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Zypern-Krise : Angst um die Ersparnisse

Viele Deutsche haben Angst, dass man ihnen ihr Erspartes nimmt, doch die größere Gefahr ist die Inflation Bild: Corbis

Die Deutschen sorgen sich wegen Zypern um ihr Erspartes. Doch sie sollten jetzt nicht ihr Geld abheben. Sondern es lieber vor der Inflation schützen.

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          „Schweizer Geldanlage, kein Euro-Risiko, 12 Prozent Rendite im Jahr und mehr.“ So wirbt eine Anzeige im Internet für ein Holzinvestment im Nachbarland. Der Zielkunde ist klar: Deutsche Sparer, die durch die Hängepartie in Zypern und die jahrelange Euro-Krise tief verunsichert sind und die Sicherheit im Nicht-Euro-Land Schweiz suchen. Dabei ist die Anlage alles andere als solide.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dubiose Geschäftemacher haben jetzt gute Chancen auf mehr Gewinn. Denn die Sorgen der Anleger, die seit einigen Monaten abgeebbt waren, steigen wieder. Mittlerweile machen sich 49 Prozent der Deutschen Sorgen um die eigenen Ersparnisse. Im Juni 2012 waren es erst 39 Prozent. Das ergaben Umfragen für das aktuelle ZDF-Politbarometer. Danach glauben auch 64 Prozent, dass sich die Euro-Krise verschärfen wird.

          Auslöser dafür war die in Zypern geplante Zwangsabgabe auf Spareinlagen. Da sie ursprünglich auch für kleine Ersparnisse geplant war, entwertet sie die gesetzliche Garantie für Einlagen bis 100.000 Euro, auf die sich bisher alle Sparer verlassen haben. Auch die deutschen. Die werden jetzt nervös. Sind die mühsam zusammengesparten Euro im Ernstfall doch nicht sicher, wie bisher geglaubt? Und gilt noch die Garantie auf alle Einlagen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück im Oktober 2008 nach der Lehman-Pleite vor laufenden Kameras gaben?

          Die Zusagen sind freiwillig

          Zunächst einmal gilt es klarzustellen: Die Einlagensicherung gilt für den Fall der Pleite einer Bank. Dann sind gesetzlich 100.000 Euro vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Das heißt nicht, dass vor einer Insolvenz die Ersparnisse nicht durch eine einmalige Abgabe an den Staat belastet werden dürfen. So war es in Zypern, denn die Banken sind noch nicht offiziell pleite, wenn auch schwer angeschlagen.

          Und wenn sie insolvent sind, dürfen auch Sparer daran beteiligt werden. Denn eine Einlage ist rechtlich nichts anderes als ein Kredit an die Bank, die Sparer sind damit ganz normale Gläubiger des Instituts, wie die Käufer einer Bankanleihe auch. Subjektiv empfinden die Sparer das in der Regel freilich ganz anders. Sie geben ihr Geld der Bank, „weil es dort sicher liegt“.

          Ein Trugschluss. Sowohl Anleihekäufer, Aktionäre und Sparer haften im Pleitefall und müssen dann Verluste in Kauf nehmen. Die Frage ist nur, ab welcher Einlagenhöhe. Gesetzlich erst ab 100.000 Euro. In Deutschland sind die Banken und Sparkassen aber in Sicherungseinrichtungen, die versprechen, im Insolvenzfall die Einlagen deutlich höher oder sogar ganz abzusichern. Allerdings: Die Zusagen sind freiwillig und allenfalls einhaltbar, wenn es keine große Bank trifft. Bei einer Pleite der Commerzbank oder der Deutschen Bank könnten sie nicht alle Ersparnisse garantieren.

          Ähnliches ist für die Garantie von Merkel und Steinbrück zu befürchten, die beide in den vergangenen Tagen noch einmal erneuerten. Alle Ersparnisse könnte der Staat allenfalls dann garantieren, wenn nur eine große Bank pleite geht. Sind es gleich mehrere, wird er die Sparer beteiligen müssen, weil sich sonst auch der Staat übernehmen würde. Die Garantie der beiden Politiker beruhigte 2008 nur deswegen die Anleger so gut, weil man nie testen musste, ob sie wirklich hält. Die Menschen vertrauten der Zusage.

          Mehr in Immobilien, Rohstoffe und Aktien investieren

          Was heißt das nun für die deutschen Sparer? Sollten sie ihr Erspartes nun rasch von den Banken abräumen? Nein. Zum einen droht in Deutschland keine Bankenpleite, selbst wenn es in Zypern in den kommenden Tagen turbulent zugehen sollte. Zum anderen droht auch keine Zwangsabgabe auf Bankeinlagen, denn der deutsche Staat hat keine Finanznöte, die Steuereinnahmen sprudeln, der Bundeshaushalt ist fast ausgeglichen. Vermögen könnte allenfalls nach der Bundestagswahl im Herbst belastet werden - wenn SPD und Grüne gewinnen, die eine Vermögensteuer einführen wollen. Dann wären aber alle Vermögen betroffen, nicht nur Bankersparnisse, sondern auch Immobilien, Autos und Wertpapiere. Es bringt daher nichts, jetzt die Konten leer zu räumen.

          Allerdings kommen die Deutschen derzeit um eine versteckte Steuer auf das Ersparte nicht herum: die finanzielle Repression. Das heißt, dass die Inflation permanent Geldvermögen aufzehrt, weil die Zinsen derzeit nicht hoch genug sind, um das auszugleichen. Das dürfte auch die nächsten Jahre so bleiben.

          Deutsche Anleger sollten sich daher weniger vor Zwangsabgaben auf Bankeinlagen fürchten, sondern vor der Inflation. Entsprechend sollten sie ihre Geldanlage ausrichten: Also weniger in Tagesgeld, Sparbriefe und Anleihen und mehr in Immobilien, Rohstoffe und vor allem Aktien investieren. Die bieten noch einen weiteren Pluspunkt: Sie sind kein Kredit an die Bank und damit im Pleitefall vor den Gläubigern geschützt.

          Wer hingegen den Weg aus dem Euroraum anstrebt, denkt vor allem an die Schweiz und Skandinavien. Deren Währungen haben aufgewertet, was zusätzliche Erträge bringt. Doch die Anlagen können viel riskanter sein, zum Beispiel bei Käufen am heißlaufenden Schweizer Immobilienmarkt. Oder weniger Rendite abwerfen wie am Schweizer Aktienmarkt. Fazit: Deutschland ist gar nicht so schlecht als Anlageregion.

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