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Sozialpartnermodell : Neuer Schwung für Betriebsrenten

Mehr Geld? Beschäftigte sollen mit der neuen Betriebsrente besser für den Ruhestand vorsorgen können. Bild: dpa

Erste Unternehmen und Belegschaften wagen sich an das neue Sozialpartnermodell ohne Zinsgarantie. Wann regt sich die erste große Gewerkschaft?

          4 Min.

          Die Betriebsrentenreform liegt gerade eineinhalb Jahre zurück. Doch die ersten Kritiker bezeichnen sie schon als Rohrkrepierer. Sie erkennen an, dass sie einige attraktive Fördermittel enthält, um Geringverdienern eine Betriebspension zu ermöglichen. Doch den vermeintlich großen Wurf, das Sozialpartnermodell, in dem Arbeitgeber nur noch zusagen, einen Beitrag abzuführen, misst man bislang noch in Zentimetern. Die Chance, durch ein Garantieverbot eine ertragreichere Kapitalanlage ohne Risiko für die Unternehmen aufzubauen und damit wie im Nachbarland Niederlande höhere Leistungen zu erhalten, wurde bislang noch nicht ergriffen. Momentan bremsen die Gewerkschaften.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Nun aber kommt Bewegung ins System. Die ersten zwei Unternehmen sind fest entschlossen, mit ihren Belegschaften einen Haustarifvertrag zu schließen, mit dem sie ein solches Sozialpartnermodell schaffen. „Wir sind kurz davor, ein Modell abzuschließen“, sagte Andrea Kocsis, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, am Donnerstagabend in Berlin. Ein Versicherungsunternehmen mit 5000 Mitarbeitern wolle so Betriebsrenten für seine Belegschaft bereitstellen.

          Auch die Gespräche mit einem Unternehmen aus dem Umfeld der Luftfahrtindustrie kämen voran. Diese Vorhaben haben den Charakter von Pilotprojekten, die zeigen, dass die neue Systematik funktioniert. In der Versicherungswirtschaft, die eigentlich mit mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter eine hohe Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung hat, hatte es lange große Skepsis an einer Altersvorsorge ohne Garantien gegeben. „Aber die Vorstellung, dass wir das mit Flächentarifverträgen schaffen, ist weit weg“, gab Kocsis zu bedenken.

          Das Gewerkschaftslager ist zurückhaltend

          Alle Beobachter schauen nun darauf, ob sich die Metall- und Elektroindustrie bewegt, eine der größten Branchen des Landes. Die Arbeitgeber sind bereit. „Grundsätzlich stehen wir zum Sozialpartnermodell und wollen es schnell umsetzen“, sagte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander auf der Tagung des Eberbacher Kreises, eines Zusammenschlusses der in der betrieblichen Altersversorgung führenden Rechtsanwälte des Landes. Die IG Metall indes wolle ihren Gewerkschaftstag abwarten. Das Gewerkschaftslager ist zurückhaltend, weil im neuen Modell Kapitalmarktrisiken allein beim Arbeitnehmer liegen.

          „In Anleihen zu investieren wird nicht ausreichen, um die Lohnersatzraten zu erzielen, die nötig sind“, sagte Geraldine Leegwater, beim größten niederländischen Pensionsfonds ABP für Kapitalanlage verantwortlich. Die Niederlande zählen durch eine steuerfinanzierte Grundrente und eine starke zweite Säule mit einer quasi-verpflichtenden Betriebsrente zu den drei OECD-Staaten mit den höchsten Ersatzraten. Aus Sicht von Leegwater geht das nur durch ein ausgewogenes Anlageportfolio.

          Es besteht zu 34 Prozent aus Aktien (davon 9 Prozentpunkte in Schwellenländern), 14 Prozent Darlehen und 10 Prozent Immobilien. Auf Sicht von zwanzig Jahren hat das eine jährliche Verzinsung von 7 Prozent gebracht. Pensionen werden nicht an die Preis- oder Lohnentwicklung angepasst. „Das kann zu Situationen führen, in denen wir Pensionen reduzieren müssen“, sagte sie. „Das ist keine populäre Maßnahme, aber besser, als gar nicht zu sparen.“

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