug ihre Eigenkapitalrendite 18,8 Prozent; die Eigenkapitalrendite aller Unternehmen des MSCI Europe lag dagegen bei nur 14,1 Prozent. Die besten Kurssteigerungen an den Aktienmärkten haben nach Angaben der Investmentbank die kleineren Familienunternehmen erzielt.

          „Wichtige Elemente der Volkswirtschaft“

          "Familiengeführte Unternehmen sind und bleiben wichtige Elemente der deutschen Volkswirtschaft und somit auch für den Investor", sagt Hartmut Graf, Leiter der Index-Abteilung der Deutschen Börse. Auch Conzatti sieht Vorteile in dieser Eigentümerstruktur: "Solche Unternehmen haben meistens einen längeren Atem als Unternehmen mit 100 Prozent Streubesitz, bei denen die Gefahr besteht, daß Hedge-Fonds lediglich ein kurzfristiges Kursfeuerwerk entfachen wollen." Als Beispiel nennt er das ehemalige Gex-Mitglied Techem, das sich derzeit in einem feindlichen Übernahmekampf befindet. Der Energiedienstleister wäre nie Spielball eines großen Übernahmeversuchs geworden, wenn sich die Erben des Gründers Ott nicht aus dem Aktionärskreis verabschiedet hätte, sagt Conzatti.

          Der Auswahlindex Gex steht bei den Investoren dennoch nicht hoch im Kurs, denn diese suchen sich die Anlageobjekte lieber selbst aus. Derzeit gibt es daher nach Auskunft der Deutschen Börse nur zwei Zertifikate und sieben Hebelprodukte auf den Index. Kritiker monieren zudem die Zulassungsregeln des Gex. Beispielsweise sind weder BMW noch SAP im Index vertreten, weil sie schon seit mehr als zehn Jahren an der Börse gelistet sind. Der Dax-Wert Henkel flog in diesem Jahr aus demselben Grund aus dem Index. Seit Anfang 2005 ist die Zahl der Indexmitglieder dadurch von 117 auf 105 geschrumpft. "Das ist schon ein wenig paradox", kritisiert Conzatti. Graf verteidigt dagegen die Regelung: "Unternehmen benötigen vor allem in der Wachstumsphase Kapital. Diese Phase dauert nach empirischen Untersuchungen in der Regel zehn Jahre."

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