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Milliardenschwere Hilfe : Südkoreas Regierung rettet GM Korea

Ein Arbeiter im GM-Korea-Werk in Incheon: Der Regierung in Seoul zufolge hängen rund 156.000 Arbeitsplätze an dem Unternehmen und seinen Zulieferern. Bild: Reuters

Südkorea hat sich mit dem amerikanischen Autobauer General Motors auf ein milliardenschweres Rettungspaket für die Tochtergesellschaft GM Korea geeinigt. Erfolgt die Staatshilfe auf Druck von Donald Trump?

          Im Jahr 2009 stand die Zukunft des deutsch-amerikanischen Autobauers Opel auf dem Spiel. Die Muttergesellschaft General Motors war in Folge der Finanzkrise in schweres Fahrwasser geraten. Aus Sorge um die Arbeitsplätze in Deutschland gab die Bundesregierung einen Überbrückungskredit, um den Verkauf Opels zu ermöglichen. Doch der Plan scheiterte. Einen späteren Antrag von GM auf Staatshilfe lehnte die Bundesregierung strikt ab. GM laborierte weiter mit Opel herum und verkaufte den verlustreichen Autobauer schließlich im vergangenen Jahr an die französische PSA-Gruppe.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Regierung Südkoreas ist weniger zimperlich, wenn es um staatliche Lenkung in der Marktwirtschaft geht. Das Finanzministerium hat sich jetzt mit General Motors auf einen Rettungsplan geeinigt, um die Tochtergesellschaft GM Korea weiter im Land zu halten. Die staatliche Korea Development Bank (KDB), die schon jetzt als zweitgrößter Aktionär 17 Prozent an GM Korea hält, wird zu der Rettung 750 Millionen Dollar beitragen. Die KDB wird auch ein Vetorecht in wichtigen Entscheidungen erhalten. Der Großteil der Finanzierung kommt aber von GM, das 77 Prozent an GM Korea hält. General Motors wird Schulden von 2,8 Milliarden Dollar, die GM Korea schuldet, in Anteile umwandeln. Zugleich sichert GM Kredite von 3,6 Milliarden Dollar zu, damit die südkoreanische Tochter weiter existiert.

          GM muss zehn Jahre in Südkorea bleiben

          Die südkoreanische Finanzhilfe für GM Korea kommt zu einer Zeit, in der der amerikanische Präsident Donald Trump Druck macht, dass Südkorea seinen Markt für amerikanische Autos weiter öffne. Trump vermutet Handelsbarrieren als Ursache dafür, dass die amerikanischen Autobauer auf dem südkoreanischen Markt nicht richtig Fuß fassen. Die Absatzerfolge deutscher und europäischer Autobauer in Südkorea lassen dieses Argument freilich fadenscheinig erscheinen.

          In der Vereinbarung zwischen dem amerikanischen Autobauer und der Regierung in Seoul verpflichtet GM sich zudem, in den kommenden fünf Jahre keine Anteile an GM Korea zu verkaufen. Von 2023 bis 2028 muss sie mindestens 35 Prozent an der südkoreanischen Tochtergesellschaft halten. GM Korea soll als regionale Hauptstelle für den Raum Asien Pazifik aufgewertet werden, dabei aber nicht China abdecken.

          Im Gegenzug stellt die südkoreanische Regierung in Aussicht, dass die bestehenden Werke von GM in Südkorea als ausländische Investitionszone anerkannt werden. Damit wäre eine Steuerbefreiung für fünf Jahre und eine Steuersenkung um 50 Prozent für weitere zwei Jahre verbunden. GM sichert ferner zu, mehr Teile von südkoreanischen Zulieferern zu kaufen, während die Regierung verspricht, diese Zulieferer mit Investitionskapital zu unterstützen.

          Drastische Überkapazität

          GM Korea war für den amerikanischen Konzern lange Zeit ein Exportzentrum mit niedrigen Lohnkosten. Zu Hochzeiten fertigte General Motors in Korea etwa ein Fünftel seiner globalen Produktion. Die Standortkonkurrenz durch China aber machte den südkoreanischen Werken arg zu schaffen. Auch die Entscheidung GMs, die Marke Chevrolet vom europäischen Markt zu nehmen, ließ die GM-Produktion in Südkorea schrumpfen. Zuletzt baute GM Korea rund 500.000 Autos im Jahr, 2011 waren es noch mehr als 800.000 gewesen.

          Im Februar hatte General Motors angekündigt, eines von vier Werken in Südkorea zu schließen, um die drastische brachliegende Überkapazität und Verluste zu verringern. Damit gingen direkt 2000 der 16.000 Arbeitsplätze im Land verloren. GM Korea drohte mit einem Konkursantrag für die anderen Werke. Es folgten wochenlange, von Streiks begleitete Verhandlungen mit der Gewerkschaft, um Lohnzugeständnisse zu erreichen.

          Die Regierung rechtfertigt ihre staatliche Intervention nun damit, dass an GM Korea und seinen Zulieferern insgesamt rund 156.000 Arbeitsplätze und das Wohlergehen lokaler Wirtschaftsräume hingen würden.

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