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Fragen und Antworten : Was Sie über das neue Rentenpaket wissen müssen

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Vor allem ältere männliche Facharbeiter. Denn profitieren sollen Arbeitnehmer, die 45 Beitragsjahre nachweisen können. Die Altersgrenze 63 Jahre gilt aber nur für die Geburtsjahrgänge 1951 und 1952. Sie steigt dann für spätere Jahrgänge in Zwei-Monats-Schritten, parallel zur Rente mit 67. Arbeitnehmer des Jahrgangs 1964, die grundsätzlich bis 67 arbeiten müssen, können 2029 im Alter von 65 abschlagsfrei in Rente gehen. Zu den 45 Beitragsjahren zählen nicht nur Jahre der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, sondern auch Zeiten mit freiwilligen Beiträgen, wenn mindestens 18 Jahre mit Pflichtbeiträgen aus Beschäftigung oder selbständiger Tätigkeit vorhanden sind, Zeiten des Wehr- oder Zivildienstes, Kindererziehungs- und Pflegezeiten, Zeiten des Bezugs von Kurzarbeiter-, Schlechtwetter- und Insolvenzgeld, Zeiten des Bezugs von Leistungen bei beruflicher Weiterbildung sowie (unbegrenzt) Zeiten der Kurzzeitarbeitslosigkeit. In den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn („rollierender Stichtag“) zählt die Arbeitslosenzeit allerdings nur, wenn sie Folge einer Insolvenz oder vollständigen Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers ist. Nicht berücksichtigt werden Ausbildungszeiten und Zeiten des Bezugs von Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld.

Wer geht leer aus?

Die Rente mit 63 gilt vom 1. Juli an - aber nicht rückwirkend: Alle, die bis dann mit Abschlägen in Rente gegangen sind oder noch gehen, müssen diese Abschläge auf Dauer hinnehmen - selbst wenn sie die Voraussetzungen sonst erfüllen. Die Rente mit 63 verstößt gegen das sogenannte Äquivalenzprinzip, nach dem sich die Höhe der Rente nach der Höhe der Einzahlungen bemisst. Verlierer sind daher auch alle, die (etwa wegen einer langen Ausbildung) weniger als 45 Beitragsjahre zusammenbekommen - selbst wenn sie in die Rentenkasse womöglich mehr eingezahlt haben. Verlierer könnten auch die Unternehmen sein, die in nächster Zeit auf unerwartet viele Fachkräfte verzichten müssen, die von der Frührente Gebrauch machen. Als Ausgleich ist ein Einstieg in die „Flexi-Rente“ vorgesehen. Danach können Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer befristet nach Erreichen der Regelaltersgrenze (von derzeit 65 Jahren und drei Monaten) weiter beschäftigen.

Wer zahlt?

Die Frührente wird aus der Rentenkasse bezahlt, also von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Wie bei der Mütterrente zahlen auch hier die Rentner mit, weil der Rentenanstieg geringer ausfallen wird.

Erwerbsminderungsrente

Wer gewinnt?

Alle, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können und nach dem 1. Juli erstmals eine Erwerbsminderungsrente beziehen, können im Vergleich zur heutigen Rechtslage mit einem Aufschlag von rund 40 Euro im Monat rechnen. Beim Eintritt der Erwerbsminderung in jungen Jahren wird gegenwärtig so getan, als ob noch bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres weitergearbeitet worden wäre. Künftig werden Erwerbsgeminderte so gestellt, als ob sie mit ihrem bisherigen Einkommen bis 62 weitergearbeitet hätten. Außerdem sollen die letzten vier Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung, oft schon durch Ausfälle gekennzeichnet, künftig für die Bewertung der Zurechnungszeit herausfallen, wenn dies für den Rentner günstiger ist.

Wer geht leer aus?

Heutigen Erwerbsminderungsrentnern, die häufig in die Gefahr der Altersarmut geraten und zusätzlich Grundsicherung beziehen, bringt die Aufstockung nichts.

Wer zahlt?

Finanziert wird die Aufstockung von den Beitragszahlern.

Reha-Deckel

Wer gewinnt?

Alle, denen die Rentenversicherung Leistungen der beruflichen Rehabilitation gewährt. Denn das Reha-Budget von zuletzt 5,8 Milliarden Euro wird aufgestockt. Bei der Erhöhung wird künftig nicht mehr nur die Entwicklung der Lohnsumme berücksichtigt, sondern auch die demographische Entwicklung. 2014 steigt das Reha-Budget um rund 100 Millionen Euro. Weil die Babyboomer ins Reha-Alter kommen, steigt die Erhöhung bis 2017 auf 233 Millionen Euro. Danach sinkt es.

Wer zahlt?

Finanziert wird die Erhöhung aus der Rentenkasse.

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