https://www.faz.net/-hbv-8g88n

Altersvorsorge : Riester ist besser als sein Ruf

Gelassenheit im Alter muss man sich leisten können: Zwei Spaziergänger mit Hund im Norden Frankfurts Bild: dpa

Eine Untersuchung für die F.A.Z. zeigt: Ganz im Gegensatz zur geballten Kritik an der staatlich geförderten Altersvorsorge werfen Riesterverträge eine ordentliche Rendite ab.

          2 Min.

          Die Riester-Rente hat einen schweren Stand. Das ist schon seit der Einführung der staatlich geförderten Zusatzrente so. Zuerst verlief der Verkauf so schleppend, dass Kritiker schon frühzeitig unkten. Als mehr Verträge abgesetzt wurden, schossen sie sich auf die angeblich dubiosen Finanzvertriebe ein, die von den hohen Provisionen profitierten. All diese Kritikpunkte mündeten in der vergangenen Woche in das Verdikt Horst Seehofers, die Riester-Rente sei gescheitert. Das vernichtende Urteil des CSU-Vorsitzenden bestimmt seither die Rentendebatte in Berlin.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Angesichts solch scheinbar unumstößlicher Aussagen lohnt es sich, Zahlen sprechen zu lassen. Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung bei Nürnberg hat sich für diese Zeitung 1275 Riester-Verträge angeschaut, die schon in der Auszahlungsphase sind. Das Spektrum reicht von Rentenversicherungen über Fonds bis zu Banksparplänen, ausgenommen sind Wohn-Riester-Verträge, weil ihr Erfolg monetär schwerer zu erfassen ist. Das private Institut hat die Vertragsdaten anonym ermittelt und auf ihre Rendite hin untersucht.

          Immer wieder heißt es, die hohen Abschlusskosten zehrten die Rendite auf. Zudem beschweren sich Kritiker darüber, dass sie durch ungünstige Sterbetafeln erst im hohen Alter rentabel sind. Gemessen an dieser geballten Kritik, kommen die Verträge mit 3,64 Prozent jährlicher Rendite nach Steuern – und dies bis zum Lebensende jedes durchschnittlich alt werdenden Kunden – ordentlich weg. „Riester ist eine solide Lösung, die das Langlebigkeitsrisiko absichert“, sagte Instituts-Geschäftsführer Michael Hauer dieser Zeitung.

          Das Ergebnis ist nicht zu übertragen auf Verträge, die später abgeschlossen worden sind, weil diese viel stärker von der derzeitigen Niedrigzinsphase belastet werden. Zudem ist die Bandbreite der Renditen sehr groß. Aber negative Erträge hat kein einziger eingefahren. „Durch die Niedrigzinsphase werden künftig die Erträge schwächer ausfallen, aber die Ergebnisse sind lange nicht so schlecht, wie es getan wird“, sagte Hauer.

          Konservative Annahmen für Lebenserwartung

          Für seine Untersuchung hat das Institut Verträge verschiedene Anbieter zugrunde gelegt. Für die Lebenserwartung der Kunden hat sie konservativere Annahmen getroffen, als sie üblicherweise in Versicherungsverträgen enthalten sind. Sie entspricht den derzeit realistischen Werten für die Langlebigkeit.

          Werden die Kunden sogar so alt wie von den Versicherungsunternehmen unterstellt, fällt die Rendite jedes einzelnen Vertrags sogar noch höher aus. Dass die Riester-Produkte so gestaltet sind wie die gesetzliche Rente – nämlich eine monatliche Auszahlung bis zum Lebensende garantieren –, hält Hauer, der häufig Analysen für die Finanzbranche macht, für die große Stärke der Verträge. „Der Rentner bekommt – egal, wie alt er wird – bis zum ,bitteren Ende‘ eine Rentenzahlung“, betonte er.

          Vier von zehn haben ein Riester-Produkt

          Ob Riester gescheitert ist, lässt sich nicht nur an den Renditen der Verträge ermessen, sondern auch an der Verbreitung. Nur etwa vier von zehn förderberechtigten Personen haben ein Riester-Produkt abgeschlossen. „Wenn man damals von 80 Prozent ausgegangen ist, mag das eine Enttäuschung sein“, gestand Hauer zu.

          Doch gegen den Widerstand der Öffentlichkeit hatte der Gesetzgeber es nicht durchsetzen können, einen Abschluss verpflichtend zu machen. Insofern ist es eine freiwillige Entscheidung, ob man einen Vertrag abschließt. „Es war die Erwartung, dass die Menschen vernünftig sind“, sagte Hauer.

          Gemessen an der Rendite, seien zumindest diejenigen vernünftig gewesen, die derzeit eine monatliche Zusatzrente aus einem Förderprodukt beziehen. Und bezieht man das hohe Alter vieler Ruheständler ein, sehen die Ergebnisse noch komfortabler aus: 28 Prozent der heute 65 Jahre alten Personen würden älter als 90. „Für jeden Vierten ist die Absicherung also noch höher“, sagte Hauer. Leidtragende sind nur die, die sehr früh sterben – wie in der gesetzlichen Rente.

          Weitere Themen

          Anleger warten gespannt auf Berichtssaison

          Börsenwoche : Anleger warten gespannt auf Berichtssaison

          Nach der Rekord-Rally in der vergangenen Woche hat sich die Börse in den vergangenen Tagen erst einmal in Wartestellung begeben. Marktteilnehmer blicken nun gespannt auf die anstehenden Geschäftszahlen wichtiger amerikanischer Unternehmen.

          Lösung für Osteuropas Franken-Altlast

          FAZ Plus Artikel: Fremdwährungskredite : Lösung für Osteuropas Franken-Altlast

          Als die Schweizer Nationalbank 2015 die Franken-Bindung an den Euro kappte, erzitterten die internationalen Finanzmärkte. Auch Häuslebauer in Osteuropa erlebten ein Debakel wegen ihrer Franken-Kredite. Jetzt zeichnet sich ein ungewöhnlicher Kompromiss zwischen den Banken und der kroatischen Regierung ab.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und Generalsekretär Paul Ziemiak beim digitalen Parteitag der CDU am Freitagabend.

          CDU-Parteitag : Die Kanzlerin spart sich das Lob

          Zu Beginn des CDU-Parteitags gibt es viel Schulterklopfen für die scheidende Vorsitzende Kramp-Karrenbauer – nur Angela Merkel spricht lieber über ihre eigenen Leistungen. Und Markus Söder vom spannenden Aufstieg.
          Trauer allerorten: In Brasielien nehmen die Totenzahlen zu.

          Chaos in Manaus : Brasilien von tödlicher Corona-Welle getroffen

          Den Krankenhäusern in Brasiliens Amazonas-Metropole Manaus geht der Sauerstoff aus. Schwerkranke Patienten werden nun per Charter-Maschine ausgeflogen. Und auch landesweit schnellen die Todeszahlen in die Höhe.
          Freundinnen: Luisa und Sophie wohnen zusammen in Frankfurt. Beide verdienen Geld mit Pornovideos, die sie selbst aufnehmen.

          Studentin in Geldnot : Pornos drehen für den Master

          Luisa besucht eine Hochschule im Rhein-Main-Gebiet und verkauft Sexvideos, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sagt, das fühle sich dreckig an. Doch der Geldmangel habe sie dazu getrieben, und andere Nebenjobs sind ihr zu zeitaufwendig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.