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Pflege, Vorsorge und Finanzen : Das sind die Sorgen der Generation 50plus

Fast jeder Dritte zwischen 50 und 65 wählt die „Vogelstrauß“-Strategie: Ängste über das Alter und die Risiken einfach ausblenden. Bild: Picture-Alliance

Laut einer Studie stellt sich die aktuelle finanzielle Situation für fast die Hälfte der 50 bis 65 Jahren schlechter dar als gedacht. Nicht nur die Kosten einer möglichen Pflege ängstigen sie.

          Ist man erst einmal 50 Jahre alt, dann rückt das Rentenalter rasch näher. Nicht nur die offiziellen Zwischenmitteilungen der Rentenversicherung jagen vielen Menschen dabei einen großen Schrecken ein. Denn ihnen wird häufig erst dann bewusst, dass sie es bisher weitgehend versäumt haben, für ihr Alter selbst vorzusorgen und die gesetzliche Rente damit aufzubessern. Viele Optionen gibt es dann einfach nicht mehr.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Und die Bilanz ist vielfach ernüchternd. Eine für Bundesbürger von 50 Jahren an repräsentative Umfrage der Postbank, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt, zeigt, dass sich für fast jeden zweiten Befragten im Alter von 50 bis 65 Jahren die aktuelle finanzielle Situation schlechter darstellt als gedacht. In der Altersgruppe bis zu 79 Jahren teilen gut ein Drittel diese Meinung. Unter den noch älteren Befragten sind dagegen nur 14 Prozent dieser Ansicht. Laut der Umfrage schätzen so junge Rentner ihre Lage deutlich schlechter ein als ältere.

          Sorgen bereitet vielen vor allem die Pflegebedürftigkeit im Alter. Im Durchschnitt rund 28 Prozent der mehr als 50 Jahre alten Deutschen befürchten, dass sie die Kosten für Pflege im Alter nicht aus eigener Kraft bezahlen können. 15 Prozent ängstigen sich vor Krankheit und 9 Prozent vor einer zu geringen gesetzlichen Rente. Kaum ein Umfrageteilnehmer sorge sich aber über eine zu geringe private Vorsorge, heißt es von der Postbank. Rund 29 Prozent der Befragten verfolgen gleichwohl eine gewisse „Vogelstrauß“-Strategie. Sie blenden die Ängste über das Alter und die Risiken einfach aus, solange es geht, oder machen sich gar keine Sorgen.

          Ersparnisse als Notfallreserve

          Finanzielle Hilfe von Angehörigen anzunehmen, falls die eigenen Einkünfte später nicht ausreichen, ist laut der Umfrage der Postbank durchschnittlich für 61 Prozent der Deutschen im Alter von mindestens 50 Jahren ein Tabu. Dies sagen aber deutlich mehr Ost- als Westdeutsche. Und 86 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sie keine Geldleistungen von ihren Familien benötigen werden. Etwa 6 Prozent der Umfrageteilnehmer erhalten tatsächlich finanzielle Unterstützung von ihren Angehörigen.

          Laut der Umfrage besitzen 62 Prozent der Rentner Ersparnisse. Der Anteil der Westdeutschen, die Geld auf der hohen Kante haben, liegt über dem der Ostdeutschen – es vergleichen sich 63 mit 57 Prozent. Zudem haben durchschnittlich mehr Männer (65 Prozent) als Frauen (59 Prozent) Rücklagen gebildet. Je höher der Bildungsabschluss, desto eher haben die Befragten gespart, desto mehr dürften sie aber auch meist verdient haben. Jeder Dritte verwahrt das Geld vor allem als Reserve für den Notfall. 12 Prozent wollen sich davon hauptsächlich etwas gönnen. Und 10 Prozent benötigen es, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Im Alter von 50 bis 65 Jahre sagen Letzteres 18 Prozent. Und im Durchschnitt knapp jeder zweite deutsche Rentner tastet seine Ersparnisse für alltägliche Ausgaben zumindest an.

          Geschlechterspezifische Unterschiede gibt es auch hier: Mehr Frauen als Männer nutzen die Ersparnisse vor allem als Notfallreserve. Letztere gönnen sich dagegen häufiger etwas damit.

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