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Umkehrhypotheken : Rente aus Stein

Wieviel Rente gibt es dafür? Bild: dpa

Der Bedarf wäre groß: Statt sich Geld zu leihen um eine Immobilie zu kaufen, beleiht man seine Immobilie und kriegt so eine Rente. Das Ganze nennt sich Umkehrhypothek.

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          Die Idee klingt verlockend: Rentner erhalten eine zusätzliche Geldquelle, indem sie ihr Eigenheim verrenten. Es gibt Angebote wie Umkehrhypothek oder Immobilienrente, doch der Markt in Deutschland kommt nicht in Schwung. Das ist in Amerika oder Großbritannien anders. Dort ist die „Rente aus Stein“ ein fester Bestandteil der Altersvorsorge. Die Idee hat in Deutschland Anhänger: Senioren, die keine ausreichende Rente haben, beleihen ihre Immobilie und verschaffen sich so eine zusätzliche monatliche Finanzquelle.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Potential hatte der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) vor fünf Jahren auf ein Kreditvolumen von mehr als 90 Milliarden Euro geschätzt. Dies basiert auf rund einer Million Wohneigentümer im Alter von 55 bis 69 Jahren, deren Immobilie mehr als 100.000 Euro wert ist und deren monatliches Einkommen unterdurchschnittlich ist.

          Doch bislang Fehlanzeige: „Die Postbank bietet solche Umkehrhypotheken derzeit nicht an“, erklärte ein Sprecher. Die Nachfrage, aber auch das Angebot seien sehr überschaubar. Von der R+V Versicherung, die noch immer die Immobilienrente anbietet, ist ebenfalls nur Ernüchterndes zu vernehmen: „Das Produkt befindet sich derzeit in einer internen Überarbeitung.“ Es gibt erfolgreiche Angebote von Stiftungen, die sich aber auf Luxusimmobilien konzentrieren und vor allem in Süddeutschland tätig sind.

          Vorhandene Angebote uninteressant

          Doch sie können nicht den Bedarf abdecken. Ein größeres Angebot an Umkehrhypotheken hält Hartmut Schwarz, Finanzfachmann von der Verbraucherzentrale Bremen, für wünschenswert. Denn sie könne eine zusätzliche Finanzquelle im Alter sein. Gerade dann, wenn es für die Immobilie keine Erben gibt oder die Nachkommen daran nicht interessiert sind.

          Doch im Gegensatz zu Amerika oder Großbritannien sei der Markt in Deutschland dafür noch unterentwickelt. „Das liegt auch an den uninteressanten Angeboten der Banken und Versicherer“, sagt der Verbraucherschützer. Zum einen weiche der für die Zusatzrente maßgebliche Beleihungswert der Immobilien in der Regel deutlich vom Verkehrswert ab. Viele Banken wollten nicht über 40 Prozent des Verkehrswerts hinausgehen. Zum anderen sei die Verzinsung mager. „Eine interessante Rente ist erst ab einem Verkehrswert der Immobilie von 500.000 Euro möglich“, gibt Schwarz zu bedenken. Doch Immobilien in ungünstiger Lage, etwa auf dem Land, sind deutlich weniger wert, und die Enttäuschung ist groß, wenn nur eine Rente von 100 Euro im Monat herauskommt.

          Der Bundesverband der Öffentlichen Banken nennt auch rechtliche Probleme als Ursache für die Zurückhaltung der Kreditinstitute. Denn die Belastung einer Immobilie mit Kredit, daher der Name Umkehrhypothek, mit dann monatlicher Ratenzahlung ist ein Geschäft, das dem von Versicherern ähnelt. Der Spielraum der Banken ist eingeschränkt, deshalb sind ihre Angebote von hoher Vorsicht geprägt. Schwierig ist es, die Laufzeit des Kredites festzulegen. Welcher Rentner weiß zum Beispiel, ob er in 15 Jahren aus seinem Haus aus- und in ein Altenheim umziehen muss? Aus Sicherheitsgründen nehmen die Anbieter dieser Umkehrhypotheken eine lange Lebenszeit an, was neben dem niedrigen Beleihungswert die monatliche Rente zusätzlich drückt. Gibt es Erben, wird die Verrentung der Immobilien noch komplizierter. Da ist der Verkauf der Immobilie und der anschließende Kauf oder die Anmietung einer kleineren Wohnung einfacher und oft auch attraktiver.

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