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Größter Umbau seit 1986 : Metzler-Bank wird Aktiengesellschaft

Bild: Imago

Die neue Struktur soll zur zwölften Generation der Familie von Metzler passen, von der drei Mitglieder Bankeigner bleiben. Aber ein Risiko ist: Die Kunden könnten Vorstandsmitglieder geringer achten als persönlich haftende Gesellschafter.

          3 Min.

          Die Metzler-Finanzgruppe wird im Verlauf der kommenden eineinhalb Jahre an ihrer Struktur die größten Veränderungen seit 1986 vornehmen. Damals hatte der in wenigen Tagen 78 Jahre alt werdende Friedrich von Metzler gemeinsam mit seinem verstorbenen Vetter Christoph eine Dachaktiengesellschaft („Metzler-Holding“) geschaffen, unter der inzwischen zahlreiche Tochtergesellschaften angesiedelt sind. Diese Holding wird nun abgeschafft. Auslöser für diesen Schritt sind neue Anforderungen an Wirtschaftsprüfung, Meldewesen und IT, die bei der Holding mit rund einer Million Euro zu Buche schlagen. Dieses Geld wollen die Metzlers sparen, indem sie die Holding auf ihre wichtigste Tochtergesellschaft verschmelzen: auf die B. Metzler seel. Sohn & Co. KGaA, bekannt als das „Bankhaus Metzler“. Diese KGaA soll dann in einem zweiten Schritt in eine „echte“ Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Strukturveränderung folgt nicht nur einer Kostenlogik, sie hat auch kulturelle Folgen für die nach Berenberg ältesteste deutsche Privatbank mit Sitz in Frankfurt. Im Unterschied zur Hamburger Berenberg-Bank befindet sich Metzler seit Gründung durch den Tuchhändler Benjamin Metzler im Jahr 1674 ununterbrochen in Familienbesitz. Die Rechtsform des Bankhauses – das Kürzel KGaA steht für Kommanditgesellschaft auf Aktien – passt dazu: Denn die KGaA erlaubt zwar die Leitung durch aktuell sechs persönlich haftende Gesellschafter, von denen seit dem Ausscheiden von Friedrich von Metzler aus diesem Kreis niemand zur Familie gehört. Aber die Aktien und damit das Eigentum der Bank-KGaA verteilen sich auf nur drei Familienmitglieder der inzwischen zwölften Generation: Friedrichs Kinder Elena und Franz von Metzler besitzen etwa je 40 Prozent der Aktien, Christophs Sohn Leonhard von Metzler 20 Prozent.

          Reserven der Bank bisher unsichtbar

          Die Ertragslage der Bank darf für Außenstehende ein Geheimnis bleiben. Jedes Jahr werden vom Gewinn 2,3 Millionen Euro an die Bankeigner ausgeschüttet, die Reserven der Bank aber müssen und werden nicht offengelegt werden. Das könnte sich durch strengere Publizitätspflichten der Aktiengesellschaft ändern. Auch können die Bankeigner ihre Aktien bisher praktisch nicht verkaufen. Künftig wird das zumindest theoretisch möglich sein. Doch nicht einmal an einen Teilverkauf oder die Aufnahme neuer externer Eigner werde im Traum gedacht, heißt es.

          Tatsächlich zeichnet die Familie Metzler aus, dass sie auch in der zwölften Generation die Anteile an ihrem Unternehmen nicht auf viele Mitglieder verteilt hat, was anderswo zu Streit führt, wenn man etwa an die Bielefelder Industriellenfamilie Oetker denkt. Vielmehr haben die Metzlers darauf geachtet, dass nur solche Familienmitglieder Anteile an der Bank erwerben, die ein großes Interesse an ihr haben: Alle drei aktuellen Bankeigentümer waren oder sind in der Bank tätig. Damit stellt sich die Frage, welchen Leitungs- und Kontrollgremien die drei Familiengesellschafter der kommenden Generation und die aktuell sechs persönlich haftenden familienfremden Gesellschafter künftig angehören werden.

          Wer in Vorstand und Aufsichtsrat kommt

          Die Antwort für die persönlich haftenden Gesellschafter liegt nahe: Emmerich Müller als Primus inter Pares, Kim Comperl, Harald Illy, Mario Mattera, Marco Schulmerich und Gerhard Wiesheu werden zu Vorstandsmitgliedern der neuen Metzler-Bank AG. Falls Müller, der im August dieses Jahres 65 Jahre alt wird, in vielleicht zwei Jahren ausscheidet, könnte Franz von Metzler in den Vorstand aufrücken und irgendwann den Vorstandsvorsitz übernehmen. Franz ist Mitte dreißig und trägt seit 1. Juli 2020 als Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Metzler Asset Management Verantwortung. Während er insofern auf höhere Aufgaben vorbereitet ist, ist der Rollenwechsel für die bisherigen persönlich haftenden Gesellschafter kein Aufstieg. Formal behalten sie ihre operativen Zuständigkeiten, aber im Titel „persönlich haftender Gesellschafter“ schwingt etwas Unternehmerisches mit, das auf Zeit bestellten Vorstandsmitgliedern fehlt. Das könnte im Kontakt mit Unternehmenskunden einen Unterschied machen.

          Zu klären ist auch die künftige Rolle der beiden anderen Bankeigner: Elena von Metzler hat zuletzt im Private Banking für das Bankhaus gearbeitet. Gerade ist sie Mutter geworden. Deshalb gilt es als wahrscheinlich, dass Elena von Metzler zunächst ein Mandat im Aufsichtsrat der Bank übernimmt. Diesem Kontrollgremium dürfte auch Leonhard von Metzler angehören, der inzwischen nicht mehr im Bankhaus, sondern für einen Vermögensverwalter außerhalb der Metzler-Gruppe arbeitet. Der Aufsichtsrat soll künftig neun Mitglieder haben.

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