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Wenig Hausbesitzer in Deutschland : Macht mieten arm?

Bild: Doriano Solinas/SIS

Die Deutschen haben weniger Vermögen als die Südeuropäer. Das könnte daran liegen, dass Italiener und Spanier im eigenen Heim leben.

          Die gängige Vorstellung vom reichen Norden und dem armen Süden Europas ist erschüttert: Eine Studie der Europäischen Zentralbank hat in der vergangenen Woche für Verwunderung und politische Diskussionen gesorgt. Zum ersten Mal haben amtliche Stellen europaweit in repräsentativen Umfragen das Vermögen der privaten Haushalte der Euroländer ermittelt. Heraus kam: Viele Südeuropäer besitzen mehr als die Deutschen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Italiens Privathaushalte kommen auf ein durchschnittliches Nettovermögen von 275.000 Euro, Spaniens auf 291.000 Euro und Zyperns sogar auf 671.000 Euro. Dagegen haben die Deutschen im Schnitt nur 195.000 Euro. Noch stärker ist der Unterschied, wenn man statt des Durchschnitts den sogenannten Median betrachtet - das „mittlere“ Vermögen, das die Verteilung berücksichtigt.

          Vermögensverteilung im Euroraum

          Methodisch lässt sich an der Erhebung einiges kritisieren. So stammen beispielsweise die Werte für das Immobilienvermögen in Spanien von 2008 und damit aus der Zeit vor dem Platzen der Immobilienblase. Außerdem werden die Vermögen von Haushalten betrachtet, und die bestehen in südlichen Ländern häufig aus mehr Personen als in Deutschland.

          In Spanien besitzen 83 Prozent der Haushalte mindestens ein Haus

          Eines ist gleichwohl auffällig, macht neugierig und lohnt einer genaueren Betrachtung: Der markanteste Unterschied zwischen den Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland und Südeuropa findet sich beim Besitz von Immobilien. Einem wichtigen Posten: 85 Prozent der Vermögensgegenstände aller europäischen Privathaushalte machten die Sachwerte aus, schreiben die Experten der EZB - und von diesen halten die selbstgenutzten Häuser mit 60 Prozent die herausragende Position.

          Hier aber gibt es erhebliche Unterschiede. In Spanien besitzen 83 Prozent der Haushalte mindestens ein Haus, in Italien 69 Prozent - in Deutschland aber nur 44 Prozent. Der mittlere Haushalt besitzt in Deutschland kein Haus - in vielen Ländern Südeuropas schon. Und die Mieter haben in Deutschland offenbar nicht so viel Bargeld, Sparguthaben, Aktien und sonstigen Besitz, dass dies den Wert eines eigenen Hauses ausgleichen könnte.

          Das hat vielfältige Gründe - historische, politische und ökonomische. Der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe meint, die Ursachen für die vergleichsweise hohe Zahl von Mietshäusern in Deutschland reichten zwar weit bis ins 19. Jahrhundert zurück, mit seiner überaus raschen Verstädterung. Die Tatsache aber, dass es heute in Deutschland weniger über Generationen angesammelte Privatvermögen gibt als in vielen anderen europäischen Ländern, sei ein „recht genauer Ausdruck“ der Katastrophen des 20. Jahrhunderts.

          Warum haben die Deutschen sich nach dem Krieg nicht zu einer Nation von Hauseigentümern entwickelt?

          “Es hat damit zu tun, dass Deutschland zwei Weltkriege verloren hat und die Lasten jeweils durch eine weitgehende Enteignung der Bevölkerung abtrug“, sagt Plumpe. Auch andere Länder haben dramatisch unter dem (von Deutschland verursachten) Krieg gelitten. Die doppelte Enteignung und die umfassenden Zerstörungen durch Bombenkrieg und Vertreibung aber habe es in West- und Südeuropa nicht gegeben, sagt Plumpe: „Hier finden sich auch bei einfachen Menschen Vermögenskumulationen über zum Teil sehr lange Zeiträume, insbesondere was den Immobilienbesitz betrifft.“

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