https://www.faz.net/-gv6-9shzd

Zum Abschied von Mario Draghi : Richtig sparen ohne Zins

EZB-Präsident Mario Draghi Bild: Reuters

Wird EZB-Präsident Mario Draghi in die Geschichte eingehen als der Mann, der die Zinsen abgeschafft hat? Verbraucherschützer Niels Nauhauser über die wahren Ursachen der Niedrigzinsen, die Herausforderungen für die Sparer - und die Tricks der Banken.

          4 Min.

          Wird Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), der in dieser Woche seine letzte Zinssitzung leitet und zum Monatsende ausscheidet, als der Mann in die Geschichte eingehen, der die Zinsen abgeschafft hat? „Das werden die Historiker entscheiden müssen“, meint Niels Nauhauser, Finanzfachmann der Verbraucherzentralen. „Zu den niedrigen Zinsen für Sparer haben aber viele Faktoren beigetragen, neben den Folgen der Finanzkrise vor allem Angebot und Nachfrage nach Kapital – davon profitieren Verbraucher beispielsweise bei der Hausfinanzierung, während sie beim sicheren Sparen real Geld verlieren.“

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die fürs Sparen entscheidenden Realzinsen, also die Zinsen nach Abzug der Inflation, seien auch zu Zeiten der Bundesbank etwa in den 70er oder 80er Jahren teilweise negativ gewesen, sagt der Verbraucherschützer: „Eine hohe Inflation hat damals die Sparbuchzinsen mehr als aufgezehrt – auch damals schon waren Sparprodukte wie das Sparbuch für den langfristigen Vermögensaufbau mit Blick auf die reale Rendite ungeeignet.“ Was sich verändert habe, sei, dass der Negativzins heute deutlich sichtbarer sei, weil Menschen eben eher auf den nominalen als den realen Zins schauten.

          Dass die Deutschen jetzt weniger sparten, weil es dafür keine Zinsen gebe, oder mehr, weil sie den Wegfall von Zinszahlungen ausgleichen müssten, lasse sich empirisch nicht belegen, sagt Nauhauser: „Die Sparquote der privaten Haushalte in Deutschland hat sich seit Beginn der Niedrigzinsphase nicht wesentlich verändert.“

          Lieber ein ETF-Sparplan

          Wie die Menschen sparten, hänge hingegen wesentlich vom Verhalten der Vermittler und Anbieter von Finanzprodukten ab. „Lange Zeit wurden den Sparern vor allem Lebensversicherungen angedreht, weil das steuerlich begünstigt war und die höchsten Provisionen abwarf“, meint der Verbraucherschützer. Bis zur Finanzkrise hätten die Banken auch Zertifikate im großen Stil vertrieben, dann seien die offenen Immobilienfonds gekommen, bis auch die in eine Krise gerieten. „Zuletzt waren Multi-Asset-Fonds im Vertrieb der Banken sehr beliebt – all diese Produkte wurden nicht deshalb vermittelt, weil diese bedarfsgerechte gute Anlagen für die Verbraucher darstellen, sondern weil sie wegen der erzielbaren Provisionen attraktiv für Banken sind.“

          Die Banken und andere Finanzunternehmen redeten den Sparern nun gern ein, dass sie jetzt wegen der Niedrigzinsen mehr für die Altersvorsorge ausgeben sollten, um die sogenannte Vorsorgelücke zu schließen. Rein rechnerisch erscheine das überzeugend: Wenn man eine geringere Realverzinsung bekomme, müsse man mehr zurücklegen, um zum gleichen Ergebnis zu kommen. „Unser Appell an Verbraucher lautet dagegen: Statt mehr zu sparen, Kosten bei der Altersvorsorge reduzieren und Risiken breit streuen!“, sagt Nauhauser.

          Statt eines Riester-Vertrags, einer Rürup-Rente oder eines nächstbesten Fondssparplans der Volksbank sei oftmals ein ganz profaner ETF-Sparplan auf den weltweiten Aktienindex MSCI World die deutlich günstigere Variante. Wichtiger als die einmaligen Kosten bei Vertragsabschluss seien dabei natürlich die jährlichen Kosten – durch eine Reduzierung der jährlichen Kosten lasse sich schon bei einer Laufzeit von 20 Jahren an die Rente am Ende verdoppeln.

          Topmeldungen

          Frankfurt am Main : Stadt der Türme

          Nicht nur den Banken hat Frankfurt seine in Deutschland einzigartige Skyline zu verdanken. Auch Gewerkschaften und Seifenfabrikanten bauten schon Hochhäuser. Wir zeigen die größten und schönsten.

          Bei Vortrag angegriffen : Weizsäcker-Sohn in Klinik getötet

          Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten, ist von einem Angreifer in Berlin bei einem Vortrag erstochen worden. Der Täter wurde festgenommen, über sein Motiv besteht noch Unklarheit.
          Trotz geringer Einwohnerzahl: Mit mehr als einer Billion Dollar ist der norwegische Staatsfonds der größte der Welt.

          Staatsfonds in Deutschland : Schaut nach Norwegen

          Deutschland altert, das Rentensystem stößt an seine Grenzen. Kommt als Lösung nun ein deutscher Staatsfonds? Klarheit könnte der anstehende CDU-Parteitag bringen.
          Donald Trump jr. im Oktober in San Antonio

          Die Familie des Präsidenten : Wahlkampf mit Trump Junior

          In der Familie von Präsident Donald Trump hat fast jeder seine Aufgabe. So ist Donald Trump jr. auf Wahlkampftour, während Schwester und Schwager direkt im Weißen Haus arbeiten. Zielgruppe sind besonders junge Leute.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.