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Vollmacht, Patientenverfügung & Co. : Die Angst vor Entmündigung

  • -Aktualisiert am

Besser rechtzeitig vorsorgen Bild: dpa

Vollmacht, Testament, Patientenverfügung: So stellen Sie sicher, dass Ihr Wille auch im Alter respektiert wird. Wer zu lange zögert, kann böse Überraschungen erleben.

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          Fast ihr ganzes Leben haben Martha und Otto Simmerl geteilt. Eiserne Hochzeit haben sie sogar gefeiert. Doch am Ende war sie nicht mehr die Richtige für ihn - so fand jedenfalls das Gericht. Als ihr Mann einen Schlaganfall erlitt, bestellte die Behörde einen Betreuer, der von nun an über die medizinische Behandlung und die Familienfinanzen verfügte. Die Begründung: Martha Simmerl sei immerhin schon 85 und gesundheitlich selbst nicht mehr auf der Höhe. Und die übrigen Familienangehörigen lebten zu weit weg. Familie Simmerl war geschockt. Sie heißt in Wirklichkeit anders und legte Widerspruch gegen die Fremdbetreuung ein, deshalb möchte sie ihren richtigen Namen lieber nicht nennen. Dasselbe könnte aber jeder Familie passieren. Viele haben Angst vor so einer Form von Entmündigung.

          Wenn ein Mensch zum Betreuungsfall wird, müssen die Gerichte entscheiden, wer in seinem Namen künftig handeln darf und wer damit über das finanzielle und persönliche Wohl des Betroffenen bestimmt. Wer von ihnen eingesetzt wird, urteilt dann darüber, wie medizinisch weiter behandelt wird, ob der Betreute künftig in einem Heim untergebracht wird und ob Immobilien und Wertpapiere verkauft werden müssen, um das zu finanzieren. Rund 240.000 Betreuungsverfahren klären die Gerichte pro Jahr. Zu über 90 Prozent setzen sie selbst denjenigen fest, der die Betreuung übernimmt, und in jedem vierten Fall wählen sie dafür völlig Fremde aus, die nichts mit der Familie zu tun haben.

          „Es gibt viele Gerichte, die übermäßig beschützend denken und im Zweifel lieber einen Berufsbetreuer bestellen als einen Familienangehörigen“, beobachtet Sonja Hecker, Geschäftsführerin der Deutschen Vereinigung für Vorsorge- und Betreuungsrecht (DVVB). Manche Gerichte suchen auch gar nicht groß, ob es überhaupt Angehörige gibt, sagen Brancheninsider. Nur in jedem zehnten Fall wissen die Gerichte, was der Betreute selbst gewollt hätte und wen er zu seinem Bevollmächtigten erklärt hat, weil er nämlich früh genug vorgesorgt hat - mit einer Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht. Liegt eine solche Willenserklärung vor, dann müssen sich die Gerichte auch daran halten und die genannten Personen einsetzen.

          Zumindest wenn die Richter keinen Zweifel an der Vollmacht haben. Wer also sichergehen will, sollte das Schreiben mit einem Anwalt aufsetzen oder gleich mit einem Notar. Zwar kann auch jeder selbst eine Vollmacht verfassen, indem er formlos ein paar Sätze auf Papier festhält. Es gibt auch Formulare im Internet etwa vom Bundesjustizministerium. „Aber wir raten immer zu einer Beurkundung vorm Notar“, sagt Michael Gutfried, Leiter des Zentralen Vorsorgeregisters der Bundesnotarkammer. In seiner Auskunftsstelle sind rund 2,5 Millionen Vollmachten eingetragen, und dort fragen die Gerichte immer an, ob es eine Willensbekundung des Betroffenen gibt. Für ein paar Euro kann sich dort jeder eintragen lassen, der eine Vollmacht aufgesetzt hat. „Der Vorteil beim Notar: Man kann sicher sein, dass der Inhalt rechtssicher formuliert ist und man eine individuelle Beratung bekommt“, sagt Gutfried, „außerdem wird die Notarvollmacht überall anerkannt. Der Notar stellt fest, dass der Unterzeichner bei Unterschrift voll geschäftsfähig war.“ Vor allem Banken stellen sich sonst bei einfachen Vollmachten ganz schön an. Sie verlangen, dass der Betroffene ein Bankformular unterzeichnet, bevor sie jemanden das Konto weiterführen lassen. Doch wie soll jemand das machen, wenn er nach einem Schlaganfall weder reden noch schreiben kann?

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