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Start ins Berufsleben : Riestern oder Fitnessstudio?

Riestern ist nach wie vor nicht jedermanns Sache. Bild: dpa

Wer neu ins Berufsleben startet, freut sich erst einmal über das viele Geld, das er plötzlich bekommt. Ans Alter will da doch noch keiner denken. Ist diese Haltung ein Fehler?

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          Mona Peters kennt solche Partygespräche. Sie und ihre Freunde sind gerade einmal Mitte 20 und verdienen ihr erstes regelmäßiges Gehalt. Doch dann und wann blicken sie auch schon ganz weit in die Zukunft: wird das Geld auch noch reichen, wenn sie einmal in Rente gehen? Die meisten ihrer Freunde gingen davon aus, dass sie sich auf die gesetzliche Rente allein nicht verlassen sollten, erzählt Peters. Das sei ihnen in der Schule schließlich oft genug erzählt worden. Aber jetzt schon mit dem Sparen für die Altersvorsorge anfangen und dafür regelmäßig Geld zurücklegen? Das sei den meisten dann doch zu früh.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mona Peters hat vor einem Jahr ihre Banklehre begonnen. Und die Bankkauffrau in spe ist schon jetzt vorbildlich, wenn es darum geht, ihre Zukunft mit den Produkten der Finanzindustrie abzusichern. Sie selbst hat natürlich einen Riester-Vertrag abgeschlossen, plus einen Bausparvertrag für den Fall, dass sie einmal eine Immobilie kaufen möchte. Nun zahlt sie monatlich 50 Euro in den Riester und 60 Euro in den Bausparvertrag ein. „Wenn meine wirtschaftliche Situation so bleibt wie sie ist, fühle ich mich damit gut abgesichert“, sagt Peters.

          Fühlt sie sich denn heute nicht ein bisschen eingeschränkt, wenn sie schon jeden Monat 10 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für irgendwann einmal zurücklegt? Nein, sagt sie, weil sie damit ja noch angefangen habe, bevor sie sich überhaupt an ihre neue finanzielle Freiheit gewöhnt habe. Und andere zahlten so viel für ihr Fitnessstudio. Wenn ein junger Mensch sich zum ersten Mal bei der Bank über seine Altersvorsorge informiert, ist die Chance ziemlich groß, dass der Berater ihm zu einem Riester-Vertrag rät. Die Zahlen klingen verlocken.

          Je nach Einkommen, reicht es, rund 50 Euro im Monate einzuzahlen, um vom Staat die volle Zulage von 154 Euro im Jahr zu erhalten. Hinzu kommen Steuervorteile und wenn einmal Nachwuchs kommt, erhält der Riester-Sparer für jedes Kind eine Extraprämie von bis zu 300 Euro. So kann sich in manchen Fällen allein aus den Zulagen eine Rendite von knapp fünf Prozent im Jahr ergeben, rechnet die Fondsgesellschaft der Volksbanken, Union Investment, vor.

          „Der Zinseszins ist wie ein achtes Weltwunder"

          Je früher der junge Mensch mit dem Riestern anfängt, so heißt es vom freundlichen Bankberater, desto besser. „Der Zinseszins ist wie ein achtes Weltwunder“, sagt etwa Silvia Kaiser, die als Vorsorgemanagerin beim Versicherungsservice der Frankfurter Sparkasse arbeitet. Und dem Argument ist auch wenig entgegenzusetzen. 40 Jahre und mehr kann ein junger Mensch schließlich die Verzinsung seiner Zinsen genießen, und so schon bei einem Zinssatz von weniger als zwei Prozent den Einsatz verdoppeln.

          Doch zwei Dinge verschweigen Bankberater allzu gern, wenn sie die Lobeshymne auf den Riester singen: Die Gebühren, die sie selbst für den Abschluss und die Verwaltung des Vertrags kassieren, und die Rückzahlung der Steuererleichterungen, die Riester-Sparer stemmen müssen, wenn sie sich eigentlich über ihre aufgestockte Rente freuen wollen. Beides drückt die tatsächliche Rendite erheblich.

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