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Voller Luftraum : Drohnen überall

Drohnen beeinflussen immer mehr den Alltag. Bild: dpa

Schon 400.000 Drohnen fliegen über Deutschland. Für die einen ist das ein toller Spaß, für andere eine echte Bedrohung. Es wird Zeit für klare Regeln.

          6 Min.

          Die Drohne steigt und steigt, schwebt senkrecht in die Höhe, durch die Wolken auf mehr als 1000 Meter, freie Sicht auf den Horizont. Plötzlich rast sie nach unten, direkt auf ein Wohnviertel. Denn der Akku ist leer. Dann der Crash, zum Glück in einen Baum.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Solche Videos, die Privatleute mit Mini-Drohnen und daran angebauten Kameras filmen, finden sich im Internet zuhauf. Genauso wie die Bilder eines Flugpassagiers, der aus dem Fenster des Großraumflugzeugs filmt, wie eine Drohne direkt in den Flügel der Maschine rast und ein Stück davon abreißt. Andere zeigen rasante Drohnenflüge durch einen Tunnel oder schockierende Drohnen-Aufnahmen vom völlig zerbombten syrischen Aleppo. Und manch einer stellt unverblümt Nacktaufnahmen vom Nachbarn oder dem FKK-Strand ins Netz. Aber nicht nur illegale oder zumindest höchst grenzwertige Aufnahmen produzieren die privaten Drohnenfilmer. Sondern auch wunderschöne Aufnahmen, zum Beispiel von Seen, Wäldern und Steilküsten.

          Diese Aufnahmen sind Folge eines der größten Konsumtrends derzeit. Die Verkaufszahlen von Drohnen für die private Nutzung haben sich seit 2011 jedes Jahr verdoppelt. Derzeit fliegen in Deutschland geschätzt 400 000 Drohnen, zum Großteil von Privatpersonen, während die kommerzielle Nutzung noch gering ist. Die Deutsche Flugsicherung erwartet, dass die Zahl bis 2020 auf mehr als eine Million steigt. In ganz Europa werden es dann mehr als sieben Millionen sein, schätzt die EU.

          Eine durchschnittliche Drohne ähnelt einem Modellhubschrauber, sie wird daher auch Copter genannt. Sie ist nicht größer als einen Meter und hat in der Regel vier bis acht Propeller. Damit kann sie senkrecht in die Höhe steigen und auch in der Luft stehenbleiben. Gesteuert wird die Drohne mit einem tragbaren Bedienpult, das sich auch mit Drohnen-Apps im Smartphone verbinden lässt. Drohnen fliegen elektrisch, ein Akku reicht für bis zu 30 Minuten Flugspaß. Die Reichweite ist auf unter 10 Kilometer, bei günstigen Modelle sogar auf wenige 100 Meter begrenzt.

          Drohnen sind wieder einmal ein Beispiel, wie Erfindungen aus dem Militärbereich zivile Anwendungen finden. In modernen Armeen werden bewaffnete Drohnen über dem Feindesgebiet wie Kampfflugzeuge eingesetzt - ferngesteuert aus dem Computerraum, weit entfernt vom Kriegsgebiet. Solche Drohnen sind deutlich größer, ihre Ursprünge reichen bis zu den V1-Raketen, mit denen die deutsche Wehrmacht am Ende des Zweiten Weltkriegs London bombardierte.

          Einfache Drohnen sind schon für weniger als 100 Euro zu bekommen

          Erste zivile Anwendungen fanden Drohnen bei Filmaufnahmen, seit ein paar Jahren gibt es sie nun für jedermann im Elektronikladen zu kaufen. Möglich machte das die verbesserte Sensortechnik, die die wenige Kilogramm leichten Flugobjekte in der Luft stabilisieren hilft. Und die Verbesserung der Akkuleistung, die erst halbwegs akzeptable Flugzeiten ermöglichte.

          Mittlerweile sind einfache Drohnen schon für weniger als 100 Euro zu bekommen. Viel erwarten kann man da natürlich noch nicht. Die Aufnahmen haben eine geringe Auflösung, sind manchmal verwackelt und liefern Standbilder. Teurere Drohnen für mehr als 1000 Euro produzieren Videos in HD-Bildqualität, Live-Bilder noch während des Flugs und liegen sehr stabil in der Luft, die Aufnahmen ruckeln nicht. Manche Drohne hat auch keine Kamera eingebaut. Das sind die „Racer“, mit denen die Fans nicht filmen wollen, sondern Rennen durch alte Fabrikhallen oder ganze Stadien fliegen. Es gibt sogar richtige Wettbewerbe, etwa in der Drone Racing League (DRL). Solche Drohnen sind mit bis zu 100 Stundenkilometern deutlich schneller und viel wendiger als die mit Kameras.

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