https://www.faz.net/-gv6-8vu9e

Amtsgericht hat entschieden : Kein Kreditbetrug trotz falschem Erzbischof

  • Aktualisiert am

Die Vatikanbank Bild: dpa

Ein angeblicher Erzbischof verspricht himmlisch günstige Millionenkredite. Ein 65-Jähriger soll bei dem Betrug mitgemacht haben, wird aber vom Amtsgericht Gießen freigesprochen. Doch auch nach dem Urteil ist eine wichtige Frage noch offen.

          1 Min.

          Ein Betrugsfall um einen falschen Erzbischof und vermeintliche Millionenkredite der Vatikanbank ist mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Das Amtsgericht Gießen sah es am Montag zwar als erwiesen an, dass Gutgläubige um ihr Geld gebracht worden sind. Doch war es nicht zweifelsfrei von der Schuld des 65 Jahre alten Angeklagten überzeugt. Dessen „abstrusen Aussagen“ hätten nicht
          widerlegt werden können, begründete die Vorsitzende Richterin das Urteil. Also hieß es „im Zweifel für den Angeklagten“. Der mutmaßliche Haupttäter in dem Fall ist derweil unauffindbar.

          Dem 65-Jährigen aus Gießen war vorgeworfen worden, im Jahr 2010 gemeinsam mit dem bislang unbekannten Komplizen die falschen Kredite angeboten zu haben. Der Unbekannte soll sich als Erzbischof und Bevollmächtigter der Vatikanbank ausgegeben haben. Zwei Kunden - Geschäftsleute mit ambitionierten Bauvorhaben - zahlten für die versprochenen Darlehen insgesamt 132 000 Euro Provision. Allerdings
          warteten sie danach vergeblich auf die erhofften 100 sowie 400 Millionen Euro.

          Der „Monsignore Kamper“

          Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses beteuert, selbst von dem vermeintlichen Kirchenmann mit dem wohl erfundenen Namen „Monsignore Kamper“ getäuscht worden zu sein. Der 65-Jährige hatte 2010 als Architekt gearbeitet. Er habe Kontakt zu dem „Monsignore“ aufgenommen, um seinen Kunden zu Krediten zu verhelfen und für sich selbst ein günstiges Darlehen erhofft.

          „Die Geschichte ist völlig absurd und abwegig und zeigt, wie geldgierig die Menschen sind“, sagte die Vorsitzende Richterin. Zu den Merkwürdigkeiten gehörten aus Sicht des Gerichts und der Staatsanwaltschaft, dass sich der „Monsignore“ nur in Hotels in Luxemburg mit den Kunden getroffen hatte. Diese sollten die Provision bar bezahlen - und wurden noch nicht einmal stutzig, als der „Monsignore“ für die sehr günstigen Millionenkredite keine Sicherheiten verlangte.

          Wo der falsche Bischof steckt, ist unklar. „Wir finden ihn nicht“, sagte die Vorsitzende Richterin. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft könnte er mit der Masche insgesamt mehr als eine Million Euro erbeutet haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Epidemiegesetz in NRW : Freifahrtschein für die Regierung Laschet?

          In Nordrhein-Westfalen plant die Koalition im Schnellverfahren ein bedenkliches Epidemiegesetz. Kritiker erinnert es an die Notstandsgesetzgebung im Kriegsfall. Die Opposition lehnt eine schnelle Verabschiedung ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.