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Verbesserung bei Lebensversicherer : Allianz und R+V erfreuen Kunden und Aktionäre

Generali Deutschland in Köln: Drei ihrer Versicherer (Aachen Münchener, Generali Leben, Cosmos) gehören in die Top 12 Bild: Eilmes, Wolfgang

Einige Lebensversicherer liefern ihren Kunden und den Eigentümern gute Ergebnisse. Trotz der Niedrigzinsphase verbessern sich viele Anbieter.

          3 Min.

          Unter den zwölf größten deutschen Lebensversicherern weichen die Leistungen stark voneinander ab. Eine Gruppe von fünf Unternehmen präsentiert sich schon seit einigen Jahren mit soliden Ergebnissen. Die andere Gruppe hält nur schwer mit. Allerdings hat diese schwächere Gruppe ihre Kostensituation und den Anlageerfolg zum Teil kontinuierlich verbessert. Zu der Gruppe der leistungsstärksten Versicherer zählen Marktführer Allianz, die R+V, die Bayern-Versicherung, die Debeka und die Cosmos. Dies zeigt eine Untersuchung des Ludwigshafener Betriebswirtschaftsprofessors Hermann Weinmann, die dieser Zeitung vorliegt. Diese Unternehmen sind vor allem bei ihren Kosten wettbewerbsfähiger als ihre größten Wettbewerber.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Cosmos, die erstmals zu den zwölf größten Gesellschaften der Branche gehört, weist bei den Abschlussaufwendungen mit 1,9 Prozent der Beitragssumme die niedrigsten Kosten auf. Allerdings hat sie als Direktversicherer kein Vetriebsnetz und bietet Kunden somit weniger Dienstleistungen. Zudem macht sie einen großen Teil des Geschäfts mit hohen Einmalbeiträgen, wodurch der durchschnittliche Abschlussaufwand geringer ist. Auch die Debeka mit einer Quote von 3,4 Prozent ist ein Sonderfall, weil sie mit angestellten Außendienstmitarbeitern zusammenarbeitet, die wenig Provision erhalten. Bei Allianz, R+V und Bayern-Versicherung, die zwischen 4,2 und 4,4 Prozent liegen, zeigt sich schon eher die Leistung. Im Vergleich zu den Schlusslichtern Zurich und HDI Leben (mit 6,6 und 6,9 Prozent) verkaufen sie ihre Policen deutlich günstiger. Ähnliche Tendenzen zeigen sich bei den Verwaltungskosten.

          Allianz Leben mit dem robustesten Kapitalanlageergebnis

          Zurich und HDI sind auch die Versicherer, die am wenigsten Puffer dafür haben, in der Zukunft ihre Überschussbeteiligungen zu glätten. Haben die Nürnberger und die Bayern-Versicherung noch Reserven, um mehr als drei Jahre lang ihre aktuellen Überschussbeteiligungen aufrechtzuerhalten, reichen die Mittel bei Zurich und HDI dafür nur 0,8 Jahre lang.

          Die Allianz Leben hat im Jahr 2012 das robusteste Kapitalanlageergebnis der zwölf größten Lebensversicherer erzielt. In ihrer Durchschnittsverzinsung liegt sie zwar mit 4,2 Prozent deutlich hinter der Debeka, die auf 4,8 Prozent kam. Durch Veräußerungsgewinne konnte die Allianz Leben dieses Ergebnis in der Nettoverzinsung aber auf 5,0 Prozent steigern. Mit 20,8 Prozent ihres Rohüberschusses konnte sie auch einen höheren Anteil ihres Gewinns an die Muttergesellschaft nach München überweisen als im Vorjahr. Auch die Württembergische Leben (13,8 Prozent) und die R+V (11,9 Prozent) erfreuten ihre Aktionäre. Allerdings war dieser Anteil bei der Württembergischen nur noch halb so groß wie im Vorjahr. HDI Leben (die zur Talanx gehört) und die Generali Leben (Teil des Generali-Konzerns) können traditionell wenig zum Ergebnis ihrer börsennotierten Mutterkonzerne beitragen. Das war mit 4,8 und 1,5 Prozent auch diesmal wieder so.

          Abgesang der klassischen Lebensversicherung verfrüht

          Anders als die leistungsstarke Debeka, die Cosmos oder die Nürnberger hat die Allianz stark die Möglichkeit genutzt, Papiere mit hohen Bewertungsreserven zu veräußern und die Mittel neu anzulegen. Die stillen Reserven sind durch den niedrigen Kapitalmarktzins bemerkenswert in die Höhe geschossen: bei der Allianz von 16 auf 29,5 Milliarden Euro, bei der Debeka von 0,3 auf 5 Milliarden Euro und bei der Aachen Münchener von 0,14 auf 2 Milliarden Euro. An den Kapitalanlageergebnissen der zwölf Gesellschaften lasse sich nicht ablesen, dass die Versicherer durch hohe Bewertungsreserven und die Pflicht, ihre Kunden mit auslaufenden Verträgen daran zu beteiligen, besonders unter Druck geraten wären, schreibt Studienautor Weinmann. Dies hatte der Branchenverband GDV als Argument für eine Reform der Ausschüttungspraxis ins Feld geführt. In Weinmanns Untersuchung werden kleinere Anbieter mit womöglich größeren Schwierigkeiten allerdings nicht berücksichtigt.

          Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass ein Abgesang auf die klassische Lebensversicherung verfrüht sei, schreibt Weinmann. Im Vergleich zum Jahr 2009 haben sich die Generali, die Württembergische, Nürnberger, Zurich und Ergo verbessert. Weinmann betont aber, dass sich die langfristigen Folgen der Euro-Krise erst später zeigen dürften. Wegen der hohen durchschnittlichen Laufzeit ihrer Kapitalanlage wird die Branche erst nach und nach getroffen.

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