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Mobil mit dem Treppenlift : Planen für die Pflege

Irgendwann lacht keiner mehr über den Treppenlift. Bild: Picture-Alliance

Wenn Menschen die finanzielle Absicherung ihres Alters planen, müssen sie auch eine spätere Pflegebedürftigkeit einkalkulieren. Bei der Pflege geht es aber nicht allein um Geld.

          Für viele junge Menschen ist die Fernsehwerbung über Treppenlifts eine Quelle der Erheiterung. Ältere Leute, die beglückt lächelnd auf einem Lift sitzen und sich im Schneckentempo durch das Treppenhaus bewegen – für viele junge Menschen ist das eine Erscheinung aus einer fremden Welt.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Auch viele jüngere Erwachsene weisen den Gedanken an einen Treppenlift weit von sich, wenn sie sich den Traum vom Bau eines Eigenheims erfüllen. Jahrzehnte später dann ist der Jammer groß, wenn sich das Schlafzimmer im Obergeschoss befindet, die Beine müde geworden sind, aber das Treppenhaus für einen Lift ungeeignet erscheint.

          Dort, wo der Einbau eines Treppenlifts technisch möglich ist, sieht die Rechnung in etwa so aus. Der Einbau eines neuen Lifts kann rund 10.000 Euro kosten. Die Krankenkasse verlangt die Einsendung von drei Vergleichsangeboten, ehe sie über einen Zuschuss entscheidet. Immerhin fällt der Zuschuss, wenn er genehmigt wird, mit bis zu 4000 Euro recht ansehnlich aus. Aber auch so bleibt ein Treppenlift ein teures Vergnügen, das für viele Betroffene das Geld allerdings mehr als wert ist.

          Pflegebedürftigkeit ist sehr unterschiedlich

          Wenn Menschen über die finanzielle Planung des Alters nachdenken, steht oft der monatliche Betrag im Vordergrund, der für ein sorgenfreies Leben nach dem Beruf notwendig erscheint, in dem man sich viele Dinge wie die berühmte Kreuzfahrt gönnen möchte, für die während des Arbeitslebens nie genügend Zeit vorhanden war.

          Aber zum Alter – und nicht nur zum Alter, denn das Verhängnis kann auch Jüngere treffen – gehört auch die Möglichkeit, ein Pflegefall zu werden. Rein statistisch trifft dieses Schicksal nicht jedermann, aber vernachlässigbar ist das Risiko auch nicht: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen beläuft sich in Deutschland auf knapp 3 Millionen. Die durchschnittliche Pflegedauer eines Menschen beträgt rund 7 Jahre.

          Allerdings werden unter der Überschrift „Pflegebedürftigkeit“ sehr unterschiedliche Schicksale zusammengefasst. Heute unterscheidet der Gesetzgeber fünf Pflegegrade, wobei die Einstufung eines Menschen im Wesentlichen von der Frage abhängt, wie selbständig er sein Leben führen kann.

          Im Pflegegrad 1 sind die Beeinträchtigungen so gering, dass ein Pflegegeld oder die von einer Kasse finanzierte Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst noch nicht in Frage kommt. Wohl sind in diesem Stadium Zuschüsse für Wohnungsumbauten wie Haltegriffe im Badezimmer oder erhöhte Toilettensitze möglich.

          Am anderen Ende der Skala werden im Grad 5 Menschen erfasst, die schwer pflegebedürftig sind. Die Einstufung in einen Pflegegrad wird von Experten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung oder, bei Privatversicherten, von dem Unternehmen Medicproof vorgenommen. Gegen eine Einstufung haben die Betroffenen ein Widerspruchsrecht.

          Genug Geld für die Pflege

          Sorgen, dass es kein Geld für die Pflege geben könnte, sind in Deutschland unbegründet. Das finanzielle Konzept beruht auf einem Drei-Säulen-Modell: Zunächst sind Zahlungen aus der Pflegeversicherung – gesetzlich oder privat – vorgesehen. Reicht das Geld nicht, kommt in der zweiten Säule das Vermögen der zu pflegenden Person hinzu. Hat die Person kein Vermögen oder erweist es sich nicht als ausreichend, stehen in der dritten Stufe staatliche Hilfen zur Verfügung.

          Von den knapp 3 Millionen pflegebedürftigen Menschen werden mehr als zwei Drittel zu Hause versorgt – überwiegend von Familienangehörigen, aber auch von ambulanten Pflegediensten. Die Wahl eines Pflegedienstes ist eine ebenso schwierige wie wichtige Entscheidung, weil nicht allein die Kosten eine Rolle spielen.

          Die häusliche Pflege ist bis heute kein Geschäftsmodell für Roboter; vielmehr ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Betreuer notwendig. Damit die Leistungen von Pflegediensten abgerechnet werden können, muss ein Anbieter von den Pflegekassen zugelassen sein. Wie sehr die Betreuung auf einem Vertrauensverhältnis beruht, belegt auch die Tatsache, dass der prognostizierte „Oma-Export“, gemeint ist die Unterbringung von Senioren in billigen Heimen in Osteuropa, offenbar nicht in dem erwarteten Maße in Gang gekommen ist.

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