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Merkel bei der Deutschen Bank : Ein bisschen Kuscheln

Bild: Reuters

Zum virtuellen Neujahrsempfang der Deutschen Bank haben sich die Kanzlerin und der Wirtschaftsminister zugeschaltet. Doch es bleibt nicht nur beim Austausch von Freundlichkeiten.

          3 Min.

          Angela Merkel spricht vor der Deutschen Bank. Das haben manche im Vorfeld des Neujahrsempfangs der Bank schon als große Versöhnung gefeiert; nachdem das Verhältnis zwischen Berlin und Frankfurt nach der Finanzkrise und der PR-technisch suboptimalen Geburtstagssause für Josef Ackermann über Jahre eher frostig gewesen war. Doch wer von der Bundeskanzlerin nun einen großen Lobgesang auf die Bank und ihren Chef Christian Sewing erwartet hatte – oder gar einen Kuschelkurs –, wird am Donnerstagabend enttäuscht. Eher kurz und eher pflichtschuldig fällt das im Kabinettssitzungssaal aufgezeichnete Grußwort aus. Nach gefühlt drei Minuten ist es schon wieder vorbei.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gleich zu Beginn stellt Merkel klar, dass sie hier spreche, weil nun einmal die 150-Jahr-Feier der Bank im vergangenen Jahr Corona-bedingt ausgefallen war. Zu dieser langen Historie und dazu, dass die Bank alle Krisen der jüngeren Vergangenheit „erlebt und überlebt“ habe, sei ihr zu gratulieren. Kurzer Dank dafür, dass das mit den Corona-Hilfen weitgehend gut und schnell geklappt habe. Und die Zusicherung, dass ein krisenfester und wettbewerbsfähiger Finanzsektor „von grundlegender Bedeutung für unsere Volkswirtschaft“ sei. Sie wisse um die Herausforderungen, vor denen die Kreditwirtschaft stehe, sagt Merkel (CDU). „Aber ich bin zuversichtlich, dass es uns, Politik und Wirtschaft, gemeinsam gelingen wird, der Innovations- und Wachstumsstärke Deutschlands nach der Pandemie schnell wieder neuen Schwung zu verleihen."

          Altmaier: Die Bank zählt zum Tafelsilber

          Dann ist schon wieder Sewing an der Reihe bei diesem Neujahrsempfang, den die Bank erstmals virtuell im Internet abhält. 6000 geladene Teilnehmer, Kunden, Investoren, Politiker haben sich nach Angaben der Bank zugeschaltet, um den Worten von Merkel, Sewing und dem Vize-Chef Karl von Rohr sowie einer Diskussion zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Computer-Bildschirm zu lauschen. 

          Altmaiers Lob für die Bank fällt schon üppiger aus. Am Ende überzieht er sogar ein wenig. Die Lufthansa habe er einmal als „Tafelsilber“ der Bundesrepublik bezeichnet, sagt der Wirtschaftsminister. Dass er nun bei der Deutschen Bank spreche, sei auch eine Solidaritätsbekundung. Das klingt schon fast, als müsse auch die Bank wie die Fluggesellschaft bald vor dem Niedergang oder gar vor ausländischen Übernahmen gerettet werden – wofür im Moment allerdings wenig spricht. So dankt Altmaier Sewing auch dafür, dass er die Bank einer Sanierungskur unterziehe. Das habe die Bank gestärkt und sei sehr wichtig in der Bewältigung der Pandemie.

          Warnung vor mehr Corona-Hilfen

          Eine Spitze kann sich Altmaier aber auch nicht verkneifen. Zur Kritik vieler Unternehmen an der verspäteten Auszahlung von Corona-Hilfen, sagt der Minister: „Wir haben alle Zusagen eingehalten.“ Dass Hilfen erst spät bei den Unternehmen ankämen, liege auch daran, dass die Bearbeitung bei den Banken, Sparkassen und Volksbanken wesentlich länger dauere, als er erwartet hatte. 

          Sewing belässt es auch nicht nur bei Lob für die Corona-Hilfen der Regierung. Stattdessen warnt der Bankchef davor, nun einfach immer mehr Geld in die kriselnde Wirtschaft zu pumpen. Die großen staatlichen Rettungspakete hätten die Staatsverschuldung rund um die Welt in die Höhe getrieben. Viele Staaten könnten die Schulden nur noch durch dauerhaft niedrigste Zinsen tragen, was für die Verbraucher bald zu höherer Inflation führen dürfte: „Es wäre töricht anzunehmen, dass historisch niedrige Zinsen und historisch große Konjunkturprogramme nicht auch zu deutlich steigenden Verbraucherpreisen führen werden, sobald die Wirtschaft wieder anzieht“, sagte Sewing. „Deshalb sollten wir jetzt nicht noch einmal draufsatteln, also kein weiteres riesiges Ausgabenpaket wie in den Vereinigten Staaten auf den Weg bringen.“

          Sewing verteidigt Ruf nach Industriepolitik

          Trotz des verlängerten Lockdowns rechnet Sewing nicht mit einer großen Pleitewelle. Zwar werde die Zahl der Insolvenzen sicher steigen, wenn die Übergangsregelungen zur Insolvenzanmeldung ausliefen. Aber sobald die Pandemie abklinge, rechne er auch mit einem schnellen kräftigen Aufschwung – „einer wirtschaftlichen Dynamik, wie wir sie in der westlichen Welt seit Jahrzehnten nicht erlebt haben.“

          Der Bankchef verteidigt seinen Ruf nach mehr Industriepolitik, über den die F.A.Z zuerst berichtet hatte. Mit seinem Ruf nach einer Reform der Förderpolitik, gehe es ihm nicht nach mehr Staat, sagt Sewing. Stattdessen solle der Staat seine Fördermittel gezielter in Zukunftstechnologien lenken. In Deutschland stemmten bislang die Banken einen Großteil der Unternehmensfinanzierung über Kredite. Die Investitionen, die nun für die Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Digitalisierung und mehr Klimaschutz nötig seien, könnten die Banken aber nicht ohne staatliche Hilfen stemmen. Das sei nur als „Zwischensprint auf dem Weg zu einer europäischen Kapitalmarktunion“ zu verstehen, die nun einmal nicht allzu schnell zu erwarten sei.

          Altmaier, der sich auch schon als Verfechter von mehr Industriepolitik gezeigt hat, geht auf Sewings Vorschläge nicht wirklich ein. An anderer Stelle stellt er aber klar, dass er den Staat nicht für den besseren Unternehmer halte. „Wir brauchen keine staatlichen Unternehmen und keine staatlichen Investitionsentscheidungen.“ Es sieht aus, als gäbe es weiterhin viel Diskussionsbedarf zwischen der Bank und der Bundesregierung. 

             

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