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Niedrige Zinsen : Lebensversicherer schalten in den Krisenmodus

  • -Aktualisiert am

Immer weniger schließen eine Lebensversicherung ab Bild: dpa

Die Niedrigzinsen machen den Lebensversicherern zu schaffen, immer mehr fordern eine Senkung des Garantiezinses. Dabei bleiben schon heute die Kunden aus.

          2 Min.

          Lebensversicherungen beruhen auf einem einfachen Versprechen: Die Versicherer schützen die Versicherungsnehmer vor dem Auf und Ab der Finanzmärkte und zahlen ihnen eine relativ verlässliche Rendite. Dafür soll sich der Kunde nicht groß dafür interessieren, woher die Rendite kommt. Nun zeigt sich, wie schwer es den Versicherern fällt, angesichts der Niedrigzinsen ihr Versprechen zu halten. Der Streit um die Bewertungsreserven ist erst der Anfang.

          Nun plädiert auch der Branchenverband GDV dafür, den Garantiezins von aktuell 1,75 Prozent für neu abgeschlossene Verträge zu senken. Der Garantiezins ist die untere Marke, die der Versicherer über die oft jahrzehntelange Laufzeit auszahlen muss. Das Bundesfinanzministerium will den Garantiezins Anfang 2015 auf 1,25 Prozent herabsetzen. Das ist dem GDV zu schnell. „Wir brauchen Zeit für eine technische Umstellung“, sagte GDV-Präsident Alexander Erdland und nannte Anfang 2016 als frühesten Termin.

          Eine weitere Senkung des Garantiezinses lässt die Lebensversicherung weiter an Attraktivität verlieren. Schon heute bleiben die Kunden aus. „Wir hatten im vergangenen Jahr bei Verträgen mit laufenden Beitragszahlungen einen Rückgang um 15 Prozent“, berichtet Carlos Reiss, Gründer und Geschäftsführer von Hoesch und Partner in Frankfurt, einem der größten unabhängigen Versicherungsmakler in Deutschland. „Immerhin konnten wir diesen Rückgang durch mehr Verträge per Einmalbeitrag ausgleichen.“

          Der Streit um die Bewertungsreserven

          Dieses Stimmungsbild bestätigen die Branchenzahlen. Im vergangenen Jahr stürzte das Neugeschäft mit regelmäßigen Beiträgen um 13,1 Prozent, teilte der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) diese Woche mit. Die Beitragseinnahmen der Lebensversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds stiegen im Vergleich zum Vorjahr dennoch um 4 Prozent auf 90,8 Milliarden Euro. Das lag allerdings an Einmalzahlungen, deren Summe um 14,2 Prozent auf 25,7 Milliarden Euro stieg.

          Derzeit profitieren Versicherungsnehmer, deren Lebenspolicen fällig werden oder die von sich aus kündigen, davon, dass die Zinsen in den vergangenen Jahren gesunken sind. Viele Versicherer haben noch hohe Bestände an Anleihen, die vor Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 oder kurz danach emittiert worden sind. Diese bieten oft Kupons von 4 oder 5 Prozent. Weil die Bundesregierung derzeit zehnjährige Bundesanleihen zu rund 1,6 Prozent platzieren kann, sind die Vierprozenter entsprechend gefragt. Das lässt ihre Kurse steigen und damit ihren Wert in den Beständen der Lebensversicherer. Diese Buchgewinne fließen in die Bewertungsreserven, die seit dem Jahr 2008 zur Hälfte an die Versicherungskunden ausbezahlt werden müssen. Wem diese Bewertungsreserven zustehen, sorgt derzeit für Streit: Die Bundesregierung will sie auf alle Versicherungsnehmer umlegen. Vertreter der Versicherungsbranche wie Reiss dagegen halten dies für eine unfaire Benachteiligung jener Kunden, deren Verträge nun fällig werden.

          Der Streit um die Bewertungsreserven wird ohnehin bald enden. Bleiben die Zinsen niedrig, werden die Bewertungsreserven aufgezehrt, je mehr die alten Hochprozenter fällig werden. Sollten die Zinsen sogar wieder steigen, werden die Buchgewinne in den Anleihedepots der Lebensversicherer in Buchverluste umschlagen. Dann wird die Debatte um die Erträge von Lebensversicherungen unter ganz anderen Vorzeichen geführt werden.

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