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Verkauf an Finanzinvestoren : Hilfe, meine Lebensversicherung ist weg!

Der Ergo-Konzern aus Düsseldorf will sechs Millionen Lebensversicherungen loswerden. Unter den Verbrauchern macht sich Unsicherheit breit. Bild: Edgar Schoepal

Ergo, Generali & Co. verkaufen die Lebensversicherungen ihrer Kunden an Finanzinvestoren. Was müssen Verbraucher jetzt wissen?

          5 Min.

          Wer eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte, konnte sich viele Jahre lang auf seinen Versicherer verlassen. Regelmäßig zum Jahresende bekam der Besitzer seine sogenannte Standmitteilung zugesandt, in der er informiert wurde, wie sich der Wert seiner Lebensversicherung entwickelt hat und mit welchen Überschüssen er in Zukunft rechnen kann. Alles ging seinen gewohnten Gang. Wie trügerisch diese Ruhe war, das konnte der Kunde nur erahnen, wenn er in den Medien verfolgte, wie sehr die Versicherungskonzerne unter den vielen alten Policen mit langfristig teuren Zinsgarantien litten.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was nun allerdings geschieht, hat kaum jemand vorausgesehen. Plötzlich kündigt ein Versicherungskonzern nach dem anderen an, Millionen klassischer Lebensversicherungspolicen verkaufen zu wollen. Generali will sich von vier Millionen Verträgen trennen, sechs Millionen will der Ergo-Konzern loswerden, Axa erwägt ebenfalls einen Verkauf von Verträgen an eine sogenannte Abwicklungsplattform.

          Damit sorgen die Versicherungen für Verunsicherung unter ihren Kunden, die beim schwungvollen Handel mit ihren Verträgen überhaupt nicht gefragt werden. Von einem „Erdbeben in der deutschen Lebensversicherung“ spricht der Bund der Versicherten (BDV) höchst empört, weil sich große Konzerne aus der Verantwortung stählen und der Deutschen liebstes Anlageprodukt an Firmen verscherbelten, die sich überwiegend in den Händen ausländischer Finanzinvestoren befinden. Klingt schlimm. Aber ist es das auch?

          Schritt macht aus Sicht der Versicherer Sinn

          Aus Sicht der Versicherer ergibt eine Abwicklung alter Verträge, im Branchenjargon Run-off genannt, Sinn. Schließlich tun sie sich in Zeiten von Niedrigzinsen schwer, ihre einst gegebenen Zinsversprechen von bis zu vier Prozent zu halten. Dieses Geld, das sie in besseren Zeiten ein Sparerleben lang garantierten, können die Konzerne heute kaum noch erwirtschaften. Außerdem müssen die Versicherer inzwischen strengere Aufsichtsvorschriften erfüllen. Die EU-Richtlinie namens „Solvency II“ schreibt vor, dass Versicherungskonzerne für die Verträge sehr große Eigenmittel vorhalten müssen. Diese Vorschrift soll davor schützen, dass der Versicherer im Krisenfall vom Staat gerettet werden muss.

          Aber was ist mit dem Kunden? Muss er sich, wie Verbraucherschützern warnen, vor den Abwicklern fürchten, weil sie ihm künftig schlechtere Konditionen bieten als der vertraute Versicherer?

          Zunächst bleibt alles beim Alten. Die Lebensversicherung ist sicher, die garantierten Leistungen bleiben unter dem neuen Versicherungsverwalter unverändert bestehen, auch mit den bislang erzielten Überschüssen kann jeder Versicherte rechnen. Andernfalls würde die zuständige Aufsichtsbehörde Bafin einen Verkauf von Lebensversicherungen gar nicht genehmigen. Wie intensiv die Bafin prüft, hat der erste größere Fall gezeigt, mit dem sie es zu tun bekam. Fast eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis sie den Verkauf von Basler Leben an die Abwicklungsplattform Frankfurter Leben zustimmte.

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