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Altersvorsorge : Weniger Pension für deutsche Bankbeschäftigte

Die fetten Jahre sind vorbei: Junge Beschäftigte müssen sich auf geringere Betriebspensionen einstellen. Bild: Claus Setzer

Eine große deutsche Pensionskasse für Finanzbeschäftigte will die Renten aus künftigen Beiträgen kürzen. Das Beispiel könnte Schule machen.

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          Die nach eigenen Angaben größte Pensionskasse in Deutschland steht nach Informationen der F.A.Z. vor gravierenden Einschnitten. Die BVV Versorgungskasse des Bankgewerbes e.V. plant, auf ihrer ordentlichen Mitgliederversammlung am 24. Juni im Hotel Intercontinental in Berlin eine tiefgreifende Änderung der sogenannten Leistungspläne beschließen zu lassen. Das würde für junge Beschäftigte deutlich geringere Ansprüche auf Betriebspensionen bedeuten.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hintergrund sind die Niedrigzinsphase und die damit verbundenen geringeren Erträge der Pensionskasse. „Die Kapitalmärkte haben sich in den letzten Jahren strukturell verändert“, schreibt die Einrichtung in der Einladung zur Mitgliederversammlung, die der F.A.Z. vorliegt. „Die erzielbaren Erträge sind gravierend gesunken, die Kursschwankungen haben dagegen deutlich zugenommen.“ Regelmäßige und planbare Erträge auf einem Niveau, zu dem die Verpflichtungen des BVV zwingen, ließen sich kaum noch erzielen, schreibt die Institution ihren Mitgliedern.

          Weniger Renten als bisher vereinbart

          Deshalb schlage die Pensionskasse ihnen vor, die aus zukünftigen Zuwendungen resultierenden Zinsverpflichtungen für die Kasse zu reduzieren. Das betreffe die Leistungspläne mit einem kalkulatorischen Rechnungszins von 4 Prozent. Das sind also offenbar nicht alle, aber doch eine erhebliche Größenordnung.

          Die Ankündigung soll heißen: Anwartschaften auf Rentenzahlungen, die in der Vergangenheit erworben wurden, bleiben bestehen – hingegen sollen die Kunden der Pensionskasse mit den entsprechenden Verträgen für die künftigen Einzahlungen („Zuwendungen“) im Alter weniger Rente erhalten, als sie bislang eingeplant haben und als vereinbart war. Stichtag für die Veränderungen soll der 1. Januar 2017 sein.

          „Durch die Absenkung der Rentenfaktoren verringert sich die Rentenleistung, resultierend aus Zuwendungen, die nach dem 1. Januar 2017 gezahlt werden, um 24,01 Prozent“, schreibt die Pensionskasse. Es soll also fast ein Viertel weniger Rente für die betroffenen Bankmitarbeiter geben, zumindest was die künftigen Einzahlungen betrifft. Oder, umgekehrt, müssten die Versicherten laut Pensionskasse künftig 31,6 Prozent mehr einzahlen, als sie geplant hatten, um das ursprünglich angestrebte Rentenniveau zu halten und die Differenz künftiger Leistungen vollkommen auszugleichen.

          Rente fällt erheblich niedriger aus

          Ein Beispiel: Gab es in der Vergangenheit in einem bestimmten Vertragstyp für 100 Euro Einzahlung einen Rentenbaustein in Höhe von 11,45 Euro, so entsteht in Zukunft nur noch ein Rentenbaustein über 8,70 Euro. Das macht sich in einer niedrigeren Rente bemerkbar. Denn aus der Summe dieser Rentenbausteine setzt sich am Ende die Rente zusammen, die der Versicherte von der BVV erhält. Die Rente fällt also erheblich niedriger aus, wenn der Versicherte seine Einzahlungen nicht aufstockt. Es heißt, dass sich die Rente höchstens um ein Viertel reduziert, weil die Kunden ja auch in der Vergangenheit schon Geld eingezahlt hatten, auf das sich die Absenkung nicht auswirkt.

          Wie aus Finanzkreisen zu erfahren war, soll es zwischen der Pensionskasse und den Großbanken schon eine Verständigung darüber gegeben haben, dass Vertreter von diesen die Entscheidung auf der Mitgliederversammlung mittragen. Deshalb soll die Zustimmung der Mitgliederversammlung zumindest sehr wahrscheinlich sein.

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