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Auslandsüberweisung : Privatpersonen und kleine Unternehmen zahlen mehr

Beim Währungsumtausch lassen sich immer noch gut Gebühren schneiden. Bild: EPA

Überweisungen außerhalb der Eurozone können sehr teuer werden. Je nach Bank variieren die Preise stark, was oftmals an den versteckten Währungsaufschlägen liegt. Bei einer Bank sind die Kosten sogar um ein Drittel gestiegen.

          "Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten", sagte der Schriftsteller Kurt Tucholsky vor rund hundert Jahren. Seitdem hat die Verflechtung immer weiter zugenommen. Ein deutscher Ingenieur arbeitet für zwei Jahre in Indonesien - zahlt sein Haus aber nach wie vor in der Heimat ab. So alltäglich solch ein Szenario mittlerweile ist, so umständlich gestaltet sich bisweilen die finanzielle Gestaltung.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Innerhalb der Eurozone können Verbraucher dank Sepa ihr Geld schnell und günstig - in der allermeisten Fällen kostenfrei - überweisen. Das gilt jedoch nicht für Überweisungen außerhalb der Eurozone. So variieren die Kosten für Privatpersonen stark, je nachdem welche Bank die Überweisung abwickelt. Wer etwa 1000 Euro von Deutschland in Nicht-Euro-Staaten überweist, zahlt bei der Commerzbank im Schnitt insgesamt rund 45 Euro, bei der Sparkasse 25,50 Euro, bei Western Union 22 Euro, bei der Deutschen Bank rund 22 Euro und bei der Postbank 21 Euro. Das hat eine Studie des britischen Marktforschungsunternehmens Consumer Intelligence im Auftrag des Zahlungsdienstleisters Transferwise ermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gesamtkosten um bis zu 29 Prozent angestiegen, wie etwa bei der Commerzbank. Im Schnitt stiegen die Kosten der fünf größten Anbieter in Deutschland aber nur um rund 3 Prozent. Dafür sorgte unter anderem der Anbieter Western Union, eine der teuersten Anbieter, dessen Kosten um rund 13 Prozent gesunken sind.

          Fehlende Transparenz in Kostenübersicht

          "Was die Kunden nicht sehen, ist der Wechselkursaufschlag ", sagt Kristo Käärmann, Chef des britischen Fintechs Transferwise, im Gespräch mit der F.A.Z. Zwar weisen die meisten Anbieter die Gebühren offen aus. Was den Kunden jedoch nicht ersichtlich wird, ist, was sie für den Wechselkursaufschlag indirekt zahlen. Dadurch werden die Kosten selbst bei vergleichsweise geringen Gebühren nach oben getrieben. Das Problem dabei ist die fehlende Transparenz. Nutzer sehen nur den Wechselkurs, den die Anbieter nutzen - nicht aber den offiziellen Referenzwert. Diese beiden Werte unterscheiden sich mitunter aber sehr stark voneinander, was zu den großen Differenzen führt. Zwar begründen Banken ihre hohen Kosten immer wieder mit ihrer IT-Infrastruktur, sagt Käärmann. Eine gute Ausrede für die hohen Kosten sei das jedoch nicht. Mittlerweile sei es für viele Banken aber kostengünstiger, mit Fintechs zusammenzuarbeiten, um nicht das gesamte System umstellen zu müssen.

          Neben den großen Finanzinstituten tummeln sich aber schon längst auch Fintechs wie Transferwise, Moneygram, Azimo oder Transfergo auf dem Markt für Auslandsüberweisungen. Sie werben unter anderem mit günstigeren Konditionen gegenüber anderen Banken. Aber auch hier gibt es deutliche Unterschiede. Empfänger von Azimo, Transferwise und Transfergo erhalten bei einer Sofortüberweisung in etwa 920 Pfund (rund 990 Euro), wenn ein Betrag von 1000 Euro überwiesen wird. Wird der gleiche Betrag von Moneygram überwiesen, erhält der Empfänger nur jeweils 889 Pfund (rund 960 Euro).

          Schnelle Überweisungen kosten doppelt

          Auch zahlen Kunden, die ihr Geld schneller verschicken wollen, tendenziell mehr. Wer bei dem Überweisungsdienstleister Transfergo etwa drei Tage auf sein Geld warten kann, muss keinerlei Gebühren zahlen. Für das Versenden innerhalb von 30 Minuten wird dagegen eine Gebühr von rund 3 Euro fällig. Es steigen aber nicht nur die Gebühren im Gleichtakt mit der Geschwindigkeit. Denn je schneller der Betrag überwiesen werden soll, desto unvorteilhafter wird auch der Wechselkurs für den Kunden.

          Von solchen Preisdifferenzen sind nicht nur Privatpersonen betroffen, sondern auch kleinere Unternehmen. Die Genfer School of Economics and Management hat in einer für die EZB durchgeführte Studie das Thema beleuchtet und kam zu dem Schluss, dass der Großteil aller kleineren Unternehmen durchschnittlich 0,5 Prozent für Währungstransfers zahlten, während größere Unternehmen im Schnitt nur 0,02 Prozent zahlten. In einigen Fällen ging die Preisdiskriminierung sogar so weit, dass die Raten für kleine Unternehmen bis zu 25 mal so hoch waren wie für größere Unternehmen. Die Preisunterschiede variieren den Studienautoren zufolge systematisch mit dem Kenntnisstand der Kunden. Aufgrund dieser Preisdiskriminierung hätten Banken rund 638 Millionen Euro verdient.

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