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Ratschläge zur Rente : Riestern kann sich lohnen

Um die Sicherheit des Geldes muss sich der Kunde trotz des kleinen, unbekannten Anbieters wenig Sorgen machen. Bild: dpa

Es gibt derzeit vier Anbieter von Riester-Fonds: Doch welche Variante sollte man auswählen? Eine Variante ist dabei besonders verführerisch.

          Eigentlich ist eine private Altersvorsorge, die der Staat mit Zulagen aufstockt, eine feine Sache. Denn der Sparer kassiert doppelt. Die Riester-Rente ist ein solches Produkt. Doch seit Jahren ist ihr Ruf ramponiert. Erst galt sie als zu kompliziert. Dann knöpften sich vor allem die Verbraucherschützer die hohen Kosten vor, die angeblich alle Zulagen auffräßen. Und zuletzt gaben die rekordtiefen Zinsen der Riester-Rente den Rest. Resultat: Immer weniger Menschen schließen sie ab, und einige, die schon eine haben, kündigen sie sogar. Die Gesamtzahl der Riester-Verträge fällt, statt weiter zu steigen. 16,6 Millionen sind es noch.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch unbemerkt davon hat sich auch eine Erfolgsgeschichte ereignet. Denn Riester ist nicht gleich Riester. Es gibt Riester-Versicherungen, Riester-Banksparpläne, die Riester-Immobilienförderung und – Riester-Fonds. Letztere haben sich völlig abgekoppelt vom Abwärtstrend der großen Masse: Nach den jüngst verfügbaren Zahlen aus dem ersten Quartal haben rund 3,2 Millionen Menschen einen Riester-Fonds, so viele wie noch nie. Die Zahl steigt jedes Jahr an, vor zehn Jahren waren es erst 2,4 Millionen. Der negative Ruf kommt von den Riester-Versicherungen, die die meisten abgeschlossen haben. Ihre Zahl sinkt seit 2014, derzeit sind es noch 10,8 Millionen. Sie leiden am stärksten unter den niedrigen Zinsen und haben oft hohe Kosten. Hier ist derzeit nicht immer gesichert, dass die Versicherungen nach Abzug der Kosten überhaupt spürbare Wertzuwächse verbuchen.

          Die Riester-Fonds profitieren dagegen von dieser Schwäche der anderen. Sie können am stärksten in Aktien investieren und haben damit die besten Renditechancen. Seit 2002 erzielten Kunden, die noch mehrere Jahrzehnte bis zur Rente haben, teilweise mehr als sieben Prozent im Jahr – ohne Zulagen, die besonders bei Familien mit mehreren Kindern hoch sind. Rechnet man die mit ein, können die Renditen sogar zweistellig werden.

          Riester-Fonds können zu Rentenbeginn keine Verluste gemacht haben

          Gerade in Niedrigzinszeiten heben sich die Riester-Fonds damit von den anderen Riester-Produkten positiv ab, die sich auf sichere und damit derzeit kaum verzinste Anlagen oder auf Immobilien fokussieren. Allerdings ist auch bei Riester-Fonds die Freude nicht ungetrübt. Da sie per Gesetz die eingezahlten Beiträge und ausgezahlten Zulagen des Staates zum Beginn des Ruhestandes garantieren müssen, sind sie vorher gezwungen, einen Teil der Beiträge in sichere, aber kaum verzinste Anlagen zu investieren. Nur der verbleibende Rest kann in Aktien fließen. Riester-Fonds können also zu Rentenbeginn keine Verluste gemacht haben. Das ist beruhigend, aber es kostet Rendite im Vergleich zu normalen, ungeförderten Aktienfonds.

          Riester-Fonds sind Dachfonds. Das heißt, die Anbieter legen die Beiträge und Zulagen in anderen Fonds an, die in der Regel aus dem eigenen Haus kommen. Sie kaufen zum einen Aktienfonds, die weltweit anlegen. Der sichere Teil wird über Anleihefonds abgedeckt. Nach dem Wechsel in den Ruhestand darf der Kunde bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals entnehmen. Der Rest bleibt zum Teil in Aktien angelegt und rentiert sich daher auch in der Auszahlphase besser als Versicherungen. Ein Teil wird fortlaufend verkauft, um die monatliche Rente zu finanzieren. Vom 85.Lebensjahr an bis zum Tod übernimmt die Rentenzahlungen eine Versicherung, mit der die Fondsgesellschaft kooperiert.

          Es gibt derzeit vier Anbieter von Riester-Fonds: Marktführer Union Investment (die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken), die DWS (Deutsche Bank), die Deka (Sparkassen) und der Nischenanbieter Fairr.de. Sie treten mit Anlagekonzepten an, die sich in Rendite und Kosten unterscheiden.

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