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Schwierige Messungen : Wie reich sind die Reichen?

Natürlich bewegen sich diese Schätzungen nicht völlig im luftleeren Raum. Auf den vordersten Plätzen der Reichenlisten finden sich viele Menschen, die große Anteile an börsennotierten Unternehmen halten. Der Wert dieser Anteile lässt sich täglich aufs Neue an der Börse ablesen, er ist bekannt. Zum Vermögen zählen aber nicht nur Aktien, sondern auch Immobilien. Deren Wert zu schätzen ist weitaus schwieriger, zumal kein Superreicher der Welt Auskunft über seinen Immobilienbesitz geben muss. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Kunstwerke. Ein weiterer Punkt: Schulden schmälern das eigene Vermögen mitunter ganz erheblich, aber auch deren Höhe muss niemand veröffentlichen.

Erben und Unternehmer

Welch nahezu unmögliches Unterfangen das akkurate Zusammenstellen einer Reichenliste ist, zeigt eine Untersuchung aus dem Jahr 2010. Damals haben Forscher der amerikanischen Bundessteuerbehörde über einen längeren Zeitraum die Steuerdaten reicher Verstorbener mit den Daten aus der Forbes-Liste verglichen, soweit dies bei allen Ungenauigkeiten überhaupt möglich ist. Das Ergebnis: Forbes hat danach das Vermögen deutlich überschätzt, was wohl vor allen Dingen an fehlerhaften Informationen über die Schulden der Betroffenen lag.

Die Magazine betonen alle, dass sie in Kontakt zu den Reichen auf ihren Ranglisten stünden, wobei man sich das in der Praxis so vorstellen muss: Die Magazinmacher erhalten vor allem erboste Anrufe der Reichen oder ihrer Anwälte, dass die Angaben falsch seien und korrigiert werden müssten. Dies kann im besten Fall ein Weg sein, sich den richtigen Zahlen anzunähern. Ein verlässliches Verfahren ist das aber nicht, weil davon auszugehen ist, dass sich längst nicht jeder zurückmeldet. Umso mehr irritiert es, dass auch viele Banken freimütig einräumen, bei ihren großen Vermögensstudien unter anderem auf die Informationen aus diesen Ranglisten zurückzugreifen.

So stellen wir uns das Leben der Reichen und Schönen vor.

Angesichts all dieser Schwierigkeiten ist auch mit Blick auf einen Shootingstar der Ökonomie Skepsis angebracht: Thomas Pikettys Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ verwendet in erheblichem Umfang Daten zur Vermögensverteilung.

Gibt es also gar nichts, was wir gesichert über die Reichen wissen? So weit würde Wissenschaftler Wolfgang Lauterbach bei allen Einschränkungen nicht gehen. Im Rahmen einer aufwendigen Studie ist es ihm gemeinsam mit dem DIW gelungen, 130 Reiche aus Deutschland mit einem frei verfügbaren Geldvermögen von mindestens einer Million Euro zu befragen, wie sie zu ihrem Wohlstand gekommen sind. Das Ergebnis ist spannend: Rund zwei Drittel der Befragten sagten, dass ihr Vermögen auf eine Erbschaft oder eine Schenkung zurückzuführen sei. Als genauso relevant für ihren Reichtum nannten aber auch 60 Prozent der Befragten ihre Arbeit als Unternehmer.

Weitere Schlussfolgerungen, darauf weisen die Forscher selbst hin, sind zumindest aus wissenschaftlicher Sicht nicht zulässig: Es waren eben nur 130 Befragte, die die Wissenschaftler nicht repräsentativ auswählen konnten. Reichtum, dieses faszinierende Phänomen, wird wohl noch lange Zeit ein Mysterium bleiben.

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