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Stornoquote von rund 3 Prozent : Weniger Verbraucher kündigen Lebensversicherungen

Eine niedrige Kündigungsquote muss kein Ausweis für eine besonders bedarfsgerechte Beratung sein. Bild: dpa

Die Stornoquote bei den Lebensversicherungen ist im vergangenen Jahrzehnt kontinuierlich zurückgegangen. Versicherer wie Targo, Deutsche Lebensversicherung und die Rheinland Versicherung schneiden gegen den Trend nicht so gut ab.

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          Es gibt wenige Berufsgruppen, die nach erbrachter Leistung fünf Jahre oder länger warten müssen, bis sie die dafür gezahlte Vergütung komplett einstreichen können. Für Versicherungsvermittler ist es so, wenn sie eine Lebensversicherung an ihre Kunden vermitteln. Das Instrument dafür nennt sich Stornohaftzeit und schafft einen Anreiz, bedarfsgerecht zu beraten. Das reichte dem Gesetzgeber nicht aus, und so verpflichtete er die Versicherungsbranche im Jahr 2014, die Provisionen stärker auf die Laufzeit des Vertrags zu verteilen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Insofern unterliegen Vertreter und Makler dem Berufsrisiko, dass es sich Verbraucher irgendwann anders überlegen, sie einen Vertrag ruhenlassen oder gar vorzeitig kündigen. Sie haben damit einen Anreiz, nur Policen zu vermitteln, die zur Lebenssituation passen. Doch trotzdem kann ein unvorhergesehener Finanzbedarf entstehen, zum Beispiel wenn sich Partner scheiden lassen oder ein Hausbau teurer wird als erwartet. So kann es keinem Versicherer gelingen, eine Stornoquote von null Prozent zu erreichen. Immerhin weist der Branchenverband GDV für das Jahr 2018 aber eine Quote von 2,6 Prozent der Verträge aus – niedrigster Wert seit langem.

          Genauere Analysen lassen sich aus den Daten des Branchendienstes Map-Report ziehen, wie es nun das Fachmagazin „Versicherungsjournal“ gemacht hat. Demnach ging die Quote in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich zurück. Der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre lag bei rund 3 Prozent, nach den Map-Daten ermittelt sich ein Wert von 2,7 Prozent im vergangenen Jahr. Der Durchschnitt verdeckt die enorme Spannbreite. So gibt es Versicherer mit Quoten von mehr als 8 Prozent wie die Targo, Deutsche Lebensversicherung und die Rheinland Versicherung. Auf einen Wert von sogar 16,7 Prozent kommt die Mylife, allerdings werden in diese Statistik auch die umstrittenen Restschuldversicherungen eingerechnet, die durch den Abschluss neuer Kredite umgeschrieben werden. Eine hohe Quote kann also auch auf solche technischen Gründe zurückgeführt werden. Zudem gelten jüngere Versicherer als anfälliger für Stornierungen als etablierte, weshalb sie häufig auf höhere Quoten kommen.

          Im Gegenzug muss eine sehr niedrige Quote kein Ausweis für besonders bedarfsgerechte Beratung sein. Werte unterhalb von 1,2 Prozent weisen die Hannoversche, WGV, Familienfürsorge und die Europa aus. In der Gruppe der besten zehn Versicherer finden sich eine Reihe Unternehmen, die vor allem Risikolebensversicherungen verkaufen. Diese werden schon deshalb seltener gekündigt, weil die Verträge geringere Volumina haben. Außerdem verzichten Verbraucher weniger gern auf einen Todesfallschutz für die Familie als auf eine umfangreiche Altersvorsorge.

          Aufschlussreich sind die Werte vor allem mit Blick auf die großen Marktteilnehmer, die ein sehr umfassendes Portfolio an Policen haben. Unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen Marktführer Allianz (an erster Stelle), Debeka, Axa, R+V, Württembergische, Ergo und HDI. Werte von mehr als 3 Prozent und damit schlechter als das Branchenmittel weisen die Generali, Nürnberger und die Aachen Münchener (ebenfalls eine Generali-Gesellschaft) auf. Mit 3,8 Prozent hat die Zurich, die einen Großteil ihrer Policen über die Bankschalter der Deutschen Bank vertreibt, den schlechtesten Wert der Branchengrößen.

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