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Konsumverhalten : Wer mit Karte zahlt, kauft mehr

Laut dem Handelsinstitut EHI haben die Geschäfte im vergangenen Jahr rund 46 Prozent ihres Umsatzes über Kartenzahlungen erzielt. Die Tendenz ist weiter steigend, was auch daran liegt, dass das Bezahlen an der Kasse immer einfacher und schneller vonstatten geht. Selbst bei Discountern können Kunden heute mit der Kreditkarte bezahlen, mit dem Smartphone oder kontaktlos mit der herkömmlichen Girocard, also ohne eine Geheimzahl einzutippen oder eine Lastschrift zu unterschreiben. Einfach die Karte vors Lesegerät halten und fertig.

Zwar müssen die Einzelhändler eine Menge Geld berappen, um die technischen Gerätschaften anzuschaffen, die fürs schnelle Bezahlen nötig sind. Doch dafür können sie künftig bei der Haltung und Entsorgung von Bargeld sparen. Zumal immer mehr Supermärkte, Tankstellen und andere Händler den Kunden anbieten, ab einem gewissen Einkaufsbetrag – in der Regel 20 Euro – auch noch kostenlos Geld abzuheben. Ein von den Läden erwünschter Effekt all der modernen Bezahlmöglichkeiten ist es, dass die Kunden mehr ausgeben.

Plastik erhöht die Zahlungsbereitschaft

Amerikanische Wissenschaftler haben beispielsweise die Zahlungsbereitschaft von Betriebswirtschaftstudenten am Massachusetts Institute of Technology getestet. Sie haben ihnen jeweils Eintrittskarten für ein eigentlich ausverkauftes Spitzenspiel der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA angeboten. In einer stillen Auktion sollten zwei Gruppen von Studenten ihre Höchstgebote abgeben.

Den Mitgliedern der einen Gruppe wurde gesagt, sie müssten bar bezahlen, die anderen konnten ihre Kreditkarte nutzen. Das Ergebnis war eklatant: Die Barzahler wollten durchschnittlich 28 Dollar fürs Ticket bezahlen; jene, denen die Kartenzahlung in Aussicht gestellt wurde, zeigten eine deutlich höhere Zahlungsbereitschaft und hätten im Schnitt 60 Dollar je Ticket berappt – also mehr als das Doppelte.

Auch Fahrgäste in Taxis haben schlagartig mehr ausgegeben, sobald sie mit Kreditkarte bezahlen konnten. Früher, als in den New Yorker Taxis nur Barzahlung möglich war, gaben sie den Fahrern im Schnitt lediglich zehn Prozent Trinkgeld. Nach Einführung der Kartenzahlung stieg das durchschnittliche Trinkgeld auf 22 Prozent. Die Taxifahrer haben sich allerdings eines kleinen Tricks bedient, damit ihre Kunden freigiebiger wurden. Ein Fahrgast, der mit Karte zahlt, konnte auf dem Lesegerät nämlich entweder eigenständig einen Betrag eingeben oder aber einen vorgeschlagenen Betrag von 20, 25 oder 30 Prozent per Knopfdruck bestätigen. Die meisten Kartenzahler entschieden sich für die einfache und schnelle Variante.

Kein Bargeld - mehr Trinkgeld

Bestätigt wird der Trend aus der Gastronomie: Auch in Restaurants fällt das Trinkgeld umso höher aus, je mehr Gäste mit Karte bezahlen. Woran liegt das? Wie die Gehirnforschung herausgefunden hat, wird stets das Schmerzzentrum im Gehirn aktiviert, wenn ein Preis ersichtlich wird und es ans Bezahlen geht. Allerdings ist der Verlustschmerz beim Geldausgeben geringer, wenn die Zahlung eher abstrakt erfolgt: also mit Karte, Smartphone oder über Online-Bezahldienste wie Paypal oder Paydirekt.

Das solchermaßen schmerzfreiere Bezahlen kann auch dazu führen, dass wir als Verbraucher ein gutes Stück Kontrolle über unsere Ernährung verlieren. Das zumindest legt eine amerikanische Studie nahe. Wissenschaftler haben 1000 Single-Haushalte ein halbes Jahr lang beobachtet und festgestellt, dass Süßigkeiten und Kuchen öfter im Einkaufswagen landen, wenn die Verbraucher nicht bar bezahlen, sondern mit der Plastikkarte.

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Die Erklärung ist, dass wir uns eher ein kleines Vergnügen gönnen, wenn wir nicht mit handfestem Geld dafür bezahlen. Das habe nicht nur Folgen für den Haushaltsetat des Einzelnen, sondern auch für die Volksgesundheit, mahnen die Forscher. Denn je mehr ungesunde Waren gekauft werden, desto größer das Risiko von Zivilisationkrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und desto höher wiederum die Gesundheitskosten. Anders ausgedrückt: Barzahler leben gesünder.

Bleibt die Frage, ob und wie bequemes Bezahlen und Selbstbestimmung vereinbar sind. Die Antwort liegt gar nicht so weit in der Zukunft: Beim mobilen Bezahlen mit dem Smartphone könnte man nach jedem Einkauf nicht nur den Bon angezeigt bekommen, sondern auch gleich den neuen Kontostand. Zwar sieht man auch dann nur Zahlen auf dem Display. Aber wer jedes Mal darauf hingewiesen wird, wie sein Geld schwindet, gibt am Ende auch besser darauf acht.

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