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Vermögen : In Deutschland leben 117 Milliardäre

Tummelplatz für Reiche: Der Jachthafen von Monaco. Bild: Reuters

Die Zahl der Milliardäre in Deutschland ist leicht gesunken – trotzdem liegt Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern weit vorne. Besonders viele Reiche leben allerdings auf einem anderen Kontinent.

          Die Zahl der Milliardäre in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht auf 117 gesunken. Damit nimmt Deutschland im Vergleich zu allen anderen Ländern Europas freilich immer noch klar den Spitzenplatz ein, was ein Spiegel der Wirtschaftskraft ist. Auf Platz zwei folgt Großbritannien, wo 55 Milliardäre leben, vor Italien (42), Frankreich (39) und der Schweiz (35). Dies geht aus einer Studie hervor, welche die Schweizer Großbank UBS und die Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC) am Donnerstag veröffentlicht haben. Darin werden die Reichsten der Reichen nicht namentlich genannt. Aber es ist bekannt, wer dem Club der Milliardäre in vorderster Linie angehört: die Unternehmerfamilien Schwarz (Lidl), Reimann (Jacobs, Reckitt Benckiser), Albrecht (Aldi), Quandt (BMW), Schaeffler und Porsche (VW).

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          In Deutschland leben 8 Prozent aller Milliardäre, deren Zahl rund um den Globus um 10 Prozent auf 1542 gestiegen ist. Das Gesamtvermögen der Superreichen, das im Jahr zuvor noch um 5 Prozent gesunken war, kletterte 2016 um 17 Prozent auf 6 Billionen Dollar. Die Vermögen sind damit doppelt so stark gewachsen wie der globale Aktienindex MSCI AC World. Gemäß der Studie spielten dabei Wechselkurseffekte sowie der Anstieg der Rohstoff- und Immobilienpreise eine Rolle. Letztere beflügelten insbesondere den Reichtum in Asien. Dort schafft es im Durchschnitt alle zwei Tage jemand, in die Liga der Dollar-Milliardäre vorzustoßen.

          Asien „überholt“ Amerika

          Insgesamt stieg die Zahl asiatischer Milliardäre um fast ein Viertel auf 637. Damit hat Asien erstmals die Vereinigten Staaten überholt, wo „nur“ 563 Milliardäre unterwegs sind. Diese verfügen aber in Summe (2,8 Billionen Dollar) immer noch über mehr Vermögen als die „Emporkömmlinge“ aus Asien (2 Billionen Dollar). Sollte sich der gegenwärtige Trend fortsetzen, wird das Gesamtvermögen asiatischer Milliardäre das ihrer amerikanischen Pendants innerhalb von vier Jahren überflügeln, schreiben die Studienautoren.

          Motor dieser Entwicklung sind China und Indien, wo inzwischen 318 respektive 100 Milliardäre leben. Sollte die Immobilienblase in China eines Tages platzen, drohen vielen Superreichen freilich deftige Einbußen. Auch politische Unsicherheiten und erratische Kursbewegungen an den Börsen können Vermögen in Asien zum Teil rasch wieder verdampfen lassen.

          Milliardäre mit sozialem und wirtschaftlichem Engagement

          Den Untersuchungen zufolge beschäftigen die gut 1500 Milliardäre in ihren Unternehmen rund um den Globus rund 28 Millionen Menschen. Das entspricht grob der erwerbstätigen Bevölkerung Großbritanniens. Der Anteil der Self-Made-Milliardäre wächst. 1995 hatten nur 45 Prozent der Milliardäre ihren Reichtum aus eigener Kraft erwirtschaftet. Heute betrage ihr Anteil 70 Prozent.

          In den nächsten zwei Jahrzehnten werden nach Einschätzung von UBS und PWC Vermögen in Höhe von 2,4 Billionen Dollar vererbt oder zu philanthropischen Zwecken weitergereicht. „Ein Vermögen zu bewahren und zu steigern ist heutzutage nicht mehr genug“, sagte der PWC-Partner Marcel Widrig. Die Milliardäre von heute fühlten sich auch für sozialen und wirtschaftlichen Wandel verantwortlich.

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