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Finanzielle Altersabsicherung : Ist Riester doch noch zu retten?

Für Einführung von Standardprodukten ausgesprochen

In der Politik gibt es Vorbehalte gegen Lachs Vorstoß. „Die Doppelerhebung von Daten ist ein Problem. Ich habe viel dafür übrig, Komplexität herauszunehmen“, sagt Anja Karliczeck, in der CDU-CSU-Bundestagsfraktion für die Altersvorsorge zuständiges Mitglied im Finanzausschuss. Doch zu starke Vereinfachungen könnten zu Klagen vor Gericht führen, weil sie nicht zur Systematik der Förderung passen würden. Einkommensteuer- und Sozialrecht hingen an so vielen Stellen miteinander zusammen, dass man eine gewisse Komplexität in Kauf nehmen müsse. „Das ist die Grundlage des Staates, das müssen wir den Leuten immer wieder erklären“, sagt Karliczek.

Bild: F.A.Z.

Immerhin stehe im Zuge der Betriebsrentenreform ein Durchbruch bevor, die Fördersätze zu erhöhen und die Anrechnung von geförderten Privatrenten auf die Grundsicherung im Alter zurückzunehmen. Ein Ende der Zulagenstelle und eine Übertragung der Aufgaben auf die Finanzämter sehe sie skeptisch, da für diese die 16 Bundesländer zuständig sind und ein Ausgleich schwierig werden könnte.

Fundamentaler sind die Bedenken von Ralf Kapschack, für die SPD-Fraktion Mitglied im Sozialausschuss. „Riester-Verträge haben die Renditeerwartungen alles andere als erfüllt. Nur mit Riester kommt man deshalb nicht weiter“, sagt er. Komplexität habe Sozialministerin Andrea Nahles herausnehmen wollen, indem sie sich für die Einführung von Standardprodukten ausgesprochen habe. Dagegen habe sich die Branche gestemmt. „Ich habe nichts dagegen, Dinge zu vereinfachen, bin aber skeptisch, ob man so zu einer größeren Verbreitung kommen kann“, sagt er. Vielversprechender sei es, mehr über die Betriebe vorzusorgen.

„Riester wurde perfekt in die Logik des Staates eingepasst.“

Der Versichererverband GDV dagegen kann dem Vorschlag der DVAG, die kein Verbandsmitglied ist, einiges abgewinnen. Bei der Ermittlung der Kinderzulagen werde viel Geld verbrannt, beklagt Peter Schwark, Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung. Dies könne verhindert werden, indem Zulagen erst gewährt würden, nachdem die Prüfung abgeschlossen ist. Auch die Ausweitung der Förderung auf alle Erwerbstätigen begrüßt er.

Alle Zulagen müssten so ausgestaltet sein, dass sie automatisch fließen, ohne dass Sparer sie jedes Jahr beantragen müssen, fordert Martin Klein, Geschäftsführer von Votum, dem Verband der unabhängigen Finanzdienstleistungsunternehmen in Europa. „Hier wäre eine Abwicklung über die Finanzämter das Mittel der Wahl“, sagt er. DVAG-Manager Lach freut sich über die Unterstützung. Zu den Bedenken der Politiker sagt er: „Riester wurde perfekt in die Logik des Staates eingepasst. Als Praktiker finde ich: Die Passgenauigkeit kann nicht wichtiger als das Ziel einer besseren Altersvorsorge der Bevölkerung sein.“

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