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Milliardärsdomizil in New York : Eine Steuer für Luxus-Zweitwohnsitze

Zieht Milliardäre an: die amerikanische Metropole New York Bild: AP

Ein Hedgefonds-Milliardär hat kürzlich mit dem Kaufpreis für eine Penthouse-Wohnung in New York einen Rekord aufgestellt. Das hat eine Diskussion darüber ausgelöst, auswärtige Eigentümer teurer Immobilien zur Kasse zu bitten.

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          Es ist selbst für New Yorker Verhältnisse eine atemberaubende Summe: 238 Millionen Dollar zahlt der amerikanische Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin für ein Penthouse in einem Wolkenkratzer am Südrand des Central Park, der sich gerade der Fertigstellung nähert. Das ist die mit Abstand teuerste Wohnung, die es jemals in der Stadt gegeben hat. Den bisherigen Rekord hatte vor wenigen Jahren der Technologieunternehmer Michael Dell aufgestellt, als er ein Penthouse ganz in der Nähe von Griffins neuem Domizil für 100,5 Millionen Dollar kaufte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Dieser Rekord wird nun also um mehr als das Doppelte überboten. Der 50 Jahre alte Griffin, dessen Vermögen in der „Forbes“-Liste auf 11,6 Milliarden Dollar beziffert wird, wird sich in seinem künftigen New Yorker Zuhause nicht über Platzmangel beklagen können: Seine neue Wohnung ist mehr als 2000 Quadratmeter groß und erstreckt sich über vier Stockwerke. Sie hat 16 Schlafzimmer, 17 Bäder und eine Terrasse mit direktem Blick auf den Central Park.

          Dieses Luxus-Appartement wird aber offenbar noch nicht einmal Griffins Hauptwohnsitz sein. Denn sein Hedgefonds Citadel sitzt in Chicago, und auch hier hat er erst vor einigen Monaten einen Rekord für die Stadt aufgestellt, als er knapp 59 Millionen Dollar für eine vierstöckige Wohnung zahlte. Auch außerhalb von Chicago hat er in den vergangenen Jahren schon mit spektakulären Immobilientransaktionen aufhorchen lassen: Er zahlte 60 Millionen Dollar für ein Penthouse in Miami und 122 Millionen Dollar für ein Haus in der Nähe des Buckingham Palace in London. Zu dem Wohnungskauf in New York sagte eine Sprecherin des Investors zum „Wall Street Journal“, Citadel expandiere in der Stadt, und Griffin habe nach einer Bleibe gesucht für die Zeit, in der er sich gerade hier aufhalte.

          Viele Wohnungen stehen leer

          Griffin ist kein Einzelfall. In der Gegend um seine neue Adresse „220 Central Park South“ sind in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Luxus-Wolkenkratzern entstanden, die auf eine superreiche Klientel abzielen. Das Viertel wird „Billionaires‘ Row“ genannt, also „Wohnblock der Milliardäre“, und für viele der Käufer sind die Wohnungen in den Türmen nur eine von mehreren Immobilien. Was bedeutet, dass die Appartements über längere Zeit leerstehen und die schicken Gebäude nicht sonderlich belebt sind.

          Griffins Wohnungskauf, der im Januar bekannt wurde, hat nun aber den Rahmen alles bisher Dagewesenen gesprengt und deshalb einen Nerv der New Yorker getroffen: Dadurch wurde eine schon seit längerer Zeit schwelende Diskussion wiederbelebt, Luxusimmobilien zusätzlich zu besteuern, wenn sie nicht der Hauptsitz des Eigentümers sind. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde 2014 schon einmal eingereicht, scheiterte aber bislang an den Republikanern im Senat des Bundesstaats New York. Hier haben seit kurzen aber die Demokraten die Mehrheit – und im Zuge von Griffins Mega-Transaktion findet die Initiative mittlerweile breite Unterstützung und hat gute Chancen, in die Realität umgesetzt zu werden. Auch Gouverneur Andrew Cuomo hat Zustimmung signalisiert.

          Eine Steuer auf Zweitwohnsitze gibt es schon an anderen Orten der Welt. Das kanadische Vancouver hat vor zwei Jahren eine „Empty Homes Tax“ eingeführt, also eine „Steuer auf leere Häuser“, die bei ein Prozent des Immobilienwertes im Jahr liegt. Auch in einigen deutschen Städten wie Frankfurt werden Steuern auf Zweitwohnsitze erhoben. In New York ist die Zahl der Immobilien, die nicht als Hauptwohnsitz genutzt werden, in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Nach letzten Angaben der Stadt lag sie 2017 bei rund 75.000, drei Jahre zuvor waren es noch 55.000.

          „Villensteuer“ für die marode U-Bahn

          Die amerikanische Metropole hat heute schon eine Steuer, die auf teure Immobilientransaktionen abzielt und unabhängig vom Hauptwohnsitz ist. Wenn eine Wohnung oder ein Haus mindestens eine Million Dollar kostet, ist beim Kauf eine „Mansion Tax“ fällig, als eine „Steuer für Villen“, die bei ein Prozent des Preises liegt. Die Schwelle wird in New York freilich oft schon bei kleineren Wohnungen erreicht. Die Steuer für Zweitwohnsitze ist für ein deutlich höheres Preissegment gedacht. Sie soll für Immobilien gelten, die mit mindestens fünf Millionen Dollar bewertet werden – und je höher die Bewertung, umso höher soll auch der Steuersatz sein. Er soll von 0,5 Prozent des Wertes am unteren Skala bis vier Prozent bei Immobilien mit einem Wert von mindestens 25 Millionen Dollar liegen. Bei diesen teuersten Objekten kommt außerdem eine Gebühr von 370.000 Dollar zu.

          Für Griffins Rekordimmobilie würde das jährliche zusätzliche Steuern von 8,9 Millionen Dollar bedeuten, also ein stattlicher, wenn auch für ihn gewiss verschmerzbarer Betrag. Der New Yorker Rechnungsprüfer Scott Stringer schätzt, dass die Steuer der Stadt in jedem Jahr 650 Millionen Dollar bringen könnte. Anhänger der zusätzlichen Abgabe argumentieren, das Geld könne man in das marode U-Bahn-System investieren oder für den Bau von erschwinglichem Wohnraum ausgeben. Sie sagen, die Steuer auf Zweitwohnsitze wäre ein Mittel, reiche Menschen, die in New York keine lokale Einkommenssteuer zahlen, dazu zu bringen, einen Beitrag für die Stadt zu leisten.

          Die Immobilienbranche der Stadt ist freilich gegen die Steuer und fürchtet, dies könnte ihrem Geschäft schaden. Einer Analyse des „Wall Street Journal“ zufolge könnte eine solche Steuer einen erheblichen Effekt auf die Preise haben. Immobilien aus der höchsten Steuerkategorie mit einem Wert von mehr als 25 Millionen Dollar könnten durch die Abgaben 46 Prozent an Wert verlieren. Das würde sich entsprechend in den Provisionen von Maklern niederschlagen.

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